13.02.2015 | Serie Kolumne Alles digital

Open Data: Digitale Daten für die freie Wirtschaft

Serienelemente
Open Data kann die Wirtschaft pushen. Daten-Transparenz ist aber auch von den Unternehmen gefragt.
Bild: Mike Schnoor

Die Welt steckt voller digitalisierter Informationen. Nicht nur Privatpersonen und Unternehmen erzeugen und sammeln Unmengen von Daten, sondern auch Behörden. Die Bundesregierung möchte diese jetzt für die Wirtschaft verfügbar machen und die Daten ohne spezielle Genehmigung freigeben. Ergeben sich für die Marktakteure durch diese Open-Data-Initiative neue Chancen?


Endlich kommt Bewegung in die jahrelange Diskussion über Open Data. Das Lamentieren war bekanntlich immer groß, sobald eine spezielle Anfrage für bestimmte Daten gestellt wurde. Schließlich mussten die Behörden jedes Mal persönlich Hand anlegen, um die Informationen bereitzustellen. Die Klage war bei analogen Daten in Papierform durchaus berechtigt, ist bei der digitalen Bereitstellung aber sinnlos.

Klingt erst einmal nicht nach einem großen Akt, wenn die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung umgesetzt wird. Jedoch stellt die Bundesregierung mit der Umsetzung einer EU-Richtlinie auf Bundesebene die richtigen Weichen, um mehr Daten für die weitere Nutzung in offenen Formaten anzubieten. Künftig sollen die Datenbestände aus Behörden und Verwaltung der Allgemeinheit ohne große Hürden verfügbar gemacht werden. Die extrem geringen Grenzkosten digitaler Datenbestände sprechen aufgrund des fehlenden Zusatzaufwands für die Verwaltung für eine kostengünstige digitale Verfügbarkeit. Der Gesetzgeber möchte damit mehr Transparenz liefern und zusätzlichen Spielraum für Geschäftsmodelle bieten. 

Schafft Open Data neue Geschäftsfelder?

Open Data kann die Entstehung neuer Geschäftsfelder, Anwendungen und Dienstleistungen begünstigen. Indem der Transparenzgedanke von der Wirtschaft nicht nur ausgeschlachtet, sondern weiter gegeben wird, können fehlleitende Prozesse und Strukturen schneller erkannt und optimiert werden. Das daraus entstehende Wertschöpfungsnetzwerk, in dem Rohdaten erhoben und bereitgestellt und von den Akteuren der Wirtschaft verarbeitet werden, entstehen neue Nutzungsszenarien, mit denen sich gutes Geld über Gebühren- und Lizenzierungsmodelle verdienen lässt. Open Data wird die Erschließung neuer Geschäftsfelder fördern und Kostenvorteile identifizieren, mit denen sich die Gewinnmargen optimieren können. Neue Produkte und Services begünstigen zudem die Gründung von Startups.

Bevor die Wirtschaft sich jedoch mit den Daten auseinander setzen kann, muss ein regulativer Rahmen für die wirtschaftliche Verwendung der behördlichen Daten geschaffen werden. Zum einen wurden sämtliche Daten durch öffentliche Gelder bereits finanziert, so dass Bürger nicht einen unangebrachten Preis für die durch Steuern finanzierte Nutzung der Daten zahlen sollten. Zudem sollten durch Daten gestützte Fakten und wissenschaftliche Ergebnisse, die sehr wohl von der öffentlichen Verwaltung erstellt werden, nicht durch das in Deutschland sehr scharfe Urheberrecht zurückgehalten werden.

Zum anderen wird langfristig Geld auf Seiten der der öffentlichen Hand eingespart, weil die Verfügbarkeit von Informationen weniger individuelle Anfragen generieren kann. Unternehmen könnten dann endlich Daten nutzen, um Anwendungen für einzelne Projekte zu entwickeln, die aufgrund der bislang fehlenden Zusammenhänge und der mangelnden Datenvisualisierung  nicht realisierbar waren.

Transparenz auch von Unternehmen gefragt

Ja, der Bedarf für frei verfügbare Daten ist in Deutschland vorhanden - und wie. Doch wer diese verwenden möchte, sollte den Transparenzgedanken ebenso verinnerlichen wie jetzt die Bundesregierung mit der Open-Data-Initiative. Von Unternehmen sollte man daher erwarten, dass sie ihre Daten künftig für die Allgemeinheit verfügbar machen. Dies betrifft insbesondere Unternehmen der Digitalbranche, die massenhaft Daten aggregieren und ihre Geschäftsmodelle auf diesen Datenbeständen begründen. Gemeint sind hierbei nicht explizit Facebook und Google, sondern die vielen kleineren Anbieter in den Segmenten Display Advertising, Realtime Advertising und Targeting, die weit unter dem Radar in der öffentlichen Diskussion über Daten fliegen.

Autor:

Mike Schnoor, Jahrgang 1979, ist Kommunikator, Autor, Berater und Impulsgeber für Digital Communication, Marketing, Public Relations und Social Media. Als Herausgeber von #DigiBuzz - Das Magazin für das Digital Business analysiert er aktuelle Trends, neue Ideen und Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft. Folgen Sie@MikeSchnoor bei Twitter und lesen Sie sein Blog.

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