18.09.2015 | Serie Social Media Marketing

Facebooks Dislike-Button – und welche Funktionen er braucht

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"Sorry, aber die Facebook-Suche ist nach wie vor Murks", meint Felix Beilharz.
Bild: Felix Beilharz

Facebook bekommt einen "Daumen runter", einen Dislike-Button. Auslöser für diese erneute Diskussion war ein Beitrag auf mashable.com, in dem über entsprechende Hinweise Mark Zuckerbergs berichtet wurde. Dieser Beitrag wurde inzwischen über 80.000 im Social Web geteilt und sofort entstanden tausende weitere Beiträge dazu, sowohl in Blogs und Fachmedien als auch in Massenmedien wie welt.de oder N24.

Ein Dislike-Button hätte sicher seine Berechtigung. Youtube arbeitet seit Jahren mit Daumen rauf und Daumen runter. Bei Facebook ist die einzige Möglichkeit, sein Missfallen auszudrücken, die Enthaltung (oder die Meldung an Facebook). Der Like-Button eignet sich aber prinzipiell nur für positive Nachrichten. Empathie oder Mitgefühl drückt der Daumen rauf einfach nicht aus. Dafür wäre ein Dislike-Button schon ganz sinnvoll. Ob er letztendlich jemals kommen wird, ist eine ganz andere Frage.
Es gibt aber eine ganze Reihe anderer Funktionen, die Facebook dringend bräuchte. Einige davon vermisse ich schmerzlich. Andere würden sicher mit gemischten Gefühlen aufgenommen, würden aber manches einfacher machen.


Facebook braucht eine bessere Suchfunktion

Sorry, aber die Facebook-Suche ist nach wie vor Murks. Seit Jahren werden teilweise auch größere Seiten überhaupt nicht gefunden, sofern man sie noch nie besucht hat (nach einem Besuch klappt es meist tadellos). Wie oft habe ich schon über Google Facebook-Seiten gesucht, weil die interne Suche einfach nichts ausgespuckt hat.
Und warum gibt es die eigentlich ziemlich geniale Graph Search immer noch nur auf Englisch? In der US-Sprachversion lässt sich nach so genialen Kombinationen wie „Videos liked by people who like Felix Beilharz“ oder "Single women who are 25 and like sports and live in Cologne" suchen (wenn man das denn wollen würde). In meinen Seminaren stelle ich fest, dass fast niemand diese Graph Search kennt, obwohl sie unendlich viele Möglichkeiten bietet.
Eine bessere Suchfunktion würde endlich auch Hashtags auf Facebook einsetzbar machen. Sucht man nach aktuell genutzten Hashtags, taucht nur ein Bruchteil der Posts mit diesem Hashtag in der Ergebnisliste auf. Das macht die Funktion immer noch unbrauchbar, was ich persönlich sehr schade finde.

 

Ein besseres Anzeigentargeting

Facebook verfügt vielleicht über das beste Anzeigentargeting überhaupt. Männer über 50, die in Berlin wohnen, verheiratet sind, Fußballfans sind und ein iPhone haben, so granular kann man mit keinem anderen Medium der Welt targetieren. Vor allem basieren die Zielgruppen dann nicht auf Befragungen oder Hochrechnungen, sondern auf tatsächlichem Verhalten, was ungleich wertvoller ist.
Trotzdem ist noch viel Luft nach oben. Bis Juni konnte man über einige Tricks extrem spezifische Listen zusammenstellen und diesen Anzeigen ausspielen, zum Beispiel Fans von bestimmten Facebook-Seiten oder Mitglieder in bestimmten Gruppen. Diese Funktionen bietet Facebook leider nicht an und auch die Schlupflöcher sind mittlerweile geschlossen.
Da würden sich jedoch extrem gute Werbemöglichkeiten ergeben. Klar, Fans der Konkurrenz zu targetieren, wäre wünschenswert, würde aber in der Praxis zu Problemen und Diskussionen führen. Aber wie wäre es mit Leuten, die im Flughafen Frankfurt eingecheckt und/oder angegeben haben, dass sie gerade nach New York fliegen. Auch Gruppenmitglieder oder Eventteilnehmer wären eine feine Targeting-Zielgruppe.
Zugegeben, kann zu Problemen führen. Was aber auf jeden Fall eingeführt werden sollte, ist eine Und-Verknüpfung der Interessen. Derzeit ist diese Funktion nur für große Anzeigenkunden oder über Dritt-Tools, aber nicht im normalen Anzeigen-Backend verfügbar. Alle Interessen, die ausgewählt werden, werden mit „Oder“ verknüpft. Interessant wäre aber nicht nur zu wissen, wer Interesse an Gaffel Kölsch oder FC Köln hat, sondern eben die Schnittmenge daraus.

 

Vollständige Fan- und Check-In-Listen

Als Seitenbetreiber möchte man schon ganz gerne wissen, wer denn alles die eigene Seite geliked hat und vor allem auch, wer die Check In-Funktion genutzt hat. Leider liefert Facebook dazu entweder gar keine Daten oder nur unvollständige Listen. Auch das mag datenschutzrechtliche (haha, nur Spaß) oder andere Gründe haben, wäre aber sinnvoll und sicher auch machbar. Und sei es nur zu dem Zweck, ungewünschte Fans (zum Beispiel durch die Konkurrenz als Angriff gekaufte Fake-Fans) zuverlässig wieder entfernen zu können.

 
Besserer Support

Hach was wäre das schön, wenn Anzeigenkunden oder generell Fanpage-Betreiber richtigen Support bekämen. Ich gebe zu, damit driften wir endgültig ins Wünsch-dir-was-Wunderland ab, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Festzuhalten bleibt: Es gibt wichtigere und sinnvollere Funktionen als einen Dislike-Button. Facebook, du bist am Zug.  

 

Autor:

Felix Beilharz ist Experte für Online- und Social Media Marketing. Er berät und trainiert Unternehmen, Organisationen und öffentliche Einrichtungen und ist als Keynote Speaker europaweit tätig. Er arbeitet als Autor und Co-Autor und ist als Dozent an drei Hochschulen tätig. Regelmäßig veröffentlicht er Artikel und Videos bei Facebook und in seinem Blog.

Schlagworte zum Thema:  Social Media, Facebook, Targeting, Social Media Marketing, Online-Marketing

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