20.11.2014 | Serie Suchmaschinenoptimierung

Eric Kubitz: Das Thema "Hauptsache Backlinks" ist durch

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SEO-Experte Eric Kubitz im Interview.
Bild: Eric Kubitz

Im Interview mit acquisa verrät SEO-Experte Eric Kubitz, warum Google zu viel Macht hat, was er am SEO-Beruf schätzt, und warum das Streben nach massenhaften Backlinks für ihn kein Thema mehr ist.

 

 

acquisa: Herr Kubitz, was hat sich bei SEO 2014 am meisten verändert?

Eric Kubitz: Das ist schwierig, da Google sich 2014 mit großer Geschwindigkeit vielen Themen gewidmet hat. Es gab viele technische Neuerungen, aber auch wieder größere Updates des Algorithmus‘. Am meisten Gas hat Google vielleicht beim Thema Mobile gegeben. Ich glaube Google geht es im Endeffekt darum, die User von den Desktop-Bildschirmen zu lösen.

acquisa: Mobile ist ein gutes Stichwort. Was glauben Sie, wie wird Google die Suche 2015 anpassen, damit sie noch mobiler wird?

Eric Kubitz: Ich glaube wir werden viel entdecken, mit dem wir nicht unmittelbar rechnen. Auch wenn ich nicht unbedingt an den Erfolg der Spracheingabe glaube, so wird die Suche in mehr und mehr Lebensräume vordrängen. Vermutlich wird die Lokalität noch wichtiger – und die Personalisierung.

acquisa: Ist die Personalisierung 2014 weiter als 2013? Und wie könnte sie in Zukunft konkret aussehen?

Eric Kubitz: Ich denke, die Personalisierung ist jetzt schon viel weiter als wir erkennen. Es sind ja oft nur Feinheiten, die zwischen Ihren und meinen Suchergebnissen anders sind. Möglichkeiten für die Zukunft gibt es natürlich noch, vor allem beim Device hinsichtlich Formfaktor und Einsatzgebiet. Aber auch das wird an seine Grenzen stoßen.  

acquisa: 2014 gab es aus den Medien, aber auch aus der Politik kritische Stimmen gegen Google. Wird Google vorsichtiger werden und noch mehr auf das eigene Image achten?

Eric Kubitz: Ich glaube nicht, dass Google vorsichtiger werden wird. Genau genommen war Google schon immer vorsichtig. So hat sich Google beispielsweise gegen eine Gesichtserkennung bei der Suche ausgesprochen, weil mit zu viel Protest zu rechnen war. Google wird weiter versuchen, die Grenzen auszuloten. Bei der ganzen Debatte um das Leistungsschutzrecht muss man außerdem sehen, dass es ein riesiges Eigentor der Verlage war. Google hat dieses Kräftemessen ohne viel Mühe für sich entschieden. Eins hat sich aber trotzdem geändert: Google ist nicht mehr der Konzern, den alle lieben, sondern der, vor dem viele Angst haben.

acquisa: Immer wieder ist von der monopolartigen Stellung zu hören, die Google einnimmt. Hat Google denn ein Monopol?

Eric Kubitz: Ja, klar. Aber das ist natürlich gewachsen. Google zu zerschlagen mag interessant klingen, aber in Deutschland darüber zu diskutieren, ist komplett unangebracht, weil Google nun mal kein deutsches Unternehmen ist. Klar hat Google viel mehr Macht als eine Firma haben dürfte. Und vielleicht wird sich perspektivisch daran etwas ändern müssen, aber nicht unmittelbar.

acquisa: Haben Sie Angst vor dem Trend, dass Google immer mehr Platz in den SERPs mit eigenen Angeboten belegt?

Eric Kubitz: Nein. Zwar versucht Google mit immer mehr eigenen, auch guten Diensten, die Leute im eigenen Kosmos zu halten. Aber für eine Aktiengesellschaft ist das ein völlig logischer Vorgang. Schließlich muss Google weiter wachsen. Ich sehe ein anderes Problem: Da Google immer mehr die Seiten gut platziert, die eh schon gut funktionieren und der Trend ohnehin zu den großen Brands geht, wird es für kleine und neue Seitenbetreiber immer enger. Die kleine Seite von nebenan wird es in Zukunft noch schwerer haben und Minderheitsinteressen werden womöglich gar nicht mehr vertreten sein.

acquisa: Hat Sie die Eindämmung des Google Authorships überrascht?

Eric Kubitz: Initial ja, mit etwas Abstand nach der Umsetzung jedoch nicht mehr. Die Veränderung war eher ein Signal von Google, dass der Plan mit Google+ nicht aufgeht. Bilder von digitalen Freunden in den Suchergebnissen sind halt doch kein Fortschritt. Trotzdem muss man betonen, dass nur die Links und die Autornamen in der Suche weggefallen sind. Die Funktion, dass gute Autoren ein Vertrauens-Signal  für Rankings sind, ist immer noch implementiert.

acquisa: Der Authorrank bleibt also weiterhin wichtig?

Eric Kubitz: Perspektivisch auf jeden Fall. Die Relevanz des Autors ist unbestritten und könnte durchaus irgendwann den Link als Empfehlungssignal teilweise ablösen.

acquisa: Sehen Sie bei Googles Bemühungen, gegen schlechte Links vorzugehen, Erfolge?

Eric Kubitz: Definitiv hat Google hier sehr große Fortschritte gemacht. Die Spam Detection ist mittlerweile sehr gut. Darüber herrscht auch Konsens. Anhand kleiner Beispiele, wo miese Links noch funktionieren, kann man diese Entwicklung nicht wegreden. Für die große Masse gilt: Das Thema „Hauptsache Backlinks“ ist durch.

acquisa: Wenn schlechte Links immer mehr abnehmen, werden gute Links dann wieder wichtiger?

Eric Kubitz: Gute Links waren schon immer und sind enorm wichtig. Neue Faktoren wie Traffic und Userströme geben den Links nun sogar eine weitere Relevanz geben. Insgesamt würde ich aber sagen, dass Backlinks ihre Relevanz behalten.

acquisa: Was mögen Sie am SEO-Beruf am meisten, was am wenigsten?

Eric Kubitz: Am meisten sicherlich das Teamwork. So ziemlich alles auf einer Seite betrifft SEO. Allein deswegen hat man mit fast jeder Abteilung zu tun. Das zwingt, allumfassend zu denken und auch kreativ zu sein.

Am wenigsten gefällt mir, dass es immer noch zu viele Leute gibt, die eben das verleugnen und zum SEO zum Beispiel mit Linkbuilding verwechseln, es damit simplifizieren und glauben, Suchmaschinenoptimierung könnte schmutzig und simpel funktionieren.

acquisa: Simpel ist ein gutes Stichwort: Wenn sich ein SEO in alles einmischen soll, muss er dann auch alles beherrschen? Was muss ein SEO können?

Eric Kubitz: Es gibt zwei Arten von SEOs. Einmal die SEOs die wirklich überall mitreden können und auch überall eine Bewertungskompetenz mitbringen. Auf der anderen Seiten gibt es aber auch die Spezialisten, die in einem Fachgebiet, sei es nun Local-SEO, Technik oder Content Marketing, absolute Experten sind. Die erste Gruppe sind so etwas wie Hausärzte, die ihre Patienten dann zum Spezialisten schicken.

 

Eric Kubitz ist Geschäftsführer der CONTENTmanufaktur. Er betreibt außerdem die Webseite SEO-Book.de.

 

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Schlagworte zum Thema:  SEO, SEM, Google Plus, Google, Suchmaschine, Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing, Marketing

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