07.09.2016 | PirateSummit

Adblocker – Zerstörung des bekannten Internet?

"Du kommst hier nicht rein!" – Adblocker sind mobil heiß begehrt. Aber sind sie der richtige Weg?
Bild: Stockbyte

Mobile Internet und Werbung gehen seit geraumer Zeit Hand in Hand. Kaum eine Website kann auf Anzeigenerlöse verzichten. Portalbetreiber und Werbebranche stehen vor einem zunehmend wachsenden Scherbenhaufen: die weit verbreiteten Android- und iOS-Smartphones ermöglichen ihren Anwendern den Einsatz von Adblocker-Technologie. Das Thema wird auch auf der Startup-Konferenz PirateSummit  heiß diskutiert.

Adblocker sind bereits auf über 100 Millionen mobiler Endgeräten installiert. Till Faida, Geschäftsführer von Eyeo, dem Betreiber des Adblock-Plus-Browserplugins, betont auf dem PirateSummit, dass Ads immer aggressiver seien – trotz des wachsenden Bewusstseins der Branche von Werbeblockern. Zwar stünde die Monetisierung der Inhalte auf Webseiten im Vordergrund, aber der Störfaktor für Nutzer wächst ins Unermessliche. Im Umkehrschluss besitzen redaktionelle Umfelder mit weniger der aggressiven Ads deutlich mehr Wert für Publisher.

Führen Adblocker wirklich zu höherwertiger Online-Werbung?

Tatsächlich würden nach Ansicht von Faida immer mehr Websites sogar weniger Ads in Summe ausliefern. Die verbleibenden Werbeflächen beinhalten somit qualitativ hochwertigere Werbung, die aufgrund höherer Buchungspreise den Publishern die ausfallenden Einnahmen aus der breiten Anzeigenstreuung kompensieren.

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Die von Verlagen und Portalbetreibern angewandten Mechanismen, die wiederum Werbeblocker verhindern sollen, betrachtet man bei Eyeo fast amüsiert als ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel. Anstatt die Wünsche der Verbraucher nach weniger Popups, flashigen Layereffekten und Werbekaperungen zu respektieren, würden diese Publisher nur versuchen, einen Algorithmus mit einem neuen Algorithmus zu bekämpfen, um die gleichen, störenden Werbemaßnahmen beim Nutzer durchzuboxen.

Startups unterstützen Adblocker – sie leben ja auch nicht von Werbung

Gegenstimmen zum bekannten Werbemodell von Adblock-Plus, dem durch Gebühren ermöglichten Whitelisting bestimmter Anzeigen, werden beim PirateSummit nicht laut. Zu groß ist der Zuspruch der Startups, von denen nur wenige auf werberefinanzierte Geschäftsmodelle setzen. Die Disruption der Märkte harmoniert offenbar perfekt mit der Idee von der Zerstörung des bekannten Internets. Sobald die Startups selbst sich für Marketing interessieren, um die eigenen Produkte und Services zielgruppengerecht zu bewerben, beißen sich die Gründer sprichwörtlich in den eigenen Schwanz. Denn ihre Werbemaßnahmen werden bei ihren Kunden nicht angezeigt werden, wenn ebenfalls Adblock-Plus und anderer Werbeblocker zum Einsatz kommen. Die Gründerszene lobt einen der ihren, vergisst jedoch dabei, dass sie sich selbst in puncto Marketing- und Vertriebspotenzial disruptiert.

Schlagworte zum Thema:  Online-Medien, Online-Werbung, Startup

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