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| Interview mit Christian Solmecke

Content Marketing und Recht: "Irrtümer sind immer noch weit verbreitet"

"Die größte Falle liegt im Bereich des Urheber- und Persönlichkeitsrechts."
Bild: WILDE BEUGER SOLMECKE

Content Marketing ist in aller Munde. Denn Werbung ist umso effektiver, je weniger sie von der Zielgruppe als solche wahrgenommen wird. Insofern versuchen Unternehmen, potenzielle Kunden mit einem unmittelbar unterhaltenden oder informativen Mehrwert zu begeistern und Reputation aufzubauen. Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke Rechtsanwälte erklärt im Interview, mit welchen rechtlichen Anforderungen sich das Content Marketing auseinandersetzen muss.

Herr Solmecke, wo liegen die Risiken und Fallen im Content Marketing?

Die größte Falle liegt im Bereich des Urheber- und Persönlichkeitsrechts. Bei der Veröffentlichung von Bildern oder Texten müssen zwingend die Rechte Dritter geachtet werden. Auch bei Bildern von eigenen Veranstaltungen wie Firmenfeiern darf man nicht nachlässig sein. Denn die Abgebildeten haben Persönlichkeitsrechte, die auch dann geachtet werden müssen, wenn diese in einem Anstellungsverhältnis zum bloggenden Unternehmen stehen. Daher ist stets vor der Veröffentlichung deren Einwilligung einzuholen. Hinzu kommen wettbewerbsrechtliche Aspekte bei der Durchführung von Gewinnspielen oder Rabattaktionen.

Können Unternehmen ohne rechtlichen Beistand überhaupt Content Marketing betreiben? Wo und wann sollten sie sich Hilfe ins Haus holen?

Nun ja, theoretisch können Sie sich in alle Problematiken einlesen und selbst für Abhilfe sorgen. Die Schwierigkeit besteht aber darin, alle einzelnen Details zu erfassen. Ein Unternehmen wird mit einem Basiswissen der gängigen Fallstricke schon einen Beitrag ohne vorherige juristische Prüfung veröffentlichen können. Sobald es jedoch darum geht, beispielsweise Gewinnspiele zu veranstalten, ist eine juristische Prüfung schon ratsam, da Abmahnungen von Konkurrenzunternehmen mitunter sehr teuer sein können.

"Der Content sollte möglichst aus der eigenen Feder stammen. Je exklusiver und origineller der Beitrag, desto besser."

Auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte dürften den Content-Anbietern stark zusetzen. Worauf sollten Unternehmen achten?

Unternehmen sollten sich immer die Frage stellen, wer die Urheberrechte an dem Content und den verwendeten Bildern und Videos hat und ob möglicherweise durch die Veröffentlichung irgendwelche Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt werden.

Content-Anbieter haften ja auch für falsche Aussagen, selbst wenn sie diese aus der Presse übernehmen. Wie kann man sich dagegen schützen?

Der Content sollte möglichst aus der eigenen Feder stammen. Je exklusiver und origineller der Beitrag, desto besser. So läuft man auch nicht Gefahr, falsche Informationen zu übernehmen.  

Worauf kommt es bei der Gestaltung eines Unternehmensblogs an?

Zusätzlich zu der oben angesprochenen Problematik der Urheber- und Persönlichkeitsrechte, muss der Blog auch ein rechtmäßiges Impressum aufweisen und die datenschutzrechtlichen Bestimmungen einhalten. Die Nutzung von Google Analytics oder die Einbindung des Facebook Like Buttons sind aus datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten sehr problematisch.

Inwiefern sind Advertorials und Native Advertising Formen des unbemerkten Werbens? Wann ist das zulässig beziehungsweise unzulässig?

Bei beiden Varianten erweckt die Aufmachung den Anschein eines redaktionellen Beitrages, tatsächlich verbirgt sich dahinter aber ein Werbekern. Beide Werbeformen müssen mit den Bezeichnungen "Anzeige" oder "Werbung" versehen werden. Andernfalls handelt es sich um eine unzulässige Schleichwerbung. 

Urheberrechte werden massenhaft verletzt, Content-Anbieter müssen nachsitzen. Sind sich die Content-Anbieter dessen überhaupt bewusst?

Viele Content-Anbieter sind sich dessen nicht bewusst oder haben nur unzureichende Kenntnisse. Gängige Irrtümer, wie beispielsweise, dass es ausreiche, wenn der Urheber unter dem Bild genannt wird, um eine Urheberrechtsverletzung zu verneinen, sind immer noch weit verbreitet. 

Haufe Online Redaktion

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