13.05.2015 | Serie Die Marke ist tot? Es lebe die Marke!

Marke: Digital wird stationär

Serienelemente
Marke spielt auch für Start-ups von Beginn an eine Rolle. Zumindest war es bei Mymuesli.com so.
Bild: Stefan Freund

Ist Marke für Start-ups weniger zentral als für etablierte Unternehmen? Geht es gerade bei digitalen Neugründungen zuerst einmal um Vertrieb und andere Themen? Nein, sagt Max Wittrock, Geschäftsführer von Mymuesli.com.  Für das Unternehmen sei Marke von Anfang an wichtig gewesen.

Anstoß für diese Serie gab meine Vermutung, dass gerade für Start-ups das Thema Marke eher eine geringe Bedeutung hat (Worum es geht). Diese Unternehmen, so meine These, müssen sich primär um Themen wie Vertrieb und Logistik kümmern. Max Wittrock, Geschäftsführer von Mymuesli.com, stimmt hier nicht zu: "Die Marke wurde für uns schnell wichtig. Dies liegt zum einen daran, dass Frühstückscerealien und Müsli eine emotionale Bedeutung für den Verbraucher haben, weil mit Ihnen schließlich der Tag beginnt. Mit einem solchen Produkt muss man positioniert sein; man muss wissen, für was es steht und was eben nicht dazu passt. Marken und deren Werte werden auch wichtig, wenn man eine bestimmte Mitarbeitergröße erreicht hat bzw. über Kooperationen nachdenkt. Die Kollegen, die entweder mit Kunden sprechen oder die sogar über angebotene Kooperationen mitentscheiden sollen, müssen wissen, welche Unternehmen bzw. Produkte eine Affinität zur Marke haben. Deswegen müssen diese Werte auch dargestellt, abgegrenzt und kommuniziert werden."

Um zu wissen, wer man ist, muss man eben auch wissen, wer man NICHT ist

Keine Frage: Werte sind wichtig. Aber Werte müssen auch eine gewisse Eindeutigkeit haben. Liegt dies nicht vor, so werden sie austauschbar. Man kann sie dann dehnen und stauchen, wie es gerade passt; am Ende stehen sie für nichts mehr. Gerade wenn man sich den Wertekanon von großen Unternehmen anschaut, die damit zum Beispiel um neue Mitarbeiter werben, hat man manchmal genau diesen Eindruck. Um zu wissen, wer man ist, muss man eben auch wissen, wer man nicht ist. Nur so wird man zur Markenpersönlichkeit.

Dazu nochmals Max Wittrock: "Für uns war klar, dass für uns Werte wie Auswahl, Individualität, Bio-Qualität und einige andere wichtig sind. Eine geringe Priorität hatte für uns schon immer der Preis, obwohl dieser in Deutschland von hoher Bedeutung ist. Wir wollten immer ein gutes Produkt anbieten, was auch etwas mehr kosten kann. Auch auf bestimmte Trends einzuzahlen, die gerade dem Zeitgeist entsprechen, war uns nie wichtig."

Bei Unternehmen wie Mymuesli.com ist auch zu bemerken, dass sie den reinen digitalen Bereich verlassen und über den stationären Handel ihre Produkte verkaufen. Dies kann durch eigene Shops passieren, aber auch indem man mit dem Handel zusammenarbeitet. Mymuesli.com macht beides. "Gerade über den stationären Handel konnten wir unsere Produkte an Menschen verkaufen, die schnell ein Grundsortiment haben wollen oder auch Konsumenten erreichen, für die der digitale Weg zu umständlich ist. Uns haben viele Berater genau von diesem Weg abgeraten, weil so die Marke ihrer Meinung nach angegriffen wird oder gar kaputt geht. Wir haben es trotzdem getan und bereuen es überhaupt nicht."

"Wir lösen das meiste rund um die Marke inhouse"

Unternehmen wie Mymuesli.com haben sicherlich eine Größe und eine Bedeutung, so dass sie auch für Agenturen als potenzielle Kunden interessant sind. Max Wittrock ist hier eher zögernd: "Wir beauftragen nur in einem sehr geringen Maße Agenturen. Dies tun wie nur im Bereich der Grafik, wo wir mit Navarra aus Berlin arbeiten. Wir haben einfach selber viel zu viel Spaß an der kreativen Arbeit und wollen uns am Ende nicht nur mit den Steuerfragen beschäftigen. Deswegen lösen wir das meiste Aufgaben inhouse und das wird auch erst einmal so bleiben." Schade für die Agenturen.


Autor:

Der Diplomkaufmann Heiko Burrack arbeitete in der Kundenberatung unterschiedlicher Agenturen. Im Jahr 2003 gründete er Burrack NB-Advice. NB-Advice berät Agenturen und Unternehmen, die ihre Kernleistung im Marketingbereich haben, bei der strategischen und operativen Neukundengewinnung. Burrack arbeitet als Publizist und Autor, zuletzt erschien sein Buch "Matching".

Schlagworte zum Thema:  Marke, Marketing, Markenführung, Marken-PR, Digitalisierung

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