06.11.2015 | Wirtschaftsindex

Digitalisierung: Deutschland bleibt im Mittelmaß stecken

Einzig die IKT-Wirtschaft erreicht mit 66 Indexpunkten den höchst möglichen Digitalisierungsgrad.
Bild: Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Die deutsche Wirtschaft muss bei der Digitalisierung deutlich an Tempo zulegen. Das geht aus einer groß angelegten Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor. Hier lesen Sie die wichtigsten Zahlen und die Gründe für die Misere.

Laut dem Wirtschaftsindex Digital, den TNS Infratest und das ZEW im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im "Monitoring Report Wirtschaft DIGITAL 2015" veröffentlicht haben, erreicht Deutschland beim Digitalisierungsgrad seiner gewerblichen Wirtschaft gerade einmal 49 von 100 möglichen Indexpunkten. Für 2020 prognostizieren die befragten Unternehmen der Wirtschaft einen verhaltenen Anstieg auf 56 Punkte. Der Index misst den Grad der Digitalisierung der Geschäftsabläufe, der unternehmensinternen Prozesse und die Nutzungsintensität neuer digitaler Technologien und Services.

Einzig die IKT-Wirtschaft erreicht mit 66 Indexpunkten den höchst möglichen Digitalisierungsgrad und ist damit Vorreiter der digitalen Transformation in Deutschland. Prognostiziert wird diesem Wirtschaftsbereich für 2020 ein Wert von 71 Punkten. Durchschnittlich digitalisiert zeigt sich mit 50 Indexpunkten derzeit der Handel. Prognostiziert wird ihm eine Verbesserung um sechs Punkte.

Die Digitalisierung in den Branchen

Der Maschinenbau, derzeit mit 39 Punkten noch unterdurchschnittlich digitalisiert, legt ein besonders hohes Digitalisierungstempo an den Tag. Er soll 2020 in die nächst höhere Digitalisierungsdimension aufsteigen (dann: 51 Punkte).

Im Standortindex DIGITAL verliert Deutschland im internationalen 10-Ländervergleich führender digitaler Wirtschaften mit 53 von 100 möglichen Indexpunkten gegenüber dem Vorjahr gar an Boden. Danach kommt Deutschland nur noch auf den sechsten Platz. Die USA bleiben mit 80 Punkten mit deutlichem Abstand Spitzenreiter vor Südkorea (66 Punkte) und Großbritannien (57 Punkte). Mit 55 Indexpunkten gelingt China nun der Sprung auf Rang 4.

Als mit Abstand deutlichste Schwäche Deutschlands wurde von den Forschern der Fachkräftemangel ausgemacht. Allerdings stehen die USA und China vor einem ähnlichen Problem. Ebenfalls klar verbesserungswürdig: die Netzinfrastruktur. Außerdem wird bemängelt, dass die digitale Wirtschaft auf relevante Entwicklungen hierzulande eher wenig Einfluss nehmen kann.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Internet der Dinge, Mittelstand, Online-Marketing

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