18.06.2012 | Interview mit Catharina van Delden

"Crowdsourcing funktioniert fast überall"

"Ähnliche Informationen wie bei einer qualitativen Marktforschung."
Bild: Innosabi

Als Unseraller.de vor zwei Jahren startete, brachte Betreiber Innosabi vor allem großen Marken das Thema Crowdsourcing näher. Mittlerweile ist die Plattform für alle offen. Doch nützt Crowdsourcing auch dem Bäcker nebenan? acquisa hat nachgefragt bei Mitgründerin und Geschäftsführerin Catharina van Delden.

acquisa: Frau van Delden, ist Crowdsourcing Marktforschung für den kleinen Mann?

Catharina van Delden: Mit einer quantitativen Marktforschung ist Crowdsourcing nicht vergleichbar. Aber wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen, ist diese Form der kollektiven Entscheidungsfindung bestens geeignet. Unternehmen erhalten durch Crowdsourcing ähnliche Informationen wie bei einer qualitativen Marktforschung. Das ist für viele eine Alternative, denn eine qualitative Marktforschung können und wollen sich kleine Unternehmen in der Regel nicht leisten.

acquisa: Worin liegt aber der Unterschied?

van Delden: Bei der klassischen Marktforschung sind die Teilnehmer in der Regel bezahlte Panelisten und der Auftraggeber hat keinen direkten Kontakt zu ihnen. Das ist beim Crowdsourcing anders. Die Leute wollen Lösungen für Unternehmen entwickeln, machen das völlig freiwillig und stehen dazu mit den Anbietern in direktem Kontakt. Diese Verbindung zu den Teilnehmern macht Crowdsourcing für KMU so interessant. Neben den Daten bekommen KMU bei solchen Projekten direkten Kontakt zur Zielgruppe und können von ihr lernen.

acquisa: Für welche Unternehmen ist Crowdsourcing prinzipiell eine Option, wer sollte besser die Finger davon lassen?

van Delden: Überall dort, wo Kunden sich austauschen möchten, ist Crowdsourcing sinnvoll. Egal ob Pferdefutter oder Versicherungen – es funktioniert fast überall. Es kommt lediglich auf die richtige Fragestellung und das Setup an. Wichtig ist, dass man keinen Meckerkasten bietet, sondern konstruktiv nach Ideen fragt und seine Kunden in die Entwicklung neuer Produkte einbindet. Ursprünglich kommt Crowdsourcing aus dem B2C-Markt, aber seit einem guten halben Jahr häufen sich bei uns auch die Anfragen von B2B-Firmen. Momentan setzen wir beispielsweise einige sehr maschinenbaulastige Projekte um. Bisher lief im B2B-Sektor viel über Lead-User oder Fokusgruppen. Aber die einfachen und spielerischen Social-Media-Mechanismen greifen auch hier. Und offensichtlich macht das auch Ingenieuren Spaß.

acquisa: Crowdsourcing-Teilnehmer sind sehr online-affine und engagierte Leute. Damit sind sie aber nicht für jede Zielgruppe repräsentativ ...

van Delden: Der wichtigste Erfolgsfaktor ist es, die richtigen Leute zu erreichen. Wessen Kunden zum Großteil auf Facebook aktiv sind, der kann davon ausgehen, dass auch die Crowdsourcing-Teilnehmer diese Zielgruppe repräsentieren. Selbstverständlich ist das nicht bei allen Unternehmen der Fall. Einige unserer Kunden aus der Gastronomie stellen sich beispielsweise Plastikaufsteller mit QR-Codes in ihre Läden. So können Gäste, zum Beispiel während sie auf ihr Essen warten, mit dem Smartphone den QR-Code abfotografieren und auf der Landingpage ihre Wünsche für das nächste Frühstück hinterlegen. Wer am nächsten Tag das Frühstück wählt und an dessen Zusammenstellung beteiligt war, erhält beispielsweise einen Espresso. Mit intelligenten Aktionen erreicht man also seine Zielgruppe.

acquisa: Rechnen sich Crowdsourcing-Projekte auch monetär?

van Delden: Ja. Zunächst können Anbieter durch diesen Dialog die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe besser verstehen und ihre Strategien entsprechend ausrichten. Aber Crowdsourcing heißt vor allem, Ideen einzusammeln und in neue Produkte und Angebote einfließen lassen. Das Social Web bietet dafür alle Voraussetzungen. Wir sehen im Crowdsourcing daher eine interessante Möglichkeit, ein Social Media Engagement in Umsatz zu überführen. Wer bessere Produkte anbieten kann – also Produkte, welche die Zielgruppe auch wirklich haben möchte – der verkauft mehr und seine Kunden kommen häufiger wieder.

Schlagworte zum Thema:  Social Media, Marktforschung

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