04.09.2013 | Kommentar

Von Amazon lernen

Die Washington Post könnte von Bezos' Know-how in Sachen Web profitieren.
Bild: Michael Bamberger

"Wer in Zukunft noch etwas mit Print machen will, kann ja Pakete frankieren", karikierte eine deutsche Zeitung den Kauf der "Washington Post" durch den Informatiker Jeff Bezos. Doch ist dieser Schritt tatsächlich das Ende der journalistischen Welt? Ich glaube nicht.

Denn wer einen genaueren Blick auf Amazon und seinen Gründer wirft, wird feststellen, dass sich spannende Perspektiven ergeben.

So war es stets das Bestreben des Versandhändlers, dem Kunden den Zugang zum gewünschten Produkt so einfach wie irgend möglich zu machen. Und dabei gleichzeitig den Aufwand für die Abwicklung auf beiden Seiten auf das Minimalste zu reduzieren. Meiner Ansicht nach ein Verständnis von Service, das es durchaus verdient, für die Verlagsbranche zumindest mal zu Ende gedacht zu werden.

Doch Bezos ging noch einen Schritt weiter. Er wollte für seine Kunden eine Schneise durch das unendliche Angebotsdickicht schlagen. Das wünschen sich viele Menschen auch von den Medien – und sollte eine von deren Kernkompetenzen sein. Content jedenfalls gibt es da draußen genug.

Amazon bedient sich zur Erfüllung dieses Anspruchs größtenteils einfacher, aber offensichtlich effektiver Recommendation-Funktionen. So ein Ansatz mit Zügen einer Content Aggregation dürfte vielen Redakteuren nicht schmecken. Wobei Bezos im Falle von Amazon durch den Marketplace immerhin dafür gesorgt hat, dass die Plattform aufgrund ihrer breiten Angebotspalette der erste Ansprechpartner blieb.

Außerdem hat es Bezos geschafft, die simplen sozialen Mechanismen, die auch im Internet ausgelebt werden, effektiv (und einfach) für sich zu nutzen (zum Beispiel bei den Kundenbewertungen). Viele – auch große – Medienhäuser schaffen das nicht. Führen aber alle die "Community" im Munde.

Jeff Bezos hat es also vorzüglich verstanden, aus "seinem" Kanal das Optimum rauszuholen. Eine Fähigkeit, die man nicht vielen Redaktionen (oder ihren Arbeitgebern) nachsagen kann. Er könnte im Mediengeschäft folglich noch zu einem Game Changer werden – wie damals mit Amazon.

Schlagworte zum Thema:  Medien, E-Commerce, Online-Marketing, Social Media

Aktuell

Meistgelesen