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Cebit 2012: Baustelle Plattform

Mit immer schlaueren Geräten und Applikationen (Apps) erhält das Thema Mobility neuen Schub, soziale und 3D-Feature erobern das Marketing, und über allem schwebt die Cloud für alle. Ein Streifzug über die Cebit.

Die Ära des Personal Computer, wie er lange im Mittelpunkt der IT-Welt und auch der ITK-Fachmesse Cebit stand, geht ihrem Ende entgegen – davon ist jedenfalls Telekom-Chef René Obermann überzeugt: „Die Post-PC-Ära hat begonnen“, sagte er auf der weltweit größten Computer- und IT-Messe Cebit in Hannover. So hat das Unternehmen in den eigenen Shops bereits 4.000 PC ausrangiert und durch Cloud-Dienste ersetzt, in den Telekom-Laboren tüftelten Forscher an Cloud-basierten Tablets und Netbooks. Und neben den Cloud-Angeboten für große Unternehmen, steht mit dem Mittelstandportal „Business Marketplace“ ab Mitte des Jahres ein Portfolio für kleine(re) Unternehmen zur Verfügung – dort will der rosa Riese Produkte wie Online-Besprechungsräume, Telefon- oder Videokonferenzen und Lösungen zur Verwaltung von Kunden- oder Finanzdaten offerieren. Last not least folgt die „Consumer-Cloud“.

Unabhängig durch die Cloud

Die Wolke ist in Hannover allgegenwärtig. Kaum ein Unternehmen, das seine Lösungen nicht auch als Cloud-Service anbietet oder dies zumindest plant. Kosten und Skalierbarkeit sind Argumente, aber auch das leidige Problem der verschiedenen technischen Plattformen, Betriebssysteme und Dateiformate findet in der Cloud eine neue Lösung. Deshalb setzt etwa Magix, selbsternannter Marktführer im Bereich Videoschnitt, neuerdings auf eine wolkige Lösung: Die Software hilft wie bisher beim Erstellen, Editieren und Publizieren von Bildern, Filmen und Musik. Anwender können mit Magix Videomaterial aus verschiedenen Quellen in die Cloud laden - dank schier unbegrenztem Speicherplatz werden die Dateien dort automatisch in alle gängigen Formate konvertiert und gespeichert, sodass dem Magix-Videoplayer in jeder Umgebung die richtige Datei zur Verfügung steht. Das Design kann konfiguriert werden, der Player erkennt und berücksichtigt die jeweils vorhandene Internetverbindung und erzeugt bei Bedarf Untertitel in verschiedenen Sprachen. Die User-Verwaltung enthält zudem ein rollenbasiertes Rechte-Management, das Positiv- und Negativlisten umsetzen  kann.

Mit dem Argument der Plattformneutralität will auch Air CRM bei potenziellen Kunden punkten: Das Regensburger Start-up hat eine CRM-Lösung für die Nutzung in der Cloud für Firmen bis 400 Mitarbeiter entwickelt, die sowohl im Hinblick auf Server als auch bei Nutzern, Clients und Endgeräten universell einsetzbar ist. „Mac-User haben beim CRM relativ wenig Optionen“, sagt Geschäftsführer Felix Schülke, der aus dem Entwicklungsumfeld Adobe Air kommt. Das System ist modular aufgebaut und verfügt über einen Offline-Client für das Arbeiten im Off. „Vertriebsmitarbeiter haben in Hochgeschwindigkeitszügen oder abgelegenen Regionen nicht immer Internet, der Offline-Modus kehrt zurück“, davon ist Schülke überzeugt.

Offline im Trend

Selbst auf einschlägigen auf Großveranstaltungen wie der Cebit ist das WLAN angesichts der massenhaften Nachfrage nur eingeschränkt verfügbar – Ausgangssituation für die Geschäftsidee des Start-ups „ID-enter“ um Torsten Jensen, der mit „ID-enter“ das haptische „Liken“ erfunden hat: Besucher realer Veranstaltungen sollen mit einem sendefähigen Gadget, zum Beispiel einem Stempel, signalisieren, dass Ihnen ein Aussteller gefällt – per Stempel am Stand löst der Sympathisant das Posten eines bestimmten Online-Contents auf der Pinnwand seines sozialen Online-Netzwerks aus – den Content definiert der Aussteller, die Nutzer entscheiden selbst bei der Registrierung, welche Informationen sie preisgeben. Die anfallenden Daten können sowohl vom Veranstalter als auch vom einzelnen Aussteller selbst ausgewertet werden.  Mittelfristig soll die Rolle des Stempels ein Smartphone übernehmen.

Die Welt der Apps wird dreidimensional

Mobility ist ein weiteres Schlüsselthema der diesjährigen Cebit. Immer mehr Menschen nutzen ihre mobilen Geräte für den Job, sie gewöhnen sich an Apps und wollen diese auch beruflich nutzen – eine Entwicklung, die derzeit eine Art Goldrausch im „Mobile Device Management“ erzeugt. Denn die kleinen, schlauen Begleiter gehen leicht verloren – und mit ihnen wertvolle Informationen. „Unternehmen müssen eine Strategie dafür entwickeln, wie sie die Abwanderung von Daten über mobile Devices verhindern“, sagt René Sparmann, Solution Architect for Workplace Services bei IBM, die seit Ende Januar eine Plattform zur Entwicklung von Apps verkauft und als Cloud-Service vermarktet.

Unterdessen entwickeln IT-Tüftler und Gründer immer neue Anwendungen für  Marketing und Firmenpräsentationen für interaktive Displays zwischen sieben und 52 Zoll. Aneo Systems hat sich zum Bespiel das Thema 3D-Sales auf die Fahren geschrieben: Das Spin-off des Banken-IT-Anbieters Novedia entwickelt interaktive Verkaufssysteme mit dreidimensionalen Displays, die den faszinierenden Effekt ohne Brille erzeugen.

Der Klassiker ist ein intelligenter PoS-Terminal mit Rendering-Engine. Die Software generiert laufend 3D-Objekte, die der Zuschauer per Fernbedienung steuern kann – so lässt sich ein neuer Automobiltyp nicht nur von allen Seiten und innen betrachten, man kann auch die Türen öffnen oder die Farbe ändern. „Das ist ein starker Eye-Catcher“, sagt CEO Jan Steinkraus, „so schnell und interaktiv ging das noch nie.“ Zum Sortiment gehört außerdem eine iPad-App für Firmenpräsentationen mit Warenkorb, E-Mail-Versand und QR-Code-Integration.

Marketing von morgen

Einen Blick in das mobile Leben der Zukunft verspricht der GFT- Gemeinschaftsstand „Code_n“ in Halle 16: In avantgardistischem Ambiente und in jeder Hinsicht schrägem Design zeigen 50 Start-ups neue Ideen und Produkte. Die App-Schmiede Daubit um Geschäftsführer Roman Engel programmiert und entwickelt Anwendungen für die Betriebssysteme iOS und Android, und nutzt Augmented Reality-Technologien zur Darstellung von 3D-Objekten ohne initiierende QR-Code: Das System „erkennt“ reale Objekte anhand von 25 Punkten, ruft sie aus einer Datenbank ab und macht sie von allen Seiten sichtbar. In Verbindung mit dem Nachrichtendienst (PNS) von Apple kann die Lösung „Notee“ sogar Nachrichten oder 3D-Bilder direkt auf die mobilen Displays ihrer Abonnenten versenden.

Nur ein paar Schritte weiter führt der Finne Annti Pasila vor, wie man ganz normalen redaktionellen Content in einen Online-Shop verwandelt. Wer auf einer Magazin-Seite seinen Lieblingshut entdeckt, klickt einfach drauf – und dank „Kiosked“ öffnet sich ein Pop-up-Fenster mit Link zum passenden Online-Shop. „Wir haben bisher zehn Millionen Produkte, tausend Marken und hunderte von Shops auf unserer Plattform“, erzählt CEO Pasila. Für Dienstleistungen oder Produkte ohne eigene Abbildungen gibt es eine Bilddatenbank, wobei auch Videos eingebunden werden können. Blogger können sich ebenfalls bei Kiosked registrieren. In Deutschland ist der Dienst ab Mai zu haben.

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