30.12.2013 | Serie Suchmaschinenoptimierung

Semantische Suche: Google auf dem Weg von der Such- zur Antwortmaschine

Serienelemente
Die semantische Suche hilft Google, eine Antwortmaschine zu werden und "Topics" zu verknüpfen.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Was, wenn Google nicht nur Vorschläge auf eine Suchanfrage liefern, sondern eine Frage direkt beantworten könnte? Das ist mitnichten eine  Zukunftsvision. Was Google bereits kann und welche Folgen das für Webseitenbetreiber hat, lesen Sie im neusten Teil unserer SEO-Serie.

„Wo ist Joachim Gauck geboren?“

„Rostock“, antwortet die Maschine präzise und ohne Umschweife.

Die Maschine ist die größte Suchmaschine der Welt. Sie hat (noch) nicht gelernt zu sprechen, aber offensichtlich versteht sie einfache Fragen und beantwortet sie auch direkt. Bis jetzt lieferte Google Vorschläge (in Form von URLs), die zu einem Suchbegriff passen könnten. Das ist offensichtlich nicht mehr genug.

Aber der Reihe nach. Einen eindeutigen Grundstein für diesen Schritt in Richtung semantischer Suche legte Google 2010, auch wenn das Streben eine Antwortsuchmaschine zu werden, eigentlich bereits beim offiziellen Google Start 1998 zu erkennen war.

„Wenn man im Web sucht, sucht man oft nicht nur nach einer Seite. Man sucht nach Antworten."

So heißt es auf einer Google-Seite. Der Global Player aus Mountain View kaufte 2010 mit Metaweb gleichzeitig ein semantisches Archiv namens Freebase. Diese Database hilft Google heute, den sogenannten Knowledge Graph zu entwickeln und zu erweitern. Diese Methode erlaubt es Google, Verknüpfungen zwischen verschiedenen Objekten („Entities“) herzustellen und so die Suchanfragen der Nutzer besser zu verstehen. Neben Freebase benutzt Google dafür noch viele weitere Informationsquellen, wie das CIA World Factbook oder Wikipedia.

„Welche Bücher hat Goethe geschrieben?“

Die Maschine listet Goethes gesammelte Werke mit Cover und Erscheinungsdatum auf.

Was hat sich genau geändert? Google versteht die aussagekräftigen Wörter „Bücher“ und „Goethe“ nicht mehr als einzelne, separate Objekte eines Satzes. Stattdessen stellt Google den Zusammenhang zwischen den beiden her und erkennt so, was die Suchintention ist. Das klingt banal, stehen diese Wörter doch im selben Satz und müssten sowieso zueinander gehören. Die Revolution ist aber, dass Google aus diesem Zusammenhang die Absicht des Suchmaschinennutzers herausliest.  Hier werden keine Vorschläge generiert, die die Suchanfrage treffen könnten. Hier wird eine präzise Antwort auf eine Frage geliefert. Dieser Unterschied ist gewaltig wie etwa der Unterschied zwischen Hören und Verstehen.

Um den Übergang für den Suchmaschinennutzer einfach zu gestalten, muss er sein Suchverhalten nicht von heute auf morgen umstellen.

„Regie Filme David Lynch“

Die Maschine zeigt direkt alle Filme von David Lynch an.

Wichtig ist zu wissen, dass wir hier noch am Anfang stehen. Trotzdem: Der Grundstein ist gelegt. Der Google Knowledge Graph und die Freebase werden weiter wachsen – vor allem dank Hilfe der Google-Nutzer. Denn bei jeder Knowledge-Graph-Suche kann der Nutzer Feedback geben oder ein Problem melden. Die Freebase lässt sich mit einem einfachen Google-Konto nicht nur auslesen, sondern auch erweitern und pflegen. Es entsteht ein semantisches Web, dessen Größe die momentan schon weit über zwanzig Milliarden Zusammenhänge zwischen Orten, Leuten und anderen „Topics“, weit übersteigen wird - genauso wie die aktuellen Möglichkeiten.

„Wie wird das Wetter am Samstag?“

Die Maschine nennt in bester Wetterfroschmanier das lokale Wetter für diesen Tag, zusammen mit einem Ausblick.

Wer sind die Nutznießer? Der Suchmaschinennutzer profitiert am meisten von den neuen semantischen Fähigkeiten Googles. Für ihn verkürzt sich die Suche auf das Fragestellen. Weg fällt das anschließende Herauspicken der Information aus einzelnen Links. Natürlich profitiert auch Google selbst. Eine gut funktionierende Antwortmaschine ist in dieser Größe konkurrenzlos. Google festigt damit seine Monopolstellung unter den Suchmaschinen – und damit wichtige Einnahmen aus Adwords. Google testet bereits jetzt Möglichkeit, Werbung auch im Knowledge Graph einzublenden.

„Wer sind die Eltern von Angela Merkel?“

„Horst Kasner und Herlind Kasner“, antwortet die Maschine ohne Zögern.

Zu den Verlierern zählen vor allem Webseitenbetreiber. Google nimmt nicht nur weiter wichtigen Anzeigeplatz aus den organischen Suchtreffern weg, Google macht sie teilweise schlichtweg unnötig. Denn welchen Zweck erfüllen die Suchergebnisse unter einer richtigen Antwort? Je besser Google als Antwortmaschine wird, desto weniger Traffic werden andere Webseiten von Google bekommen. Besonders Wikipedia trifft das hart. Kaum jemand wird nach der Frage „Welchen Beruf hat Philipp Lahm“ mit der passenden Antwort inklusive weiterführenden Informationen auf den Wikipedia-Artikel klicken.

Fazit – Google als Antwortmaschine?

Auch wenn Google auf alle hier aufgeworfenen Fragen die richtige Antwort weiß, auf die meisten Fragen kann die Suchmaschine (noch) keine konkrete Antwort geben. Trotzdem sieht man bereits jetzt, wo die Reise hingeht. Und Google wird große Anstrengungen unternehmen, so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen. Begonnen hat ein Wandel, der Suchmaschinennutzer freut, aber Webseitenbetreibern zu denken geben sollte. Google hat den Nutzer schon immer ins Zentrum des eigenen Schaffens gestellt. Vielleicht kann der ein oder andere wenigstens aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse ziehen.

Schlagworte zum Thema:  SEO, Google Plus, Google, Content Marketing, Online-Marketing, SEM, Suchmaschine, Suchmaschinenoptimierung, Marketing

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