23.04.2015 | Serie The Future of Marketing

Sharing Economy: Teile und besiege

Serienelemente
Carsharing ist der Klassiker der Sharing Economy.
Bild: Saga GWG

Die Sharing Economy bedroht etablierte Geschäftsmodelle. Denn immer mehr Konsumenten verleihen Dinge von privat oder bieten Dienstleistungen an. Dass sich Angebot und Nachfrage punktgenau treffen, dafür sorgen digitale Anwendungen. Doch der Gegenwind wird stärker.

Auch wenn sie es nicht gerne zugeben: Die Autohersteller ­haben Angst. Angst davor, dass immer weniger junge Leute den Führerschein machen. Angst davor, dass das Wachstum des Individualverkehrs endlich ist. Und Angst davor, dass Carsharing und Mitfahrdienste (wie die gerade vor allem unter ­Taxifahrern höchst beliebte App Uber) den Bedarf an Neu­wagen, nun ja, abwürgen.
Doch Uber ist nur einer von vielen Playern in der Sharing Economy. Grundsätzlich geht es dabei darum, Fremden Dinge oder Dienstleistungen gegen Geld anzubieten und so deren ganzes wirtschaftliches Potenzial auszuschöpfen. Denn wem nützt ­eine Bohrmaschine, die nur vier oder fünf Mal im Jahr benutzt wird? Oder ein Zelt, das die Kinder nur für zwei Schulausflüge gebraucht haben? Eben. Mit solchen Ansätzen können Privatleute also Ressourcen versilbern, die bisher im Schrank verstaubt sind. Und natürlich schwingt bei der ganzen Sache auch immer ein Hauch von Weltverbesserung durch Ressourcen­ersparnis mit. Denn die Nutzer müssen sich die Sachen nicht selbst kaufen. Ein weiterer Vorteil: Bewertungssysteme oder ein Blick auf das Facebookprofil helfen den ­Leuten, das Gegenüber und seine Dienste einzuschätzen.
Vermittelt werden diese Kleingeschäfte, die auch Mist machen, von privat zu privat über digitale Plattformen beziehungsweise Apps. Angebot und Nachfrage finden sich dadurch sehr direkt und sehr zielgenau. Die Anbieter finanzieren sich meist durch einen niedrigen prozentualen Anteil an den Summen, die bei den Transaktion fließen.
Prominentestes Beispiel für die disruptive Kraft eines solchen Ansatzes (neben Snapgoods und aktuell Uber) ist Airbnb. ­Das Unternehmen, das Übernachtungen vermittelt, soll bald zehn Milliarden Dollar wert sein. Zum Vergleich: Der Börsenwert von Hilton Worldwide liegt bei rund 20 Milliarden Dollar.
Doch wo Hersteller und Dienstleister übergangen werden, ist regulatorischer Ärger nicht weit. Die Unternehmen der Sharing Economy stoßen an politische und rechtliche Grenzen. Schon gibt es erste Regulierungsmaßnahmen gegen das "wilde" Vermieten von Wohnraum (in New York und sogar in der Airbnb-Heimat San Francisco) oder das Mitnehmen von Fahrgästen jenseits des Taxistands (in Brüssel). Ansatzpunkte gibt es dafür viele, denn die Gesetzgebung hinkt den sich schnell wandelnden Gegebenheiten der Realität vielfach hinterher. Die Probleme reichen von Fragen der Fahrsicherheit bis hin zu Hotel­abgaben.
Doch für die Unternehmen böten sich auch Chancen: Sie könnten einfach mitmischen und ihre Waren und Dienst­leistungen den Kunden quasi zum Test anbieten. Und im Nachgang zum Beispiel einen Rabatt auf einen Kauf anbieten. Oder eben ein ganz neues (Leih-)Geschäftsmodell für sich ent­decken.
Viele Autohersteller engagieren sich mittlerweile bei solchen Vermittlungsplattformen. Besonders konsequent wäre es, sich an einer App für die Parkplatzvermittlung zu beteiligen, wie zum Beispiel Monkeyparking. Und auch Google Ventures hat den Braten gerochen und sich zunächst mit mehr als 250 Millionen Dollar an Uber beteiligt. Ein Hinweis darauf, dass es auch in diesem Segment auf "the winner takes it all" hinauslaufen könnte.

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Online-Marketing, Digitalisierung, Social Media, Mobile Marketing

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