| Interview mit Tobias Arns

"Social Media ist im Mittelstand angekommen"

"Die Entwicklung nicht verpassen."
Bild: Bitkom

In KMU fehlen häufig Ziele und Verantwortliche für Social Media. Tobias Arns, Bitkom-Bereichsleiter Social Media & Mobile, über den Stand der Entwicklung und die Chancen und Risiken von Crowdsourcing.

acquisa: Herr Arns, sind Social Media im Mittelstand angekommen?
Tobias Arns: Interessanterweise werden soziale Medien quer über alle Unternehmensgrößen eingesetzt. So ergab kürzlich eine unserer Studien, dass Social Media von knapp 50 Prozent aller Unternehmen genutzt werden – egal ob es mehr als 500 oder nur zehn Mitarbeiter hat. Andere Studien kommen übrigens zu einem ähnlichen Ergebnis. Social Media ist also auch im Mittelstand angekommen.

acquisa: Social Media werden oft für Marketing und PR eingesetzt. Welches Potenzial bietet sich außerhalb dieser Bereiche?
Arns: In den Bereichen Marketing, PR und Human Ressources wird es auch künftig die stärkste Social-Media-Durchdringung geben, denn der Aufwand dafür ist gering, Prozesse und Strukturen sind übersichtlicher als etwa in der Produktentwicklung. Andere Einsatzmöglichkeiten wie das Crowdsourcing sind hingegen nicht für jedes Unternehmen praktikabel und müssen individuell ausgelotet werden.

acquisa: Laut Ihrer aktuellen Studie ist Crowdsourcing auch lediglich für 15 Prozent der Unternehmen ein Ziel von Social Media. Bleibt Crowdsourcing ein Nischenthema?
Arns: Für Einzelprojekte funktioniert Crowdsourcing sehr gut, auch im Mittelstand. Aber kein Hersteller wird die komplette Produktentwicklung in die Hände der Kunden legen. Viele Unternehmen haben Angst, durch eine zu starke Öffnung ihr Geschäftsmodell zu gefährden. Es ist eine strategische Frage, bei der Unternehmenskultur und Branche eine große Rolle spielen. Die Projekte sind langfristig angelegt und funktionieren nur bei einer offenen Unternehmenskultur. Reinrassige Crowdsourcing-Produktentwicklungen sind ohnehin selten, da es sich meist um Mischprojekte handelt. Je weniger externen Input man zulässt, desto eher wird es ein Marketingprojekt. Beides lässt sich kaum trennen.

acquisa: Sind in KMU die organisatorischen Voraussetzungen für Social Media überhaupt gegeben?
Arns: Große Unternehmen agieren in Sachen Social Media professioneller, KMU haben hier Nachholbedarf. Während Großunternehmen oft den Vorstand in das Thema einbinden und sehr strukturiert und ernsthaft anpacken, herrschen in vielen KMU eher informelle Strukturen. Die meisten KMU haben beispielsweise keinen Verantwortlichen, der sich um Social Media kümmert, und nur jedes Dritte KMU hat Ziele für sein Social-Media-Engagement definiert.

acquisa: Was muss sich ändern?
Arns: Es müssen vor allem klare Ziele definiert werden. Denn danach richten sich der einzuplanende Aufwand und die nötigen Investitionen in Strukturen und Prozesse. Auch bereits in Social Media aktive KMU müssen zunächst auf strategischer Ebene nachbessern.

acquisa: Aber wer auf diese Weise nachbessert, hat bereits Geld verbrannt. Sollte man nicht besser abwarten, um aus den Fehlern der anderen zu lernen?
Arns: Wer ohne Strategie agiert, verbrennt im schlimmsten Fall Geld. Aber wer abwartet, verpasst eine Entwicklung. Denn wer sich heute von der Konkurrenz überholen lässt, muss später zusehen, dass er wieder an ihr vorbeikommt. Wir raten, sich mit dem Thema zu beschäftigen und dabei auf Partner und Mitbewerber zu schauen. Wer sein gesamtes Geschäftsfeld analysiert, dem wird schnell klar, ob und wie sich Social Media für sein Unternehmen lohnt.

Schlagworte zum Thema:  Mittelstand, Social Media, Online-Marketing

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