| Interview mit Daniel R. Schmeißer

"Immer mehr Unternehmen experimentieren mit T-Commerce-Konzepten"

"Der klassische Online-Shop kann nicht 1-zu-1 ins mobile Web übertragen werden."
Bild: Phaydon

Während Online-Shopping auf Tablets immer stärker zum Erlebnis wird, muss der Einkauf auf dem Smartphone-Display vor allem eines sein – schnell und einfach. Der Psychologe und Customer-Experience-Experte Daniel R. Schmeißer, Chef des Kölner Forschungs- und Beratungsunternehmen Phaydon, erklärt die aktuelle Entwicklung.

acquisa: Welche besonderen Anforderungen stellt ein mobiler Webshop an die Usability?

Daniel R. Schmeißer: Die Anforderungen ergeben sich aus dem Nutzungskontext und der Displaygröße. Wer einen Shop via Smartphone ansurft, ist in der Regel unterwegs und folglich abgelenkt. Er befindet sich oft in einem unruhigen Umfeld, hat schlechte Lichtverhältnisse und muss häufig im Gehen tippen. Mit wenigen Klicks sollten daher Produktdetailseiten erreicht und der Bestellprozess durchlaufen werden. Ansprechende Bilder, die auf die Kategorien verlinken, sind ebenso ratsam wie zoombare Produktbilder und sofort erkennbare Preise und Verfügbarkeiten. Eine Suchmöglichkeit gehört auf die Startseite. Der Trend geht bereits zu Smartphones mit größerem Display. Aber der eigentliche Commerce spielt sich nicht unterwegs, sondern auf der Couch ab. Dazu wird häufig aufs Tablet gewechselt.

acquisa: Das heißt, wer den mobilen Abverkauf optimieren möchte, muss seinen Shop auch fürs Tablet optimieren?

Schmeißer: Ja, das ist ratsam. Wer unterwegs ist, kauft spontan. Auf dem Sofa hingegen wird gern in den Angeboten gestöbert. Das geht auf einem Tablet viel besser als auf dem kleinen Smartphone. Untersuchungen haben gezeigt, dass Nutzer, die sowohl Smartphone als auch Tablet benutzen, besser konvertieren. Da sich Endgeräte und Nutzungssituation so sehr unterscheiden, empfiehlt es sich, einen separaten Tablet-optimierten Online-Shop aufzusetzen. Immer mehr Unternehmen experimentieren mit solchen T-Commerce-Konzepten.

acquisa: Den Smartphone-optimierten Shop einfach an den größeren Screen anzupassen, reicht also nicht aus?

Schmeißer: Ebenso wie man vor einigen Jahren erkannte, dass der klassische Online-Shop nicht 1-zu-1 ins mobile Web übertragen werden kann, ist es nicht ausreichend, seinen Mobile-Shop aufs Tablet zu transferieren. Auf dem Tablet geht es darum, das Shoperlebnis inspirierender, emotionaler und angenehmer zu machen. Die typische Kauforientierung wird hier durch Medien-Inhalte angereichert. Die Tablet-Shops erhalten durch Bilderwelten und Bewegtbildinhalte den Charakter virtueller Hochglanz-Magazine. Ziel ist es, über den eigentlichen Kaufprozess hinaus, komplexe Shopping-Szenarien emotional abzubilden und mit Services anzureichern, die einen echten Mehrwert schaffen.

acquisa: Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie im Mobile Commerce?

Schmeißer: Das gesamte Thema "Couch-Commerce" bietet sehr großes Potenzial. Insbesondere im T-Commerce werden neue Inhalte immer eindrucksvollere Einkaufserlebnisse schaffen. Mobile Commerce und Content-Marketing wachsen hier zunehmend zusammen. Gleichfalls werden durch Augmented Reality, QR-Codes, Social Media und Online-Couponing immer neue Einstiegsmöglichkeiten in den M-Commerce geschaffen. Die Vielfalt der Shopping-Szenarien wird zunehmen und Online-Händlern neue Umsatz-Chancen bieten.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Versandhandel, Online-Marketing, Mobile Marketing

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