Beim Blick in die Zukunft kann man auch mal daneben liegen. Bild: mauritius images / Haag + Kropp /

Der Januar ist der Monat der Trend-Reports. Was im Digital Marketing tatsächlich relevant ist oder wird, sagt Online-Marketing-Experte Torsten Schwarz. Und er nennt auch einen Trend, der getrost vergessen werden kann.

Torsten Schwarz hält seit 1987 Vorträge und Seminare zu Internet-Themen. Er hat viele Trends kommen und wieder gehen sehen und weiß mit dem Buzzword-Bingo umzugehen.

Welche aktuellen Trends für Marketing-Abteilungen relevant sind und welche nicht:

Marketing Automation. Direktmarketing funktioniert nur, wenn richtig personalisiert wird. Nach wie vor ist die E-Mail der meistgenutzte Kommunikationskanal im Marketing. Und Unternehmen erkennen, dass Massenbotschaften nur ein kurzes Strohfeuer entfachen. Es gilt, die Systeme zu vernetzen, um im richtigen Moment mit den richtigen Inhalten Präsenz zu zeigen. Wer Interessenten auf seine Website gebracht hat, kann automatisiert Einwilligungen generieren. Jedes dritte Unternehmen lässt seine Besucher wieder von dannen ziehen, ohne die Chance der automatisierten Leadgenerierung zu nutzen. Die anderen nutzen Marketing Automation und bauen Begrüßungs- und Lead-Nurturing-Strecken auf, um potenzielle Kunden zu identifizieren. Auch Warenkorbabbrecher- oder Reaktivierungskampagnen sind beliebt.

Systeme integrieren. Damit Marketing-Automation funktioniert, müssen CRM, E-Mail, CMS und Analytics-Systeme miteinander verbunden sein (das Ende der Daten-Silos). Nicht immer muss es gleich eine Marketing-Suite sein, aber nur mit CSV-Dateien zu synchronisieren ist auch nicht elegant. Dazu müssen Abteilungen lernen, zusammenzuarbeiten. Und hier kommt die größte Aufgabe: Ist es noch zeitgemäß, dass es eigene Abteilungen für Online- und Offline-Marketing gibt? Sicher nicht! Sollte nicht jedes Projektteam Kompetenz auf allen Kommunikationskanälen haben? Ganz bestimmt!

Big Data – Kundenverhalten verstehen. Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) sind spannende Themen, die sich in der Realität jedoch oft als einfache Algorithmen entpuppen. Wichtig ist, alle digitalen Touchpoints auszuwerten, um Aufschluss über Trends im Kundenverhalten zu erspüren. Multivariate Verfahren erlauben es, Gruppen mit ähnlichem Interesse zu erkennen. Ein spannender Aspekt kann sein, Inaktivität von Kunden zu erkennen, bevor sie eintritt. Und dann mehr schreiben als eine E-Mail mit dem Betreff „Torsten, wir vermissen Dich“. Mustererkennung ist ein wichtiger Aspekt beim Einsatz von KI. Die Echtzeit-Auswertung einer Vielzahl digitaler Kontaktpunkte ist Kennzeichen von Big Data.

Marketing-Trends: Ausprobieren oder Abhaken

Predictive Targeting: Es wird an zwei Stellen eingesetzt: Einerseits bei der Auswahl der richtigen Produktvorschläge für einen bekannten Interessenten. Online-Shops nutzen Recommendation Engines, um passende Angebote automatisiert zu ermitteln. Andererseits wird Predictive Targeting ebenso eingesetzt, wenn beim Programmatic Advertising die richtigen Kunden ausgewählt werden, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf Ihre Anzeige klicken werden. Wenn Sie dem System Informationen über bereits bestehende Kunden geben, werden Lookalikes ermittelt, die Ihren Kunden ähnlich sind.

Digitale Assistenten. Das Thema steckt noch in den Kinderschuhen und Alexa, Siri und Cortana sind oft ziemlich begriffsstutzig. Trotzdem wird sich hierdurch vieles verändern. Immer mehr Suchanfragen werden über Sprache gestellt, weil es bequem ist. Damit gerät das klassische Suchmaschinenmarketing ins Wanken. Am Monitor kann jemand zwischen zehn Angeboten visuell wählen. Ein Lautsprecher macht einen Vorschlag und der muss passen. Mein Tipp: Nutzen Sie Chatbots und digitale Assistenten so oft Sie können, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Als Unternehmen entwickeln Sie Skills und schaffen Schnittstellen zu den bereits bestehenden Systemen. Wer jetzt schon einsteigt, kann mit mehr Aufmerksamkeit rechnen. Denn bald können auch Backöfen, Uhren, Kopfhörer und Brillen reden.

Virtual Reality. Bessere und preiswertere Brillen machen es noch leichter, Virtual Reality zu erleben. Neue Anbieter entstehen. Wer will nicht sein Urlaubsziel oder die Traumwohnung vorab bequem vom eigenen Sofa aus erleben? Viel spannender jedoch ist Augmented Reality: Die bestehende Welt wird mit einer virtuellen Info-Ebene überlagert. Digitale Außenwerbung wird von dem Trend profitieren. Wer unterwegs ist, kann bequem mit Marken kommunizieren.

Blockchain. Allein die Erwähnung des Begriffs lässt Aktienkurse in die Höhe schnellen. In Bezug auf Kryptowährungen ist Blockchain sicher eine interessante Technologie. Aber es macht stutzig, dass in China, wo die meisten Bitcoin-Hersteller sitzen, diesen „Minern“ der Saft abgedreht wird, weil die Energiekosten zu hoch sind. Sinnvolle Anwendungen finden sich möglicherweise in der Logistik. Mir ist aktuell jedoch kein Beispiel einer sinnvollen Anwendung der Blockchain-Technologie im Marketing bekannt.

Schlagworte zum Thema:  Digitales Marketing, Online-Marketing, CRM, Digitalisierung

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