26.11.2014 | Digitale Arbeitswelten

Fachkräftemangel verändert HR-Strategien

Wie kommen Unternehmen an die richtigen Mitarbeiter? Und wie können sie sie halten? Das unter sucht eine neue Studie.
Bild: www.f1online.de

Unternehmen, nicht nur die der digitalen Wirtschaft, klagen über Fachkräftemangel. Die Digitalisierung verändert insgesamt das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitsgebern, Recruiting wird anspruchsvoller. Die HR-Abteilung müsse sich deshalb strategisch zum Chief Change Officer weiterentwickeln, lautet eine These einer Studie von SAP und dem Thinktank 2bahead.

Egal, ob Realität oder Mythos: Der Fachkräftemangel bestimmt die Diskussion in der digitalen Wirtschaft. Genauso wie die Suche nach neuen, den Bedürfnissen einer digitalen Arbeitswelt angepassten Arbeitsmodellen – erinnert sei an Microsofts Experiment des Überall-Arbeitens.

Personalentwicklung wird Teil der Führungsarbeit

Was heißt das für die Personalarbeit der Zukunft? Dieser Frage sind SAP und der Thinktank 2bahead in einer Delphi-Studie nachgegangen. Ergebnis: 

1. Die befragten Experten gehen davon aus, dass sich das Machtverhältnis zwischen Mitarbeiter und Unternehmen verschiebt. Das HR-Management der Zukunft wird dem Mitarbeiter erklären müssen, warum es für seine persönliche Entwicklung sinnvoll wäre, einen Job bei diesem Unternehmen anzutreten. HR-Verantwortliche werden ihren Vorständen erklären müssen, dass das Unternehmen nicht mehr im Zentrum der Welt steht, sondern "nur" ein passender (oder unpassender) Teil der Persönlichkeitsentwicklung seiner Mitarbeiter ist. 

2. Im Recruiting gibt es keine Zukunft für das Stellenprofil. HR-Management wird zum professionellen Datensammler und -analysten. Dies ist die Basis für ein professionelles Zu- und Abwanderungsmanagement. Zunächst werden bislang wenig genutzte Nischen fokussiert, wie Studien- und Karriereabbrecher, Behinderte und Rentner. Weniger geeignete Kandidaten werden mit Schnell-Qualifizierungen in hochqualifizierte Jobprofile gebracht.

3. Personalentwicklung wird vor allem zur Aufgabe der Führungskräfte. Diese müssen als Coaches die persönliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter zum Ziel haben, selbst wenn sie den Mitarbeiter "aus dem Unternehmen heraus entwickeln". Um dabei den Kontakt zu Mitarbeitern zu halten, wird ein temporäres Verleihen oder Vermieten von Mitarbeitern zu anderen Arbeitgebern einsetzen. Zentrales Gestaltungsmittel der Führungskraft ist ein persönliches Netzwerk außerhalb des Unternehmens.

4. Personaldienstleister werden zu 360°-Dienstleistern. Sie werden zu lebenslangen, persönlichen Managern der Mitarbeiter, so wie wir es aus der Welt des Profifußballs kennen. Unternehmen werden interne Headhunter auch im Wettstreit zwischen Fachabteilungen. So erzeugen sie Bindungen und können die Abhängigkeiten zu externen Personaldienstleistern verhindern. HR-Abteilungen und Personaldienstleister werden die gleiche Software oder entsprechende Schnittstellen nutzen.

5. Die HR-Abteilung der Zukunft sichert sich die strategische Funktion des Chief Change Officers. Bisherige Serviceaufgaben werden durch eine starke Vernetzung der internen und externen Softwaresysteme sowie Self-Service-Systeme übernommen. Die HR-Abteilung muss sich den Gegebenheiten flexibel anpassen und Vorgehensweise ändern.


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Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Recruiting, Digitale Wirtschaft

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