| Scribble Live kauft Scompler

"Content Marketing ist keine Charity-Veranstaltung"

Mirko Lange ist ab jetzt Vice President Content Strategy von Scribble Live.
Bild: Scompler

Content Marketing: Mirko Lange hat sein Start-up Scompler an den kanadischen Content-Marketing-Softwareanbieter Scribble Live verkauft. Er fungiert nun als Vice President Content Strategy von Scribble Live und soll neben der weltweiten Strategieberatung das Deutschlandgeschäft aufbauen. Wir haben Mirko Lange gefragt, wie er die Zukunft von Content Marketing sieht.

Scompler ist eine Plattform für strategisches Content Marketing. Sie wurde von Mirko Lange entwickelt und ist seit Mitte 2015 am Markt. zu den Kunden gehören unter anderen Deutsche Bahn, Vattenfall, HRS, Zalando oder XXXLutz. Scribble Live gehört nach eigenen Angaben zu den erfolgreichsten Anbietern von spezialisierter Content-Marketing-Software weltweit. Kunden sind in Deutschland vor allem Medienunternehmen und Zeitungen, darunter ARD, RTL, dpa, Spiegel, FAZ oder die Süddeutsche Zeitung.

Scribble Live übernimmt 100 Prozent der Anteile der Scompler GmbH. Mirko Lange erhält im Gegenzug eine Beteiligung an dem aus Toronto stammenden Unternehmen, das mit insgesamt rund 130 Mitarbeitern und mit Büros in San Francisco, New York, London und Dubai international agiert. Lange wird als Vice President Content Strategy bei Scribble Live das internationale Strategieberatungsteam aufbauen.

Operatives Content Marketing vs. strategisches Content Marketing

Wir haben mit Mirko Lange über die Übernahme, vor allem aber über die Zukunft von Content Marketing gesprochen:

Ein Unternehmen gründen und nach wenigen Monaten verkaufen – davon träumen viele. Aber geht das nicht zu schnell? Es ging doch grade erst richtig los …
Der Markt ist schnell. Ich denke, da ist jetzt ein Fenster auf. Das wird aber nicht lange offen bleiben. In den USA stellen sich Unternehmen wie Newscred, Percolate oder Kapost mächtig stark auf. In diesen Markt fließen im Moment zig Millionen Venture Capital. Scompler ist zwar rasant gestartet, und wir haben sicher auch eine einmalige Position in Deutschland – schon weil wir ein deutsches Unternehmen sind. Aber Scribble Live hat uns angesprochen, wir liegen zu 100 Prozent (okay, zu 99 Prozent) strategisch auf einer Linie, und wir bekommen so sehr, sehr viel mehr Kraft. Und ich bin fest davon überzeugt, dass Scribble Live und Scompler zusammen zum "Marktführer" werden – also den Markt anführen, und das meine ich vor allem konzeptionell. Der wirtschaftliche Erfolg ist dann eine Konsequenz davon.


Sie sind jetzt Vice President Content Strategy bei Scribble Live. Was heißt das, "Content Strategy"?
Mal ganz einfach gesagt: Dass man sich genau überlegt, was man sagt, und nicht nur plappert. Der Erfolg von Content Marketing beruht darauf, dass man Nutzen für den Verbraucher schafft. Nur kann es dabei nicht bleiben. Das ist ja keine Charity-Veranstaltung. Der Content muss also auch Nutzen für das Unternehmen schaffen. Und um das sauber auszutarieren, muss man gut nachdenken. Darüber hinaus gibt es heuet so viele Themen und Abteilungen und Formate und Medien und Kanäle, dass die konkrete Ausgestaltung eine sehr komplexe Geschichte ist. Und in der Content-Strategie machen wir uns über all diese Sachen VORHER Gedanken.


Wie geht es weiter mit Content Marketing? Im Moment springt ja auch noch das letzte Unternehmen auf den Zug auf. Aber wo fährt der hin?
Ich glaube, wir müssen zwischen zwei Arten von Content Marketing unterscheiden, die wir heute genau gleich nennen, die aber zwei völlig unterschiedliche Phänomen sind. Da ist einerseits das, was ich "Operatives Content Marketing" nenne. Hier versteht man Content Marketing als eine Marketing-Technik, und das Ziel ist, kurzfristige operative Marketing-Ziele zu erreichen: Traffic, Aufmerksamkeit, Backlinks, Leads, Fans, so etwas eben. Und dann gibt es "Strategisches Content Marketing", das ist eher ein Perspektivenwechsel und ein Umbau der Marketing-Organisation. Hier geht es um langfristige Ziele: Markenführung, Kundenbindung, Thought-Leadership, all sowas. Hier geht es auch darum, aus der Abhängigkeit von Media-Spendings rauszukommen und selbst eine relevante Reichweite aufzubauen. Und in beiden Bereichen wird die Professionalisierung zunehmen. Beides hat seine Berechtigung, mein Herz schlägt eindeutig für das zweite.


Wenn Content Marketing die Antwort auf Reizüberflutung und Werbeverweigerung ist: Erleben wir das Ende klassischer Werbung?
Meine Antwort ist hier ein eindeutiges "Jain". In manchen Bereichen wird klassische Werbung immer noch funktionieren. Es ist auch ganz einfach: Man muss ein bestehendes Interesse des Verbrauchers treffen. Tut man das nicht, funktionieren die Abwehrmechanismen inzwischen zu gut. Die technischen wie Adblocker oder Fernsteuerung ebenso wie die psychologischen: Menschen gelingt es immer besser, Uninteressantes auszublenden. Frei nach dem Berliner Motto: "Ditt würd ick ja noch nich mal ignorieren". Dazu kommt, dass Broadcasting immer weiter abnimmt: Menschen konsumieren Medien zunehmend on demand, und das gilt für Print, Fernsehen und Radio gleichermaßen. Und bei on demand ist eben kein Platz mehr für Unterbrechungen. Trotzdem erfüllt ja klassische Werbung auch ein Interesse. Viele Leute studieren die "Schweinebauchanzeigen", weil sie einfach den günstigsten Preis suchen. Deswegen: Wir haben Informationen "about product", die können wir als klassische Werbung bezeichnen. Und wir haben Informationen "around product", die können wir als Content bezeichnen. Beides hat eine Relevanz. Aber "around product" gibt es eben viel mehr Interessantes.

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