28.11.2016 | Serie Kolumne Alles digital

Snackable Content: Lockstoff für mehr Leser

Serienelemente
Snackable Content: leicht verdaulich sollen Inhalte sein. Aber auch verlockend. Ein Spiegelei reicht da meist nicht.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Content – Inhalte – muss leicht verdaulich sein. Wer seinen Hunger nach Informationen stillen möchte, wird von Medien und Markenunternehmen immer öfter mit Snackable Content versorgt. Kurz, knapp, schnell und möglichst gut sollen die Inhalte qualitative Mehrwerte bieten.

Den kleinen Snack für zwischendurch kennen die Nutzer nur zu gut. In der schnelllebigen Zeit bleiben nur Sekundenbruchteile übrig, damit ein Inhalt die Nutzer begeistern kann. Das fängt schon mit der Überschrift an, führt über das verwendete Bild und mündet in dem Teilen des Inhalts an andere Nutzer. Digitale Umfelder müssen einfach fesseln, mit Leichtigkeit zum Lesen animieren, aber bitte nicht zu lang oder doch so umfangreich sein, dass die Nutzer zu viel ihrer kostbaren Zeit in nur den einen Inhalt investieren.

Spagat zwischen gutem Content und Monetarisierung

Viel zu oft versteckt sich aber hinter vollmundigen Inhalten nur ein fadenscheiniges Konstrukt, um die Nutzer im Web zu umgarnen. Affiliate-Linkportale, SEO-Trickser und Traffic-Junkies versuchen seit langer Zeit ihr Kapital aus knackigen Snackcontent zu schlagen. Sogar die Medienwelt hat mittlerweile die Brücke geschlagen, um von hintergründigen Langformaten zu Snackable Content zu gelangen. Online-Redaktionen wandern im Spagat zwischen guten Inhalten und dem Druck der Monetarisierung. Kurze, nur wenige Momente der Aufmerksamkeit erfordernde Inhalte dienen ihnen dafür, dass Firmen in diesen Umfeldern ihre Werbeinseln optimal positionieren können. Je mehr Werbeausspielungen, desto erfreuter die Markenunternehmen und die Verleger. Wenn es kurze Inhalte gibt, auf denen weitere Inhalte folgen. Denn die Nutzer klicken schon, wenn sie die Inhalte konsumieren wollen. Snackable Content sorgt für Traffic und genau diesen brauchen die Medienhäuser für ihre Vermarktung.

Digitales Content Marketing heißt das Ziel

Natürlich nutzen Redaktionen vermehrt Content Marketing, um ihre Kernkompetenzen der inhaltlichen Führung der Nutzer optimal auszuspielen. Doch neben dem Online-Journalismus dient Snackable Content vor allem dem digitalen Content Marketing bei Unternehmen und ihren Marken, die sich immer häufiger mit Snackable Content helfen. Die wohl wichtigste Eigenschaft der Snacks liegt in der punktierten Bewerbung von Inhalten. Seine Kernbotschaften optimal zu platzieren ist schließlich nicht einfach. Wer Aufmerksamkeit erzeugen kann, liegt meist schon vor dem eigentlichen Kaufimpuls auf der Zielgeraden. Snackable Content verhilft zu einem Plus an Markenbekanntheit, fördert das Markenimage, bringt im Wettkampf um die Meinungsführerschaft Vorteile, sorgt für mehr Kundenzufriedenheit und steigert die Kundenbindung an die Marke.

Snackable Content muss Emotionen wecken

Dieses Vorgehen, weniger auf plakative Werbung zu setzen und an ihrer Stelle subtil-charmante Inhalte zu veröffentlichen, bleibt jedoch nur für manche Marken geeignet und kann für andere gänzlich verkehrt sein. Alles, was nicht relevant ist und Nutzen bringt, wird bei den Nutzern durchfallen. Doch sobald Emotionen geweckt werden, ein Inhalt unterhalten kann und zugleich bedeutsam und faszinierend auf die Nutzer wirkt, haben Marken schon fast gewonnen.

Empfehlenswerte Snacks finden sich für Unternehmen in vielen Situationen und vornehmlich in viralen Momenten. Es kommt nur auf den richtigen Zeitpunkt an, denn sobald die populäre Netzkultur ihre Memes entwickelt, nehmen Inhalte richtig an Fahrt auf: das beeindruckende Fotomotiv der Grumpy Cat und anderer Katzen, der als Gif-Bild oder kurzes Video portraitierte Kopfstoß von Zinédine Zidane bei der Fußball WM 2006, der berüchtigte Blumenkübel von Neuenkirchen, die Überlagerung von Filmszenen aus "Star Wars" oder "Der Untergang" mit aktuellen und meist kritischen Botschaften des Zeitgeschehens. Die Nutzer erfreuen kurzweilige und leicht verständliche Inhalte, denn gerade diese laden unwillkürlich zum Weiterverbreiten der Links in den jeweiligen Social Networks ein. Wenn die Marke es schafft, die digitalen Momente richtig zu nutzen und den perfekten Snackcontent dazu anzubieten, ist das jedoch nur die halbe Miete.

Positive Markeneffekte trotz Verfallsdatum

Natürlich kann das digitale Fast Food die Nutzer begeistern. Wer aber jeden Tag nur auf Snackable Content setzt, wird viele andere Nutzer abblitzen lassen, die sich eben nicht mit der Form des Content Marketings einspannen lassen wollen. Gewiss hat sich das Verhalten der Nutzer verändert, weil sie kaum noch Zeit für die Informationsversorgung aufwenden möchten, also die Beiträge bis zum Ende zu genießen. Egal ob Tweets, Gifs, Instagram-Fotos, Haikus oder Memes, sobald die eigentlichen Inhalte veralten und ihr Verfallsdatum den Zenit erreichen, braucht es neue Informationen, um die Nutzer bei der Laune zu halten.

Der Fisch muss also mitsamt dem Köder dem Kunden schmecken. Doch stinkt er vom Kopf, sollte man besser die Finger davon lassen. Snackable Content muss eher wie ein Lockstoff für die Nutzer wirken, damit sie sich möglichst aus eigenem Antrieb mit den Inhalten des Absenders auseinandersetzen. Finden die Nutzer ein kurzes Video oder ein lustiges Bild gut, bleibt dieser Inhalt in ihrem Gedächtnis. Wenn alles gut läuft, verbinden sie mit der Marke ein positives Echo trotz des Verfallsdatums.
 

Schlagworte zum Thema:  Content, SEO, Content Marketing, Marke, Digital, Digitale Wirtschaft, Digitalisierung

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