01.08.2014 | Serie Kolumne Alles digital

Wie viel Digital vertragen wir eigentlich?

Serienelemente
"Das Digital Business begeistert durch seine Möglichkeiten und entzweit auf der symbiotischen Harmonieebene zwischen Geist, Körper und Herz zugleich."
Bild: Mike Schnoor

Die digitale Avantgarde kann ihr Leben und Arbeiten ohne Smartphone, Tablet und Apps kaum noch organisieren. Die meisten Menschen aber fürchten sich vor allzu radikalen Veränderungen. Dennoch müssen wir zusammen leben, in einer digitalisierten Welt, mein unser Kolumnist Mike Schnoor. 

Schnell die Karten-App geöffnet, die Verbindung im ÖPNV und für den ICE geprüft. Nach der kurzen Reise am Zielort die Taxi-App genutzt, den Kalender mit Aufgaben und Meetings überprüft. Stichpunkte aus dem vorherigen Gespräch aus dem digitalen Notizblock sondiert, die Präsentation gewandt vom mobilen Endgerät auf den Beamer übertragen und unser Gegenüber vom digitalen Lifestyle überzeugt. In einer stillen Minute einzelne Mails beantwortet, ein Briefingdokument überarbeitet. Bedankt, verabschiedet und Kontaktdetails ausgetauscht, damit man sich später in sozialen Netzwerken wiederfindet. Kaum wird das Tablet aus der Hand gelegt, schon zucken die Finger am Smartphone herum. Nachrichten konsumieren, den Weg aus dem Gebäude finden und über Carsharing ein Auto mieten. Vor der Rückfahrt schnell die Einkaufsliste erstellen, einige Dinge direkt heimwärts liefern lassen und private Gespräche über Messenger-Dienste führen.

Weil wir es können

Gefühlt setzen wir einige hundert Tools auf unseren Smartphones, Tablets und am Desktop ein. Von Projektmanagement und Inhaltserstellung über Anwendungen zur Team-Kollaboration bis hin zu Spielen und den kleinen Alltagshelfern, die wir mit wahrer Freude unser Eigentum nennen, obwohl wir doch eigentlich nur Besitzer einer Nutzungslizenz sind. Warum? Weil wir es in diesem Augenblick können. Diese unzähligen Anwendungen sollen unser arbeitsreiches Leben erleichtern.

Die Zeit läuft immer schneller in der Marketing- und Kommunikationsbranche, und in der digitalen Wirtschaft erst recht. Schließlich möchten Zielgruppen ihre Träume erfüllt bekommen, Kunden von Inhalten beglückt, Journalisten vom Nachrichtenwert begeistert und am Ende des Tages unsere Ziel-KPIs gleichermaßen erfüllt werden. Wir füttern uns in einer kleinen Ekstase mit diesem süßen Stoff, einem veritablen Gemisch aus mobilem Internet gepaart mit digitalen Mehrwerten. Wie können wir uns in einer digitalisierten Arbeitswelt wiederfinden, wenn manches Mal die wertvolle Zutat namens Menschlichkeit fehlt?

Unsere Spuren im Daten-Sand

Was am nächsten Tag kommt, hoffen wir auf einer digitalen Ebene zu begreifen. Leider beschäftigen wir uns dabei ganz bewusst und äußerst (pro)aktiv mit digitalen Zeitfressern, hinterlassen unsere Spuren und Daten in jedem digitalen Habitus. Das Digital Business begeistert durch seine Möglichkeiten und entzweit auf der symbiotischen Harmonieebene zwischen Geist, Körper und Herz zugleich. Können wir aus unserer Filterblase ausbrechen?

Vielleicht bringt das "Arbeits-Leben" in der digitalen Wirtschaft notwendige Veränderungen mit sich, die heutzutage für viele Menschen schon der Normalität entsprechen. Dieser Zustand wird jedoch nicht von allen Teilen der Gesellschaft gleichermaßen erlebt, geschweige denn akzeptiert. Blicken wir dabei über den Tellerrand hinaus, entdecken wir ohne den digitalen Spielraum sehr leicht, dass viele Menschen sich überhaupt nicht mit den Veränderungsprozessen und der damit einhergehenden Digitalen Transformation identifizieren können. Was die Branche vorleben kann, zählt für die Mehrheit der Deutschen gerade noch zu einer digitalen Askese, die zwar funktionieren mag, aber nicht zur gewünschten und erlebbaren Realität der kritischen Masse passt.

Dieser Gegenpol nutzt die mobilen Dienste, die sozialen Netzwerke und die digitalen Informationen vorwiegend nur zu einem Zweck: Der dauerhaften Unterhaltung als echter Alternative zur Berieselung auf dem heimischen Sofa. Jedoch leben wir zusammen in einer von digitalen Errungenschaften geprägten Welt. Unser Kommunikationsverhalten und unsere Mediennutzung unterliegen einer Evolution, die unser Denken und Handeln auf die digitale Ebene transformiert – mit allen Vorteilen und Nachteilen.

 

Autor:

Mike Schnoor, Jahrgang 1979, ist Kommunikator, Autor, Berater und Impulsgeber für Digital Communication, Marketing, Public Relations und Social Media. Als Herausgeber von #DigiBuzz - Das Magazin für das Digital Business analysiert er aktuelle Trends, neue Ideen und Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft. Folgen Sie @MikeSchnoor bei Twitter und lesen Sie sein Blog.

Schlagworte zum Thema:  Digital, Digitale Wirtschaft, App, Digitalisierung

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