| Interview mit Peter Höschl

"Online-Marktplätze sind ein wesentlicher Wachstumstreiber"

"Auf den Marktplätzen tobt ein harter Preiskampf."
Bild: Privat

Online-Marktplätze erfreuen sich bei Konsumenten und Händlern zunehmender Beliebtheit. E-Commerce-Experte Peter Höschl über Chancen und Risiken für Händler. Höschl berät Unternehmen, ist Fachbuchautor und betreibt das Portal Shopanbieter.de.

acquisa: Herr Höschl, welche Rolle spielen Online-Marktplätze im E-Commerce?

Peter Höschl: Sie sind ein wesentlicher Wachstumstreiber. Nur wenige Händler kommen noch an Marktplätzen vorbei. Die Reichweite und die zu erzielenden Umsätze sind ein kräftiges Argument für einen Vertrieb über Amazon & Co. Für manche Händler ist der Marktplatz sogar zum Geschäftsmodell geworden. Sie betreiben keinen eigenen Online-Shop mehr. Auch für Konsumenten sind Marktplätze attraktiv. Die Bestellung ist einfach, das Sortiment groß und Retouren werden in der Regel problemlos abgewickelt.

acquisa: Bedeutet das, dass Marktplätze unbedingt ein Pflichtprogramm für Online-Händler darstellen?

Höschl: Per se sind Marktplätze kein Pflichtprogramm. Aber Pflicht ist es, eine Marktplatzstrategie zu prüfen.

acquisa: Unter welchen Voraussetzungen sind Marktplatz-Präsenzen die richtige Vertriebsstrategie?

Höschl: Wer über den Preis verkauft oder über massentaugliche Eigenmarken verfügt, für den sind Online-Marktplätze sehr gut geeignet. Für Nischenprodukte ist häufig der Online-Shop der bessere Vertriebskanal.

acquisa: Was ist der Grund dafür?

Höschl: Auf den Marktplätzen tobt ein harter Preiskampf. Wer den günstigsten Preis anbietet, wird bei einer Produktsuche auf dem Marktplatz an erster Stelle gelistet. Die Vergleichbarkeit ist hoch, der Preisdruck immens. Daher empfiehlt es sich oftmals, nicht mit seinem Vollsortiment auf einen Marktplatz zu gehen. Stattdessen sollte man unkritische Sortimente auswählen, die schlecht vergleichbar sind – beispielsweise Eigenmarken oder Sonderposten.

acquisa: Wo sehen Sie die größten Hürden, wenn Shop-Betreiber zusätzlich einen Marktplatz als Vertriebskanal starten möchten?

Höschl: Neben einer geschickten Sortimentauswahl müssen die Produktdaten marktplatzgerecht aufgearbeitet und eine effiziente Bestellabwicklung sichergestellt werden. Nichtzuletzt muss die Warenverfügbarkeit kanalübergreifend gesteuert werden. Dabei helfen Software-Lösungen. Auch eine Such-Optimierung darf nicht vergessen werden, denn auch die Auffindbarkeit eines Angebots innerhalb des Marktplatzes muss optimiert werden.

acquisa: Ist es sinnvoll, weiterhin Zeit und Werbebudget in den Webshop zu stecken, wenn das eigene Geschäft über die Marktplätze floriert?

Höschl: Für den Einstieg in den Online-Handel ist ein Marktplatz bestens geeignet. Grundsätzlich sollte aber ein eigener Online-Shop das Ziel sein, um unabhängig zu sein. Man darf auch nicht vergessen, dass auf Marktplätzen für jede Transaktion Gebühren gezahlt werden müssen – egal, ob ein Kunde zum ersten oder zum fünften Mal einkauft. Im eigenen Shop fallen nur einmalig Marketingkosten an, insbesondere Stammkundschaft lässt sich dort meist günstiger bedienen.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Versandhandel, Online-Marketing, Vertrieb

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