19.02.2015 | Mittelstand

Nur ITK und Finanzsektor bereit für Industrie 4.0

Etwas mutiger muss das Topmanagement im Mittelstand schon noch werden.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Die digitale Transformation stellt bestehende Unternehmensprozesse auf den Kopf – und den Mittelstand vor große Herausforderungen. Die wenigsten haben angefangen, sich den Herausforderungen zu stellen. So das Ergebnis einer Studie der Personalberatung Intersearch Executive Consultants.

Eine schnellere interne Kommunikation, der Wissenstransfer als Schlüsselfaktor und eine engere Zusammenarbeit zwischen IT und anderen Abteilungen – über die Art der Veränderungen, die die digitale Transformation mit sich bringt, ist sich die Mehrheit der Befragten einig. Reagiert haben bislang jedoch die wenigsten.

Als größte Herausforderung nennen jeweils 80 Prozent eine schnellere Kommunikation und den Wissenstransfer. Dahinter folgt bereits die stärkere Zusammenarbeit der IT mit anderen Abteilungen (73 Prozent). Zwei Drittel der Befragten gehen außerdem davon aus, dass sich Entscheidungsprozesse verändern werden: Diese würden deutlich häufiger datenbasiert sein. 62 Prozent glauben außerdem, dass sich Jobprofile den veränderten Rahmenbedingungen anpassen müssen. Etwas mehr als die Hälfte glaubt, dass das Arbeiten im Sinne von "anytime – anywhere“ in Kürze kein Problem mehr sein, Arbeiten generell flexibler wird.

An eine Änderung der Hierarchien glauben hingegen nur 45 Prozent. Bisher geschieht deshalb wenig, um bestehende Strukturen aufzubrechen. Einzige Ausnahmen sind der Finanzsektor und die Gesundheitswirtschaft. Hier haben immerhin bereits zwei von fünf Unternehmen mit entsprechenden Personalentwicklungsmaßnahmen begonnen.

Julia Böge, Client Partner der Personalberatung Intersearch, erwartet keine Start-up-Mentalität im Mittelstand, es gehe nicht darum, den Chef zu duzen, sondern die Vorteile der alten mit der neuen Welt zu vereinen. Unternehmen müssten ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, über Strukturen hinweg zu agieren, Mitarbeiter in Entscheidungen einzubinden und themenbezogen in Projektorganisationen zu arbeiten.

Mutige Manager gesucht

Nicht nur beim Thema Führungsstrukturen bleibt vieles beim Alten: So ist in weniger als einem Viertel der mittelständischen Unternehmen die Organisationsstruktur bereits so gestaltet, dass Abteilungen wie Produktion oder Marketing eng vernetzt mit der IT zusammen arbeiten können. Bei den Finanzdienstleistern ist der Anteil mit einem Drittel überdurchschnittlich hoch, im produzierenden Gewerbe mit 19 Prozent hingegen besonders niedrig. Gleiches Bild beim Knowledge-Management: 25 Prozent der ITK- und Finanzunternehmen verfügen über eine IT-gestützte Wissensdatenbank, im Durchschnitt sind es 17 Prozent, im produzierenden Gewerbe deutlich weniger. Ebenso der Durchschnittswert bei der Kommunikation mit Social-Media-Tools, hier ist allerdings der Handel Vorreiter (31 Prozent), während Anlagen- und Maschinenbau von sozialen Netzwerken noch nicht viel gehört zu haben scheinen. Gerade einmal drei Prozent setzen auf die Social Media.

Böge sieht den kulturellen Wandel im deutschen Mittelstand scheitern, wenn der Handlungsbedarf in den Unternehmen nicht bald erkannt wird. Dies gelte insbesondere in den Branchen, in denen es auf Innovation und Schnelligkeit ankomme. Dazu brauchten sie Manager, die sich trauten, alte Strukturen aufzubrechen. Befragt wurden für die Studie "Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ 400 Top-Manager aus mittelständischen Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern. 

Weiterlesen:

Viele Unternehmen erkennen die Chancen der Digitalisierung noch nicht

Wie die Social Media das Business verändern

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Big Data, Mittelstand, Internet der Dinge

Aktuell

Meistgelesen