| Interview mit Anna-Lena Radünz

"Social Media wird zum SEO-Werkzeug"

"Die Sichtbarkeit der eigenen Marke ist für jeden User individuell."
Bild: Anna-Lena Radünz

Soziale Netzwerke durchdringen zunehmend das gesamte Web. Damit wird Social Media zu einem Tool für die Suchmaschinen-Optimierung, sagt Anna-Lena Radünz, Social-Media-Expertin bei Social Passion. Insbesondere Facebook kann das Google-Ranking verbessern. acquisa hat nachgefragt.

acquisa: Frau Radünz, kann man noch SEO betreiben, ohne Social Media zu berücksichtigen?

Anna-Lena Radünz: Ja. Social Media hat zwar Einfluss auf die Google-Suchergebnisse, aber nicht den größten. Eine gute Verlinkung, einzigartige Inhalte und eine suchmaschinenfreundliche Aufbereitung einer Website kann auch ein Social-Media-Engagement nicht ersetzen. Aber tendenziell wird Social Media für die Sichtbarkeit klassischer Websites in den Suchmaschinen immer wichtiger, es wird zunehmend zum SEO-Werkzeug. Die Viralität sorgt beispielsweise für zusätzliche Links auf die klassische Website. Außerdem wirken sich Facebook-Likes, geklickte Google-Plus-Buttons oder Twitter-Retweets positiv aus. Sie alle werden in der Google-Suche berücksichtigt. Wenn viele Leute Inhalte positiv bewerten, ist das auch für Google ein Indiz dafür, dass diese Seite relevant ist.

acquisa: Wie kann man Social Media in eine SEO-Strategie integrieren?

Radünz: Social Media kann die klassischen SEO-Maßnahmen intelligent unterstützen. Mit einer Suchmaschinenoptimierung stößt man bei hart umkämpften Keywords beispielsweise schnell an Grenzen. Eine Alternative kann der Aufbau einer eigenen Community für dieses Thema sein, in der sich vieles um diese besonders hart umkämpften Keywords dreht. Darüber lässt sich erfahrungsgemäß viel Traffic für die Website generieren. Im Modebereich ist dieses Vorgehen erprobt und weit verbreitet. Eine weitere Maßnahme ist eine saubere Implementierung der Social-Media-Buttons unter alle Inhalte, die man selbst produziert hat. Auf diese Weise bringt man sich ins Gespräch und generiert neue Links für die Website.

acquisa: Das 900-Millionen-Nutzer-Netzwerk Facebook hat sich zu einem eigenen Online-Universum entwickelt. Wie wird man dort am besten gefunden?

Radünz: Ziel muss zunächst sein, dass die eigene Seite problemlos über die Suchfunktion gefunden wird. Außerdem sollten die eigenen Posts in den Hauptmeldungen der Fans angezeigt werden. Dazu muss man verstehen, wie der Algorithmus innerhalb von Facebook funktioniert. Denn Facebook bewertet auch die Relevanz seiner Nutzer.

acquisa: Und worauf müssen Unternehmen auf Facebook in Bezug auf gute Sichtbarkeit vor allem achten?

Radünz: Oft werden grundlegende Dinge falsch gemacht. Das beginnt mit der Namensgebung. Hier empfiehlt es sich, auf komplette Firmierungen samt GmbH oder AG zu verzichten, da Ergebnisse alphabetisch sortiert werden. Besser ist es, einfach den Markennamen zu verwenden. Auch die Facebook-URL sollte man so wählen, dass Nutzer sie finden, Beschreibungstexte müssen eindeutig sein. Oft wird auch das Community-Management vernachlässigt. Unternehmen müssen für Aktualität sorgen und sich um ihre Fans kümmern, wenn sie von Facebook-Nutzern dauerhaft wahrgenommen werden möchten.

acquisa: Um für die Sichtbarkeit von Marken und Produkten im Web 1.0 ein Gefühl zu bekommen, genügen ein paar Suchanfragen und das Google-eigene Analyse-Tool.  Soziale Netzwerke sind komplexer – insbesondere Facebook mit seinen Likes, Haupt- und neuesten Meldungen, Fan-Sites und Kommentaren. Wie behält man da den Überblick?

Radünz: Ein Analyse-Tool, das die Sichtbarkeit auf Facebook insgesamt widerspiegelt, wird es nie geben. Denn Inhalte werden auf Facebook für jeden User individuell gewichtet und individuell ausgesteuert. Mit den Facebook-Statistiken kann man zumindest nachvollziehen, wie viele Personen einen Post gesehen und geliket haben. Aber man kann die Sichtbarkeit der eigenen Marke leider nicht pauschalisieren, da sie für jeden User individuell ist.

acquisa: Wo sehen Sie künftig die größten Herausforderungen für Unternehmen, die Facebook für ihr Business nutzen möchten?

Radünz: Social Media, Public Relations und das Suchmaschinen-Marketing sind in Unternehmen meist in getrennten Abteilungen tätig. Vor allem die Units für Suchmaschinen-Marketing und Social Media müssen enger zusammenarbeiten. Ein zentraler Blick wird wichtiger denn je, denn diese Bereiche beeinflussen sich zunehmend.

Schlagworte zum Thema:  Suchmaschinenmarketing, Online-Marketing, Social Media

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