Für viele kleinere Unternehmen ist alles Digitale tatsächlich eher Neuland. Bild: Corbis

Digitalisierung und alles, was damit zusammenhängt, bestimmt die aktuellen Debatten. Die digitale Herausforderung gilt auch für kleine Unternehmen, schließlich geht es um ihre Zukunft in einem hart umkämpften Markt. Doch wie digital sind kleine Unternehmen, wie viel Digitales steckt in ihrem Marketing? Und sind sie damit zukunftsfähig?

Es gibt insgesamt rund 125 Millionen kleine Unternehmen auf der Welt, von denen 33 Millionen in Europa ihren Standort haben. Hier werden jährlich circa 3,3 Millionen Unternehmen neu gegründet. Diese Unternehmen weisen große Unterschiede hinsichtlich ihres digitalen Reifegrads auf: So sind im Start-up-Bereich vor allem Digital Natives vertreten, die das Internet förmlich atmen, wohingegen bei klassischen Kleinunternehmen und Gründern noch viel digitale Entwicklungsarbeit notwendig ist. 

Die meisten Kleinunternehmen erkennen zwar, dass die digitale Transformation wichtig ist, verfolgen diese jedoch nur sehr schleppend: entweder realisieren sie nicht die Tragweite des Wandels für den eigenen Geschäftserfolg oder ihnen fehlen die finanziellen, personellen und strukturellen Mittel, um ihre Digitalisierung voranzutreiben. Entsprechend setzen sie eher bei kleinen Digitalisierungsprojekten an. Nur sieben Prozent bringen ihr Geschäft schwerpunktmäßig online voran und 69 Prozent nutzen dafür die eigenen Büro- oder Ladenräume. Eine eigene Unternehmenswebseite besitzen 60 Prozent, die jedoch lediglich von zehn Prozent kontinuierlich gepflegt wird.

Kleinunternehmen brauchen Entwicklungshilfe bei der Digitalisierung

Eine Studie von 1&1 hat die Gruppe der Kleinunternehmen in Deutschland genauer beleuchtet. Den größten Anteil bilden männliche, etablierte sowie erfahrene Unternehmer, die über 50 Jahre alt sind und nicht mehr als drei Mitarbeiter beschäftigen. Sie sind innerhalb eines breiten Spektrums von Wirtschaftszweigen tätig, wobei die Mehrheit ihr Unternehmen hauptberuflich betreibt und zwei Drittel von ihnen es selbst gegründet hat. 60 Prozent dieser Unternehmen sind schon über zehn Jahre aktiv, mit einem jährlichen Umsatz von bis zu 300.000 Euro.

Die Gründe für ihren wirtschaftlichen Erfolg sehen die Kleinunternehmer noch immer hauptsächlich in der Offline-Welt: Mit 95 Prozent sind sich fast alle einig, dass dieser in der hohen Qualität ihrer Arbeit begründet liegt. Nur 40 Prozent führen den Unternehmenserfolg auf die eigene Internetpräsenz oder Online-Suche zurück, dasselbe gilt für Marketingmittel. Die Kundenakquise erfolgt mit 77 Prozent hauptsächlich durch direkte Weiterempfehlung, die Homepage (43 Prozent) oder Direktansprache (39 Prozent). Ihr Marketingbudget setzen die Befragten zu 60 Prozent für Aufgaben wie Neukundengewinnung und das Einholen von Feedback sowie den Eintrag in Online-Branchenverzeichnisse ein.

Zu den wichtigsten Kommunikationsmaßnahmen gehören aus Sicht der meisten eine professionelle Unternehmenswebseite (54 Prozent), das Informieren der Kunden (48 Prozent) und das Schalten von Werbung über Suchmaschinen (31 Prozent). Um sich ganz dem Kerngeschäft widmen zu können, greifen sie fürs Online-Marketing auf externe Unterstützung zurück oder nutzen Softwarelösungen. Insbesondere für die Gestaltung der Website holen sich die Kleinunternehmer Hilfe von außen (38 Prozent). Knapp ein Drittel (31 Prozent) lagert die Verwaltung/Pflege von Kundendaten aus, für 17 Prozent übernehmen externe Dienstleister oder eine Software die Suchmaschinenwerbung.

Digitale Buchhaltung und CRM wichtiger als digitales Marketing

Insgesamt erachten die Befragten Investitionen in digitale Verwaltungslösungen für die Buchhaltung oder das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) jedoch als wichtiger als digitale Marketingmaßnahmen.

Dies zeigt zwar, dass ein Umdenken hin zum Digitalen in Ansätzen vorhanden ist. Dennoch verlassen sich die Kleinunternehmen immer noch vor allem darauf, dass die Kunden ihre gute Arbeit weiterempfehlen. Was derzeit noch als Marketingmaßnahme zum Erhalt ihrer Geschäftstätigkeit funktionieren mag, wird mittel- bis langfristig allerdings nicht ausreichen, um zukunftsfähig zu bleiben. Denn die Konkurrenz aus dem Internet nimmt zu, nachwachsende Generationen nutzen dieses selbstverständlich dafür, ihr Geschäft anzukurbeln. Gleichzeitig hat sich das Verbraucherverhalten gewandelt – das Internet ist erste Anlaufstelle für die Recherche nach Produkten oder Dienstleistungen. 

4 Schritte in die digitale Welt

Was können Kleinunternehmen tun, um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten? Wo setzen sie am besten an? Diese Tipps helfen bei den ersten Schritten in die digitale Welt:

1. Impulse der jüngeren Generation nutzen

Großes Potenzial für die Digitalisierung bei Kleinunternehmen birgt die nachfolgende Generation im eigenen Unternehmen. Sie ist mit dem Internet und neuen Technologien aufgewachsen und sollte unbedingt mit einbezogen werden, um Anknüpfungspunkte zwischen der Offline- und Online-Welt zu finden und die digitale Transformation voranzutreiben.

2. Beliebte Offline-Formate ins Internet übertragen

Online gefunden werden ist heutzutage ein Muss für jedes Unternehmen. Gängige Formate, die Unternehmen aus der Offline-Geschäftswelt kennen, können sie leicht ins Digitale übertragen: So funktioniert der Eintrag in Online-Branchenverzeichnisse ähnlich wie eine Visitenkarte – die wichtigsten Kontaktinformationen sind schnell ersichtlich. Mit einer eigenen Website kann ein Unternehmen – ähnlich wie in einer Broschüre – hervorragend seine Produkte oder Serviceleistungen ausführlicher präsentieren. Hervorragend eignen sich hierfür Do-it-Yourself-Lösungen, mit denen einfach und ohne (technische) Vorkenntnisse eine professionelle Webseite erstellt werden kann. Diese verfügen zum Beispiel über branchenorientierte Bilder- und Textvorschläge. Zudem sind sie strukturell so angelegt, dass die Webseite die bestmögliche Position in den Suchmaschinenergebnissen, etwa von Google, erhält. Die Nutzer können diese vorgegebenen Seitenstrukturen mit entsprechenden Schlüsselbegriffen zusätzlich ergänzen, um die hohe Listung in den Suchergebnissen positiv zu beeinflussen.

3. Ein Auge auf Weiterempfehlungen im Netz haben

Ein Unternehmen lebt von seiner guten Reputation – positive Weiterempfehlungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich andere Kunden mit einem Unternehmen und dessen Angebot beschäftigen. Für Weiterempfehlungen wird zunehmend auch das Internet genutzt. Daher ist es wichtig, Online-Bewertungen im Blick zu behalten und mit den Kunden in den Dialog zu treten. Hierfür gibt es Tools, die es ermöglichen, Kundenbewertungen in sozialen Netzwerken und Online-Verzeichnissen zu verfolgen und auch zu kommentieren.

4. Für Fortgeschrittene: SEA

Um eine prominentere Platzierung in den Suchmaschinenergebnissen zu erzielen, lassen sich zusätzlich bei der Suchmaschinensuche bereits mit wenig Budget Werbeanzeigen mit Schlüsselbegriffen der eigenen Marke verknüpfen (Search Engine Advertising, SEA). Gezahlt wird nur dann, wenn Nutzer auf die Werbung klicken. Das schafft zusätzliche Online-Sichtbarkeit.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Kleinunternehmen, Empfehlungsmarketing, Search Engine Marketing

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