21.05.2015 | Geschäftszahlen

Kein gutes Jahr für die Otto Group

Hans-Otto Schrader ist mit dem E-Commerce-Ergebnis unzufrieden.
Bild: Otto Group

Der Konzern wächst langsamer als der Markt und meldet für das Geschäftsjahr 2014/15  Verlust. Nun kommt das gesamte Portfolio auf den Prüfstand. Außerdem wird weiter kräftig investiert – zum Beispiel in ein eigenes Unternehmen für Realtime Advertising.

Es war kein besonders glückliches Jahr für die Otto Group: Das Wetter sorgte für einen branchenweit beklagten schwachen Textilienverkauf, der Krieg in der Ukraine und die Russlandkrise schwächten das Auslandsgeschäft, die französische Konzerntochter 3SI musste teuer restrukturiert werden, das Geschäft bei der US-Tochter Crate & Barrel lief nicht wie gewünscht, bei Sportscheck sorgte eine komplexe IT-Umstellung für einen Gewinneinbruch –um nur einige Gründe zu nennen. Zugleich investierte der Konzern hohe Millionenbeträge in IT, Logistik und neue Geschäftsmodelle.

Und so meldete der Handels- und Dienstleistungskonzern für das Geschäftsjahr 2014/15 zwar ein leichtes Umsatzwachstum von 0,5 Prozent auf 12,057 Milliarden Euro – aber einen Rückgang im Ergebnis: Das EBIT ging von 401 auf 79 Millionen Euro zurück, vor Steuern (EBT) verzeichnet die Otto Group einen Verlust von 125 Millionen Euro. „Dieser Verlust war auch für mich persönlich eine schmerzhafte Erfahrung“, bekannte Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group auf der Bilanzpressekonferenz.

 

Der Gesamtumsatz der Otto Group in Deutschland blieb mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 7,139 Milliarden Euro hinter dem Wachstum des Gesamteinzelhandels in Deutschland zurück, das bei 1,8 Prozent lag.

Der E-Commerce ist nach wie vor ein Wachstumstreiber, bleibt mit einem Plus von fünf Prozent aber ebenfalls unter dem Branchendurchschnitt von sieben Prozent zurück. „Damit bin ich unzufrieden“, kommentierte Schrader

 

Dabei lief es im sogenannten Core Business, in dem die Gruppe 59 Prozent ihres Geschäfts erwirtschaftet, verhältnismäßig gut: Unternehmen wie die Otto Einzelgesellschaft, Bonprix, die Witt Gruppe, die Baur-Gruppe, der Finanzdienstleister EOS oder die Hermes Gruppe legten – einige mehr, einige deutlich weniger – zu.

 

Gut 25 Prozent des Geschäfts der Otto Gruppe entfallen auf das „Re-Invent-Business“, zu dem die Problemfälle Crate & Barrel, Otto Group Russia, Mytoys, Sportscheck oder 3SI gehören.

 

Im Segment „Create Business“ – dazu zählt der Konzern Start-ups wie Collins, BlueYonder oder Yapital – verzeichnen die Hamburger einige Erfolge: Collins sei das am schnellsten wachsende Start-up in Europa, so Schrader. Das im Mai 2014 gestartete Unternehmen erwirtschaftet einen zweistelligen Millionenumsatz und meldet eine halbe Million Kunden. Geschäftsmodellen wie dem des Payment-Anbieters Yapital allerdings mangelt es an Akzeptanz im Markt. Über seine Beteiligungsgesellschaften Eventures und Project A investiert der Konzern in über 130 Start-ups in über zehn Ländern, er hat sich dieses Engagement seit dem Jahr 2008 einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag kosten lassen.

 

Was der Konzern tun will

Um aus der Verlustzone herauszukommen, wird die Otto Group ihre „Portfoliostrategie deutlich ändern“, kündigt Vorstandschef Schrader an. Jedes Geschäftskonzept und jedes der 123 Unternehmen der Gruppe wird nun daraufhin geprüft, ob es nachhaltig zukunftsfähig ist. Gegebenenfalls will der Konzern Unternehmen verkaufen oder Partner suchen. So haben die Hamburger trotz guter Zahlen Otto Office zum Verkauf gestellt, weil die BtoB-Firma nicht zum Portfolio passe.

Laut dem Ende Mai scheidenden Finanzvorstand Jürgen Schulte-Laggenbeck geht es bei der Portfoliobereinigung ausdrücklich nicht darum, Tafelsilber zu verkaufen. Die Liquidität des Konzerns sei sehr gut, ergänzt Schrader.

Die Otto Group will weiter dreistellige Millionenbeträge in IT, Logistik und neue Geschäftsmodelle investieren. Hoch interessant: Der Konzern gründet das Start-up Otto Group Media, das Realtime Advertising auf den konzerneigenen Websites bieten wird. Damit, so Schrader, will Otto seine Reichweite monetarisieren. Die Otto Group zähle 25 Millionen Unique Visitors im Monat und habe damit beste Aussichten, ein Realtime Advertising-Geschäftsmodell erfolgreich zu etablieren. Das neue Unternehmen soll erstmals auf der dmexco im September präsentiert werden.

 

Eine weitere Maßnahme, um den Konzern wieder auf Gewinnkurs zu bringen, ist ein systematischer Ausbau der Digitalkompetenz. Dazu wird unter anderem in jedem Unternehmen ein Chief Digital Officer und eine „Taskforce E-Commerce“ installiert.

All das soll dazu führen, dass die Otto Group im laufenden Geschäftsjahr um drei Prozent wächst.

 

Kurz noch aktuelle Personalien:  Der Aufsichtsrat der Otto Group verlängert den Ende April 2016 auslaufenden Vertrag mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Rainer Hillebrand um weitere drei Jahre. Petra Scharner-Wolff wird zum 1. Juni 2015 Finanzvorstand und löst somit den langjährigen Finanzvorstand Jürgen Schulte-Laggenbeck ab, der als Chief Financial Officer zur Majid Al Futtaim Group in Dubai wechselt.

 

Weiterlesen

Otto steigt ins Data Driven Marketing ein

Quartalszahlen von Google, Microsoft und Amazon

Customer Experience im E-Commerce

 

Schlagworte zum Thema:  Umsatz, E-Commerce

Aktuell

Meistgelesen