18.08.2016 | Serie Die Marke ist tot? Es lebe die Marke!

Warum sich trotz digitalem Boom bei den Verpackungen so wenig tut

Serienelemente
Auf die Verpackungsgestaltung hat sich die Digitalisierung bislang wenig ausgewirkt.
Bild: Rewe Group

Die digitale Transformation verändert alle Bereiche der Kommunikation. Wirklich alle? Schaut man sich an, was sich bei der Gestaltung von Verpackungen in den letzten Jahren getan hat, so gibt es hier natürlich Verschiebungen. Aber wenige liegen in der Digitalisierung begründet.

Dies ist durchaus erstaunlich, da man hier zum Beispiel durch die Bestellmöglichkeiten via Netz sehr viel mehr erwarten sollte. Darüber habe ich mit Jens Heise gesprochen, der Geschäftsführer der Hamburger Agentur elbedesigncrew ist. Er sagt dazu: "Letztendlich wird man im Netz, wenn man Produkte oder Leistungen verkaufen möchte, diese so darstellen, indem man die bekannten Verpackungen abbildet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Abbildung der Verpackung auf der Webseite von der im Laden unterscheidet. Dies wäre auch nicht sinnvoll, weil so die Marke nicht konsistent dargestellt würde. Daran kann niemand Interesse haben."

Die Verpackungsgestaltung in der Kritik

Als nächstes hat mich interessiert, welche Veränderungen es denn sonst im Bereich der Verpackungsgestaltung gibt. Vor allem die diversen Verbraucherschutzverbände, viele Medien und auch Interessengruppen äußern sich immer wieder kritisch zu Verpackungen. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass diese zu aufwendig sind; man findet darin zu viel Luft und zu wenig Produkt. Mich interessiert in diesem Zusammenhang, ob diese Empörungswellen auch Auswirkungen auf die tägliche Gestaltung der Verpackung haben. Jens Heise sagt dazu: "Natürlich nehmen auch wir diese Diskussionen wahr. Wir stellen auf der einen Seite fest, dass diesen Themen gerade von den Medien eine starke Bedeutung gegeben wird. Schaut man sich auf der anderen Seite aber an, wie sich die Verbraucher tatsächlich verhalten, so sieht man dort etwas anderes. Für die Konsumenten sind die Marken, aber auch der Preis wichtig. Die Art der Verpackung spielt bei der konkreten Kaufentscheidung nur für eine Minderheit der Käufer eine Rolle. Genau danach richten sich natürlich auch die Hersteller aus. Es gibt natürlich auch Versuche, Lebensmittel ganz ohne Verpackung anzubieten. Die entsprechenden Händler finden Sie besonders in den Metropolen, sie stellen aber eine eindeutige Randerscheinung dar.“

Schaut man sich Verpackungen von Produkten aus den Bereichen Fast Moving Consumer Goods an, so fällt auf, dass diese meist überladen sind. Auch darüber habe ich mit Jens Heise gesprochen. Er sagt dazu: “Die Vorderseiten mancher Produktverpackungen zum Beispiel aus dem Lebensmittelbereich sehen in der Tat aus, wie man dies von deren Rückseiten erwarten sollte; man findet darauf sehr viele Informationen. Dies hat unterschiedliche Ursachen: Zum einen sind die Anbieter aus rechtlichen Gründen gezwungen, Informationen darzustellen. Zum anderen möchten Hersteller häufig darüber informieren, welche inhaltlichen Bestandteile zum Beispiel nicht enthalten sind. Diese und andere Überlegungen führen oft dazu, dass auch die Vorderseiten der Verpackungen gerade von Lebensmitteln vor Informationen strotzen.“

Schlagworte zum Thema:  Handel, E-Commerce, Versandhandel, Marke, Marken-PR, Markenführung, Digitalisierung

Aktuell

Meistgelesen