10.05.2016 | Serie The Future of Marketing

Bargeld: Haste noch nen Euro?

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Die Diskussion über das Bargeld ist in vollem Gange.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Konsum wird digitaler und er soll es auch werden, schließlich soll die digitale Wirtschaft weiter aufblühen. Warum also nicht auch mehr (bargeldloses) Payment? An dieser Frage scheiden sich derzeit die Geister – und das überraschend stark.

Ungeachtet vieler Möglichkeiten, ihre Einkäufe mit elektronischen Bankkarten oder auch digitalen Geldbörsen zu erledigen, bezahlen viele Bundesbürger laut einer Studie von Nordlight Research im Alltag weiterhin lieber mit Bargeld. Und nur jeder Dritte kann sich vorstellen, in Zukunft ganz auf Bargeld zu verzichten.

Was bisher eher eine Ewig-grüßt-das-Murmeltier-Meldung für Payment-Experten oder den Handel war, ist nun zu einer öffentlichen Diskussion geworden, seit einige EU-Finanz­minister vorgeschlagen haben, über eine Obergrenze für Barzahlungen nachzudenken, die es andernorts bereits gibt. Die Maßnahme soll Schwarzarbeit und Geldwäsche eindämmen. Die Jahre des 500-Euro-Scheins sind sogar bereits gezählt. Es steht sogar die vage Idee im Raum, das Bargeld ganz abzuschaffen.

Der allgemeine Aufschrei seitens der traditionell bargeldliebenden Bundesbürger verwundert angesichts der oben genannten und vieler weiterer Studien mit dem gleichen Ergebnis nicht. Der Aufschrei mancher Unternehmen und Medien hingegen sehr, war doch bisher immer der Eindruck entstanden, im Sinne der digitalen Wirtschaft könne es nicht schnell genug gehen mit Mobile Payment und Co. Überall wird Big Data zurecht als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Fersen der Digitalisierung beschworen, aber beim Bargeld hört der Spaß offensichtlich auf. Als ob niemand sich klar gemacht hätte, dass Mobile Payment bargeldlos bedeutet. Und nun ist plötzlich alles anders und alle reden von der (persönlichen) Freiheit. Vor allem die Händler.

Der Umgang mit Bargeld ist teuer

Dabei ist der Umgang mit Bargeld für Unternehmen ein teurer und komplizierter Spaß. Aus Effizienzgesichtspunkten wäre es also bedeutend besser, nicht mit Bargeld umgehen zu müssen. Auch die Banken würden sich freuen, weil sie keine Geldautomaten mehr vorhalten oder Berge von Münzen verarbeiten müssten.
Jeglicher Geldfluss würde dann digital abgewickelt. Wobei die Betonung auf "jeglicher" liegt, nicht auf "digital". Denn diesen Ansatz würden die Steuerbehörden sicherlich begrüßen. So viel Transparenz wäre neu.

Und ein paar andere – allen voran die Payment-Dienstleister, aber vielleicht ja auch die Krankenkassen – freuen sich gleich mit über die Erkenntnisse, aus denen sie weiter an ihrem Bild des gläsernen Kunden bauen können.

Und für die vom Silicon Valley (vor sich her) getriebene Wirtschaft ist Bargeld sowieso eine Anachronismus. Schließlich soll man ja am besten alles im Netz kaufen. Wozu Bargeld dann noch gut sein soll, lässt digital orientierte Menschen schon länger am Verstand der deutschen Bargeld-Enthusiasten zweifeln.

Finanzexperten sehen entsprechend das Smartphone, einer Bitkom-Umfrage zufolge, als Zahlungsmittel in zehn Jahren vor dem Bargeld. Lediglich EC- und Kreditkartenzahlung werden nach Einschätzung der befragten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder von Finanzunternehmen auch dann noch vor der Zahlung per Smartphone liegen. Würden viele deutsche Händler mit dem Kundenbeziehungs- beziehungsweise Datenmanagement nicht so auf Kriegsfuß stehen, könnte mehr digitales Payment eine positive Aussicht sein. So bleibt es einstweilen beim Klein(geld)klein.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, E-Commerce, Payment, Handel, Finanzwirtschaft, Big Data, Online-Marketing, Social Media, Mobile Marketing

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