Großer Andrang in den Vorträgen auf der dmexco. Bei Speakern wie Sheryl Sandberg und Julia Jäkel kein Wunder. Bild: 2014 dmexco, Köln

Die dmexco 2017 ist Geschichte. Sie war voll, laut, spannend. Und ein bisschen unübersichtlich. Der BVDW fürchtet um die digitale Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands. Und Julia Jäkel CEO von Gruner + Jahr sieht eine wachsende Sehnsucht nach Seriosität im Internet. 

Emotional ging es zu am Ende der dmexco: Im letzten Vortrag der zweitägigen Veranstaltung zeigte Tim Kendall, Präsident von Pinterest, dass er etwas von Storytelling versteht. Sichtlich erleichtert nahm er vor noch immer voller Kulisse in der Conference Hall auf der Bühne Platz und erzählte, dass er dreißig Minuten zuvor noch im Flieger –  aus New York kommend – saß und nun glücklich sei, über "Pictures and a thousand words – the Dreamteam of Social Brand Building" sprechen zu können. Dabei schien der Pinterest-Chef so gelöst, dass er erst einmal preisgab, wie er bei einem so eng getakteten Tagesablauf so entspannt sein kann "Ich steige jeden Morgen für fünf Minuten in eine Eistonne, um fit für den Tag zu werden. Besser als jeder Kaffee", so Kendall. Da hatte er das Publikum schon für sich gewonnen.

Emotionen und Fakten

Doch auch inhaltlich hatte er einiges zu bieten. Im Vergleich zu Facebook oder Instagram ist Pinterest zwar noch ein Zwerg: Doch die digitale Pinnwand wächst – und legt in Deutschland besonders kräftig zu. In einigen Bereichen überflügelt Pinterest selbst Branchengrößen. Weltweit sind es mittlerweile rund 200 Millionen Menschen pro Monat, die Inspirierendes und Liebenswertes an ihre virtuelle Pinnwand heften. "Das entspricht einem Anstieg von fast 40 Prozent innerhalb eines Jahres“, so Kindall. Mit 73 Prozent ist Deutschland einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Pinterest. Zudem wird Pinterest auch bei Männern immer beliebter: "Die Anmeldungen männlicher Nutzer wachsen dreimal schneller als die weiblicher Nutzer", so Kindall. Ein Raunen ging durch die Conference Hall.

Die Dmexco feiert sich

Gelöste Stimmung auch bei den Messe-Machern. Nur wenig später sah man Frank Schneider, Board of Directors der Dmexco, mit seinem 40-köpfigen Team  auf der Bühne der Conference Hall im Konfetti-Regen tanzen. "It was an amazingly succesful Dmexco 2017", so das Fazit seines Kollegen Christian Muche. Schon bei der Eröffnung der Messe hatte Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Köln Messe, den  beiden Dmexco-Machern gratuliert: "Köln avanciert zum digitalen Hotspot in Europa", sagte Böse.

Zu voll, zu laut, zu diffus

Doch auch kritische Stimmen machten die Runde: "Zu voll, zu laut, zu diffus", war ein in den Messehallen in Köln-Deutz oft gehörter Satz.  Dirk Thum, Geschäftsführer der iCrossing GmbH in München, etwa kritisierte, dass die Besucher bei dem Wust an Angeboten längst den Überblick verloren haben. "Das Angebot der Dmexco wird immer diffuser. Und für den Besucher bleibt am Ende des Tages nichts hängen", so Thun. Nur die Unternehmensberater, denen es gelingt, aus dem Überangebot an Informationen und Vorträgen, wirklich Wichtiges herauszufiltern, dürften profitieren. 

Die nackten Zahlen sprechen für sich: über 1.100 Aussteller, mehr als 570 Speaker sowie 40.700 Fachbesucher. "Die digitale Wirtschaft ist Treiber für die digitale Transformation – und die Dmexco bildet dieses Bild ab", so Christian Muche, Board of Directors der Dmexco.

Sorgen um den Mittelstand

Matthias Wahl, Präsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), blieb bei aller Euphorie angesichts der Wachstumszahlen in der digitalen Wirtschaft auf dem Teppich. Das Tempo der Transformation nehme immer stärker zu und nicht jeder komme da mit, so Wahl. Der BVDW-Präsident mache sich Sorgen um den Mittelstand in Deutschland, der bis zu 98 Prozent des deutschen Erfolgs ausmacht. "Das Geschäftsmodell vieler Mittelständler lässt sich in der Digitalisierung vielfach nicht mehr abbilden", so Wahl.  Zudem müsse die IT-Infrastruktur deutlich verbessert werden.

Mega-Programm in Köln

Mehr als 570 Speaker präsentieren in den zwei Tagen Insights aus der Digitalwirtschaft. Auch große Namen waren dabei: etwa Sheryl Sandberg von Facebook und Jack Dorsey von Twitter. Oder auch Chris Curtin, Chief Marketing Officer von Visa, für den in einer digitalen Welt das Motto „working smart statt working hard  das Gebot der Stunde ist“. Auch dabei: Jean- Marc Pailhol, Head of Group Market Management, & Distribution der Allianz. Der Manager zeigte sich davon überzeugt, dass Kreativität im Marketing nach wie vor das wichtigste Asset ist: "Im Marketing brauchen Sie gute Ideen. Das ist wichtiger als Geld", sagte Pailhol. Julia Jäkel, CEO von Gruner+Jahr in Hamburg, meinte, dass die "Sehnsucht nach seriösen Umfeldern gestiegen ist". Die Verlagsmanagerin setzt weiter auf hochwertigen Journalismus: "Wir sind und bleiben ein Verlag  und keine Content-Marketing-Bude", so Jäkel.

Von Virtual Reality, 3D-Druck  und Künstlicher Intelligenz

Neben Virtual Reality, 3D-Druck  und Video ist auch Artificial Intelligence (AI) ein wichtiges Thema im Konferenz-Programm, dessen Motto in diesem Jahr "Lightning the Age of Transformation“ lautet. Nicht ohne Grund entwickelt sich AI gerade zu einem der führenden Wirtschaftsthemen, denn AI ermöglicht personalisierte Werbung, individualisierten Content und automatisierte Prozesse, die das digitale Marketing grundlegend ändern werden. Darüber haben etwa Beck Kloss (Ebay) und Jordan Bitterman (IBM Watson Content) gesprochen. Über die wachsende Bedeutung von AI für die Markenkommunikation informierte unter anderem Shiseido-CDO Alessio Rossi.

Die nächste Dmexco findet am 12. und 13. September 2018 in Köln statt.

 

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Schlagworte zum Thema:  Digitales Marketing, Digitale Wirtschaft, Online-Marketing, Marketing

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