30.09.2015 | Serie Social Media Marketing

Facebook nimmt uns die Privatsphäre weg! Warum so viele Leute auf Hoaxes reinfallen

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Nichts nervt mehr als Fake-Statusmeldungen in der eigenen Facebook-Timeline. Dagegen machen kann man aber leider wenig.
Bild: Felix Beilharz

Die Facebook-Timeline ist wieder voll mit Quatsch-Statusmeldungen? Ärgerlich. Und das nimmt zu. Vielleicht, weil viele Nutzer ihr Hirn ausschalten, wenn sie Facebook öffnen, meint unser Gastautor Felix Beilharz.

Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen im Facebook-Newsfeed nicht nur Katzenbilder und Fotos vom Abendessen auf, sondern auch eine andere Kategorie von Beiträgen. Da verbieten Leute Facebook, die eigenen Bilder zu nutzen (die sie auf eigenhändig auf Facebook hochgeladen haben, aber ok), sie widersprechen den geänderten Facebook-AGBs, sie erhoffen durch einen Share den Gewinn eines Traumautos oder sie sorgen dafür, dass Mark Zuckerberg für jeden Like einen Euro an irgend ein Kinderheim spendet. Kurz: Sie verbreiten blanken Unsinn.

Facebook: Eine neue Hoax-Welle rollt

Aktuell geht wieder eine solche Welle durch das Netzwerk. Laut dieser Statusmeldung, die aktuell zig-tausendfach kopiert und weiterverbreitet wird, plant Facebook, alle Privatsphäreneinstellungen abzuschaffen und alle Beiträge auf öffentlich zu stellen (selbst in der Vergangenheit privat gepostete Fotos). Zum Glück gibt es einen Ausweg: für den lächerlichen Betrag von 5,99 Euro (wahlweise auch Dollar, Pfund oder andere Währungen) kann man sich von dieser Änderung freikaufen. Und – und das ist das eigentlich Überraschende: Wenn man die Nachricht weiter verbreitet, muss man nix bezahlen. Puh, schon wieder sechs Euro gespart, also nichts wie ran an’s Posten.

Warum fallen Menschen auf so einen Schmuh rein?  Warum verbreiten ansonsten vernünftige, mit beiden Beinen im Leben stehende Menschen solchen Unfug? Kurze Antwort: Ich weiß es auch auch nicht.


Der Verstand setzt aus, wenn man das blaue Facebook-F sieht


Anscheinend setzt bei manchen das logische Denken aus, sobald sie das blau-weiße Facebook-F vor sich sehen. Anderenfalls müsste doch sofort einleuchten, dass bei Facebook niemand die Statusbeiträge von 1,4 Milliarden Mitgliedern durchschaut, ob jemand gegen irgendetwas sein Veto eingelegt hat.

In manchen Fällen steht einfach Gier hinter dem Reinfall (oder davor?). Da tut sich die Chance auf, einen nigelnagelneuen Mercedes SL AMG zu gewinnen. Und alles, was man tun muss, ist, den Beitrag zu kommentieren, liken, teilen und den Bildschirm dreimal zu küssen. Naja, kostet ja nix, wird also schnell mal gemacht.


Warum fallen Menschen auf so einen Schmuh rein?  Warum verbreiten ansonsten vernünftige, mit beiden Beinen im Leben stehende Menschen solchen Unfug? Kurze Antwort: Ich weiß es auch auch nicht.

Kostet aber doch was, nämlich die Nerven derer, die diesen Quatsch im Newsfeed ertragen müssen. Und die Glaubwürdigkeit der Unternehmen, die tatsächlich und ehrlich Gewinnspiele durchführen, um ihre Kunden zu unterhalten, und durch die Fakes in Misskredit gezogen werden.

In anderen Fällen ist es wahrscheinlich bloße Unwissenheit, Naivität im Umgang mit digitalen Medien oder sogar Angst vor Kontrollverlust. Denn die Facebook-AGB sind lang und unverständlich, da wäre es doch klasse, wenn man sich mit einem simpel kopierten Statusbeitrag vor allerlei Risiken schützen könnte. So wie man sich mit kleinen Zuckerkügelchen… aber das ist ein anderes Thema.


Was kann man machen? Nichts, leider


Was kann man also tun, wenn so etwas im Newsfeed auftaucht? Je nach persönlicher Beziehung steht die Wahl zwischen ignorieren, den Absender freundlich auf seinen Fauxpas hinweisen, den Absender weniger freundlich auf seinen Fauxpas hinweisen oder den Absender entfreunden/blockieren. Meiner Erfahrung nach hilft alles nur kurzfristig oder unwesentlich weiter. Vielleicht müssen wir uns einfach damit abfinden, dass es so etwas gibt. So wie wir uns vor Facebook mit Ketten-E-Mails abfinden mussten. Und wie wir uns schon immer mit Telefonverkäufern,  Handelsvertretern an der Haustür und Mückenstichen im Sommer abfinden müssen. Manche Dinge sind einfach lästig, aber unvermeidlich.

Wer sich nicht damit abfinden will, kann vielleicht etwas zur Besserung der Situation beitragen, indem er konsequent jeden dieser Statusmeldungen in seinem Newsfeed mit einem Link zu meiner Hoax-Liste kommentiert. Vielleicht regt’s zum Nachdenken an. Denn das sinnlose Verbreiten von Hoaxes gefährdet Freundschaften und verursacht Einsamkeit. Und das ist kein Hoax. 


Autor:

Felix Beilharz ist Experte für Online- und Social Media Marketing. Er berät und trainiert Unternehmen, Organisationen und öffentliche Einrichtungen und ist als Keynote Speaker europaweit tätig. Er arbeitet als Autor und Co-Autor und ist als Dozent an drei Hochschulen tätig. Regelmäßig veröffentlicht er Artikel und Videos bei Facebook und in seinem Blog.

Schlagworte zum Thema:  Facebook, Social Media, Privatsphäre, Social Media Marketing, Online-Marketing

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