05.12.2013 | Serie Suchmaschinenoptimierung

Interview mit Eric Kubitz: „Wir achten nicht mehr so sehr auf Keywords“

Serienelemente
Eric Kubitz im Interview.
Bild: Eric Kubitz

Eric Kubitz ist in Deutschland ein Meinungsführer in Sachen Suchmaschinenoptimierung. Der gelernte Journalist ist nicht nur Geschäftsführer einer SEO-Agentur, sondern auch Blogger, Autor und SEO-Lehrmeister. Erst kürzlich wurde er von „t3n“ zu einem der hundert einflussreichsten Köpfe im Netz gekürt. Im Interview verrät er, warum Content Marketing und SEO Hand in Hand gehen, wie die Google-Suche sich weiterentwickelt und was Likes wirklich mit SEO zu tun haben.

acquisa: Herr Kubitz, Content Marketing boomt weiter. Aber widersprechen sich SEO und Content Marketing nicht?

Eric Kubitz: Das widerspricht sich überhaupt nicht. Zwei Ansatzpunkte muss man beachten. Zunächst ist SEO im Grunde, genauso wie Content Marketing, ein Teil von Online-Marketing. Allein deswegen müssen beide schon aufeinander abgestimmt sein. Zweitens zielt Content Marketing auf gute Inhalte und auch Links ab, beides ist auch sehr gut für Google. Deswegen ist gutes Content Marketing die aktuelle Art und Weise, wie man SEO betreibt.

acquisa: Ist die Aufgabe von SEOs bei Content Marketing denn eher eine beratende oder doch eine ausführende Funktion einzunehmen?

Eric Kubitz: Idealerweise machen SEOs auch den Inhalt. Allerdings würde ich nicht vielen SEOs zutrauen, gutes Content Marketing zu machen. Personell widerspricht sich das dann doch teilweise. Traditionelle SEOs sind natürlich auch darin geübt, mit irgendwelchen Taktiken Suchergebnisse zu optimieren, was nicht zu Content Marketing passt. Aber mittlerweile gibt es eine sehr große Gruppe von SEOs,  die sich sehr wohl mit wertvollen Inhalten und vor allem mit dem Seeding, was ja auch ein wichtiger Faktor für Content Marketing ist, befasst. Das macht SEOs per se schon zu einem besseren Content Marketer, als der andere Marketer.

acquisa: Wie weit ist Google bei der semantische Suche?

Eric Kubitz: Gute Frage. Wir wissen natürlich nicht genau, was Google tatsächlich macht. Aber mit dem Konzept der WDF*IDF-Optimierung,  bei der nicht nur die eigene Seite angeguckt wird, sondern  die auch verglichen wird, ob sie inhaltlich anderen Seiten entspricht, passiert das sogar auf einer Wortebene, was Zusammenhänge offenlegt. Dadurch könnte Google schon ziemlich weit sein. Da passt der Begriff der semantischen Suche aber nicht mehr so gut.

acquisa: Ist Google demnach in der Lage, komplexe Fragen zu verstehen? Hat sich der Wandel von der Suchmaschine zur Antwortmaschine schon vollzogen?

Eric Kubitz: Wenn man Google fragt: ja. Das Hummingbird-Update vor ein paar Wochen soll ja den Suchalgorithmus so verändert haben, dass komplette Suchanfragen auch in Zusammenhänge eingearbeitet werden. Also wenn ich Google nun frage, wo der nächste Italiener ist, liefert Google mir einen Vorschlag. Wenn die darauffolgende Frage nun lautet, wie ich dahinkomme, dann versteht das Google, knüpft also die passenden Zusammenhänge. Das wollen sie zumindest schon können.

acquisa: Nehmen wir an, Google ist dazu in der Lage. Wie verändert das die tägliche Arbeit von SEOs?

Eric Kubitz: Wir achten nicht mehr so arg auf Keywords. Das wurde auch auf der SEOkomm in Salzburg deutlich. Es geht immer weniger um Strings, also um Wortkombinationen, sondern eher um Sinnhaftigkeit. Also wenn jemand zum Beispiel eine Seite über Tee aus Asien hat, und dafür auch gut rankt, warum sollte er nicht auch für asiatischen Tee gut ranken. Es geht also um unterschiedliche Worte mit gleichem Inhalt. Google ist hier dabei, diese Zusammenhänge ganz gut zu verstehen.

acquisa: Gibt es denn die Tendenz,  Suchanfragen als komplette Sätze zu formulieren?

Eric Kubitz: Ich weiß nicht, ob es diese Tendenz gibt. Sie wird momentan als sehr wahrscheinlich dargestellt. Ich selber bin relativ skeptisch. Selbst wenn ich im Auto sitze und suchen würde, was die wenigsten machen, würde ich eher nach „italienisch essen“ suchen, und nicht sagen: Wo ist der nächste Italiener. Warum sollte man sich mit der Maschine genauso unterhalten, wie mit einem Menschen?

acquisa: Ist das aber nicht nur antrainiert und könnte sich durch Programme wie SIRI wieder verändern?

Eric Kubitz: Möglich. Was man auf jeden Fall seit Jahren sehen kann, ist, dass die Zahl der Suchwörter, die aneinandergereiht werden, um Suchtherme zu werden, deutlich zunehmen.

acquisa: Wie unterscheidet sich die mobile Suche grundsätzlich von der stationären Suche?

Eric Kubitz: Massiv dadurch, was gesucht wird und welcher Ergebnisse für mich relevant sind.  Wen ich am Schreibtisch sitze, dann sind möglicherweise alle Ergebnisse aus Deutschland interessant, unterwegs sind es dagegen oft die lokalen.

acquisa: Was sind die Aufgaben von SEOs bei Social SEO?

Eric Kubitz: Das ist ähnlich wie bei Content Marketing. Das Seeding um andere, möglichst viele Leute zu erreichen, ist wichtig. Dafür sind wir SEOs prima, auch weil wir die Tools dafür haben. Die meisten SEOs glauben momentan nicht, dass Links aus Facebook, Twitter und Co. für die Suchmaschine wichtig sind, aber wir erreichen damit Leute, die auch Seiten haben und uns vielleicht verlinken. Das wird seit vier, fünf Jahren praktiziert und ist sehr wichtig. Über Social Media erreicht man auch Opinion-Leader, die für die Verbreitung wichtig sind und auch Links generieren. Das passt auch gut zusammen.

acquisa: Aber Likes sind nicht die neuen Links?

Eric Kubitz: Nein, auf keinen Fall. Likes sind definitiv eher etwas Indirektes. Likes helfen insofern, weil mehr Leute auf die Seite kommen und Aufmerksamkeit erzeugen. Aber neue Links sind es auf keinen Fall.

acquisa: Gilt das momentan auch so für den Google Authorship?

Eric Kubitz: Schwer zu sagen. Ich geh davon aus, dass Google so arbeitet, dass im Algorithmus solche neuen Möglichkeiten eingebaut werden. Erst klein, dann wird getestet und wenn es funktioniert, wird es ausgebaut. Momentan sind wir dann eher in der Testphase. Durch die geringe Durchdringungsrate von Google Plus in Deutschland halte ich das für noch nicht so wichtig.

acquisa: Und in Zukunft?

Eric Kubitz: Sobald die schreibende Zunft, also vor allem Journalisten, mehr auf Google Plus unterwegs ist, könnte das in ein, zwei Jahren ein extrem wichtiger Faktor werden. Vielleicht ist der Google Authorship dann ja der neue Link.

 

Eric Kubitz ist Geschäftsführer der CONTENTmanufaktur. Er betreibt außerdem die Webseite SEO-Book.de.

Schlagworte zum Thema:  SEO, SEM, Google Plus, Google, Suchmaschine, Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing, Marketing

Aktuell

Meistgelesen