10.02.2015 | Finance

Viele Banken fühlen sich durch digitale Wettbewerber bedroht

Viele Finanzdienstleister kommen heute aus dem Internet.
Bild: Haufe Online Redaktion

Banken sehen ihr Geschäft durch Wettbewerber aus dem Internet immer stärker bedroht, insbesondere im Privatkundengeschäft. Dies geht aus dem "Branchenkompass Banken 2014" von Sopra Steria Consulting hervor. Als besonders große Herausforderung werden mobile sowie Internetbezahlsysteme angesehen.

Die Banken sehen eine zunehmende Gefahr durch Konkurrenten aus der digitalen Welt. Nur acht Prozent nehmen aktuell keine Bedrohung durch branchenfremde Wettbewerber wahr. Dementsprechend fühlen sich 92 Prozent der Bankentscheider durch neue Anbieter in ihrem Kerngeschäft bedroht. 2012 waren dies mit 83 Prozent noch deutlich weniger. "Besonders starken Wettbewerb erleben die Bankentscheider durch Internetbezahlsysteme", erklärt Dirk Lamprecht, Bankenexperte bei Sopra Steria Consulting. "In diesem Bereich hat sich die Situation deutlich verschärft." Während noch vor zwei Jahren 57 Prozent mit wachsender Konkurrenz durch Zahlungssysteme im Internet rechneten, liegt der Anteil heute bei 80 Prozent.

Von Internetunternehmen wie Facebook, Google, Amazon oder neuen Fintechs erwarten mehr als zwei Drittel der Banken erstarkenden Wettbewerb. Besonders Banken mit Privatkundenschwerpunkt sehen sich betroffen (75 Prozent). Zusätzlich wächst aus Sicht der befragten Bankentscheider die Bedrohung durch Wettbewerber aus dem Mobile Payment. 60 Prozent der Banken sehen hier eine ernsthafte Gefahr. Steigende Konkurrenz um die Hoheit über den Kundenkontakt nehmen auch 58 Prozent der Banken aus Richtung der übergreifenden Banking-Portale wahr. Insbesondere Österreichs Banken sind hier vorsichtig (80 Prozent).

In diesem schwierigen Marktumfeld setzen die Banken auf Kompetenzen, die ihnen Branchenfremde nicht so schnell streitig machen können, wie die Finanzberatung. 59 Prozent der befragten Banken planen Projekte, um die Beratung der Privatkunden weiter zu stärken. So investieren Sparkassen und Genossenschaftsbanken überdurchschnittlich häufig in Beratung (Privatkundenberatung: 77 bzw. 66 Prozent; Firmenkundenberatung: 74 bzw. 63 Prozent). Bei den österreichischen Banken stehen momentan andere Themen, wie Wertpapiergeschäft und Vermögensverwaltung, stärker im Vordergrund.

Die Finanzberatung ist aber nur ein Hebel im Wettbewerb gegenüber Onlineanbietern. "Klassische Finanzinstitute profitieren auch von einem Vorsprung beim Vertrauen der Kunden in puncto Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualität des Zahlungsverkehrs, den sie weiter ausbauen sollten", ergänzt Dirk Lamprecht. "Da auf absehbare Zeit beide Geschäftsmodelle erfolgreich sein werden, sollten sie auch die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs vorantreiben und bei Bedarf mit Drittanbietern zusammenarbeiten."

Für den "Branchenkompass Banken 2014" wurden im Herbst 2014 gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Forsa Entscheider aus 100 deutschen und 20 österreichischen Finanzinstituten zu den Branchentrends sowie ihren Strategien und Investitionszielen bis 2017 befragt.

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Schlagworte zum Thema:  Payment, Finanzwirtschaft, Vertrieb, Kundenservice, Kundenbindung

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