01.06.2016 | Serie The Future of Marketing

Re-Commerce: Return to Händler

Serienelemente
Bevor man in der eigenen Bücherflut untergeht, weil man die guten Stücke nicht wegwerfen möchte, ist eine Re-Commerce Plattform eine gute Lösung.
Bild: Hemera

Im (Floh-)Markt für sogenannte "pre-loved goods" ist – nach dem Abebben einer ersten ­Euphoriewelle – weiterhin Bewegung drin. Wir zeigen, wie Re-Commerce funktioniert und ­worauf es ankommt.

Momox, Rebuy, Wirkaufens und Flip4new dürften die bekanntesten Vertreter ihrer Art sein: Sie betreiben Re-Commerce. Das heißt, sie handeln mit Gebrauchtwaren – die teilweise auch einer Aufarbeitung oder Reparatur bedürfen – im Internet.

Dabei unterscheidet man grundsätzlich drei Modelle: Marktplätze, die einfach nur Angebot und Nachfrage zusammen bringen (wie zum Beispiel auch Ebay), Ankäufer, die direkt für die Ware bezahlen und diese dann weiterveräußern, und theoretisch auch Kommissionsmodelle. Gehandelt werden vor allem Medien (Bücher, DVDs, CDs et cetera), Elektronik ­(Handys et cetera.) und Mode.

Für die Kunden bieten diese Portale den Vorteil, dass sie sich nicht – wie es zum Beispiel auf Ebay erforderlich wäre – für jedes Item um Fotos, Produktbeschreibungen, Versand et cetera kümmern müssen, sondern in wenigen Schritten und meist gebührenfrei einfach ihr Päckchen fertig machen können und zügig einen Festpreis erhalten. Allerdings sind über Re-Commerce-Plattformen nach Ansicht von Branchenexperten oft nur deutlich niedrigere Preise zu erzielen als zum Beispiel über Ebay.

Im Re-Commerce ist der Einkauf das Nadelöhr

Gerade bei Re-Commerce-Anbietern, die das Geld quasi vorschießen und damit auch das (allerdings berechenbare) Risiko des Geschäfts tragen, ist der Einkauf das Nadelöhr. Effiziente Prozesse zur Preisfindung und Bewertung des Zustands der Waren sind hier essenziell. Das Handling darf nicht zu komplex sein, um auch höhere Volumina verarbeiten zu können. Sonst entgleiten schnell die Kosten, je nachdem, wie viel händische Arbeit in dem Prozess nötig ist. Die Preise der Händler ergeben sich aus Angebot und wahrscheinlicher Nachfrage sowie den Kosten für Prüfung, Lagerung und Versand der Waren. ­Außerdem muss natürlich das bereits genannte Risiko, auf der Ware sitzen zu bleiben, zumindest teilweise abgedeckt werden. Mittlerweile gibt es sogar eigene Preisvergleichsseiten für den Re-Commerce-Markt.

Ein paar Hausnummern zu den bewegten Summen: Rebuy hat in den ersten fünf Jahren seines Bestehens zwischen 2009 und 2014 nach eigenen Angaben für über 100 Millionen Euro Waren von Kunden angekauft. Konkurrent Momox wiederum hat laut einer Pressemitteilung allein im Jahr 2014 einen Umsatz von 80 Millionen Euro gemacht.

Bei vielen Playern im Markt für Re-Commerce sind prominente Investoren an Bord wie Media Saturn, Burda oder Holtzbrinck. Amazon hat sich aus dem Re-Commerce, der bei dem Onlineriesen unter "Trade-in" firmierte und als Eintauschplattform funktionierte, hingegen schon wieder zurückgezogen – ohne Angabe von Gründen.

Weiterverkauft werden die angekauften Produkte nicht nur über die eigenen Websites der Händler (teilweise unter anderen Markennamen wie bei Momox und dessen "Kehrseite" Medimops), sondern auch über Amazon und Ebay.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Beim Handel mit Gebraucht­waren ergeben sich unter Umständen diverse rechtliche ­Unterschiede im Vergleich zum Handel mit Neuware.

Und: Ursprünglich gab es beim Re-Commerce auch ökologische Hintergedanken, die scheinen aber in den Hintergrund getreten zu sein, wenn man sich die allgemeine Diskussion über das Thema so anschaut.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Online-Marketing, Versandhandel, Big Data, Digitalisierung, Social Media, Mobile Marketing

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