| Interview mit Dr. Kerstin Hoffmann

"Wer interessante Inhalte anbietet, hat erzwungene Postings nicht nötig"

"Meistens baut der Anbieter damit einfach unnötige Schranken ein."
Bild: Susanne Fern, susanne-fern.de

Im Social Web werden häufig "Pay with a Tweet"-Mechanismen eingesetzt. Dabei geht es darum, in der Informationsflut möglichst viel Aufmerksamkeit unter den Social-Media-Nutzern zu generieren. Ob und unter welchen Umständen das funktioniert, weiß die Kommunikationsberaterin Dr. Kerstin Hoffmann.

acquisa: Was wird eigentlich alles mit einem Tweet bezahlt und was steckt dahinter?

Kerstin Hoffmann: Meistens geht es darum, dass der Anbieter eines Inhalts im Web – das kann ein Text, ein E-Book oder ein sonstiger Download sein – die Empfehlung sozusagen einfordert. Sprich: Der Empfänger kann den vollständigen Artikel erst lesen oder das PDF erst herunterladen, nachdem er sich über einen entsprechenden Button bei Twitter eingeloggt und den Inhalt mit einem eigenen Tweet empfohlen hat.

acquisa: Was halten Sie aus PR- und Marketing-Sicht davon?

Hoffmann: In ganz bestimmten Fällen kann das vielleicht sinnvoll sein. Meistens jedoch baut der Anbieter damit einfach unnötige Schranken ein. Statt besonders viele Empfehlungen zu generieren, bekommt er womöglich weniger davon und weniger hochwertige. Meinungsbildner, die eine Reputation zu verlieren haben, werden in der Regel nicht ungeprüft irgendetwas weiterverbreiten.

Wer wirklich interessante Inhalte anbietet, hat solche erzwungenen Postings auch eigentlich gar nicht nötig. Wenn der Aussender im Web sichtbar ist und der Inhalt wertvoll, dann braucht er sich um die Verbreitung meist nicht zu sorgen. Ist er nicht gut vernetzt oder liefert er Minderwertiges, dann reißt er es auch mit einer eingeforderten Empfehlung nicht heraus.

acquisa: Was müssen Unternehmen beachten, damit die Sache nicht nach hinten losgeht bzw. unter welchen Umständen kann „Pay with a Tweet“ sich lohnen?

Hoffmann: Im Zweifel beraubt man sich einfach der Reichweite. Wer Inhalte wirkungsvoll an bestimmte Zielgruppen bringen will, braucht immer ein professionelles Kommunikationskonzept. Ist das nicht vorhanden, kann noch ganz anderes "nach hinten losgehen" – von juristischen Aspekten, die ebenfalls zu beachten sind, einmal abgesehen.

Lohnen könnte sich ein solches Modell, wenn beispielsweise große Empfängerzahlen mit niedriger Bindung an eine Marke oder einen Anbieter erreicht werden sollen. Oder wenn der "Deal" ganz klar ist, das heißt, wenn der Empfänger vorher genau weiß, was er für seine Empfehlung bekommt. Ob es dann erforderlich ist, ist immer noch die Frage. Das kann jeder nur selbst im Einzelfall entscheiden.

Schlagworte zum Thema:  Social Media, PR, Marketing

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