04.09.2015 | Interview mit Raymond Velez

"Jedes Erlebnis kann personalisiert werden"

"Das Internet of Things bringt eine Unmenge an Daten mit sich."
Bild: Razorfish

Markenerlebnisse werden in Zukunft wieder verstärkt über den Bildschirm hinausgehen. Das Internet der Dinge (IoT) macht es möglich. Wir haben uns mit Raymond Velez, Chief Technology Officer von Razorfish Global, über die Perspektiven für das Marketing unterhalten.

acquisa: Was hat das Internet der Dinge mit Marketing zu tun?

Herausragende Markenerlebnisse werden in Zukunft über den Bildschirm hinausgehen: Das ist eine unserer grundlegenden Überzeugungen. Auf diese Idee hat uns David Rose, einer der führenden Köpfe unserer Branche, in seinem Buch "Enchanted objects" gebracht. Er erzählt darin, dass eine Welt, in der alle Menschen auf Bildschirme starren, sein größter Alptraum ist. Die Wirklichkeit zeigt: Der ständige Blick auf den Bildschirm lässt uns den Kontakt zur Welt um uns herum verlieren. Das Internet of Things gibt uns die Möglichkeit, wieder in die reale Welt zurückzukehren. Ein Beispiel: Wearables verlängern die Funktionen des Smartphones, so dass wir einen Grund weniger haben, es aus der Tasche hervorzuholen. Denn so eine smarte Uhr zeigt das Wetter an und gibt uns einen Hinweis, wenn ein Päckchen angekommen ist. Wenn wir in unserem Lieblings-Einkaufsladen an einem Beacon vorbei laufen, bekommen wir die Information, dass es frischen Kaffee gibt. Das alles sind Ansätze für Marketing. Um Teil dieser neuen "Internet of Things"-Welt zu sein, ist das Marketing darauf angewiesen, Daten für sich zu nutzen. Denn wenn die Menschen ihre Blicke von den Bildschirmen lösen – wie machen wir dann auf unsere Marke aufmerksam?

acquisa: Sind die Marketingabteilungen technisch schon auf dem Stand der Dinge?

Ja, die Marketingabteilungen wagen sich bereits in diese neue Welt hinein. Zum Beispiel gibt es schon einige Marken, die sich die Beacon-Technologie zunutze machen, um Menschen die Orientierung in Einzelhandelsgeschäften, Museen und vielem mehr zu erleichtern. Oder Marken, die sich darin üben, auf Smart Watches relevant zu bleiben. Die wirklich spannenden Wachstumsfelder befinden sich dort, wo Unternehmen Daten von ihren Connected Products zurückgespielt bekommen. Wie ändert zum Beispiel ein vernetzter Stuhl die Art und Weise, wie wir über CRM denken?

acquisa: Wie könnte die Customer Experience im Jahr 2020 aussehen?

2020 werden Unternehmen dazu in der Lage sein, sich mit uns zu vernetzen, wo auch immer wir uns gerade befinden. Und das auf Basis von allen relevanten Daten, die es über uns gibt. Mit Technologien wie der Augmented Reality-Brille Hololens und Wearables ist eine digitale Vernetzung mit jedem physischen Objekt möglich. Dadurch kann einfach jedes Erlebnis personalisiert werden: ob man zu Hause ankommt, in seinem liebsten Café oder in einem Hotel.

acquisa: Welche Rolle spielt Big Data bei dem Ganzen?

Velez: Das Internet of Things bringt eine Unmenge an Daten mit sich, die smartere und relevantere Erlebnisse möglich machen. So vernetzen smarte Städte die Daten von Haushalten, um die Verhaltensmuster von Pendlern oder auch Versorgungsbedürfnisse besser zu verstehen und beeinflussen zu können. Videobild-Erkennung hilft Einzelhändlern dabei, den Besucherfluss im Store zu optimieren. Und im Hinblick auf maschinelles Lernen wird eine neue Form Algorithmen dafür sorgen, dass automatisiertes Lernen in Echtzeit zu besseren physischen und digitalen Erlebnissen führt. Kurz gesagt: Wenn Data dafür steht, wie wir dem Konsumenten zuhören, dann ist das Internet of Things der Verstärker, durch den er seine Stimme noch mehr erheben kann.

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Schlagworte zum Thema:  Internet der Dinge, Digitalisierung, CRM, Marketing, Big Data, Analytics

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