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30.03.2016 | Serie The Future of Marketing

Ambient Assisted Living: Das Internet der Hilfe

Serienelemente
Moderne Technik hält Einzug in immer mehr Haushalte. Sie kann zur konkreten Hilfe werden.
Bild: Corbis

Diesmal hat unser Zukunftsausblick nicht direkt etwas mit Marketing zu tun, aber mit dem Internet der Dinge und Smart Home. Ambient Assisted Living kann nicht nur die Lebenswelt alter und/oder pflegebedürftiger Menschen entscheidend verändern.

Noch klingt es ein bisschen wie Zukunftsmusik, doch früher oder später wird es kommen: Ambient Assisted Living (AAL) steht laut "Fraunhofer-Allianz Ambient Assisted Living" für intelligente (häusliche) Umgebungen, die sich selbständig, aktiv und situationsspezifisch den Bedürfnissen und Zielen des Benutzers anpassen, um ihn im täglichen Leben zu unterstützen. Solche intelligenten Assistenzsysteme sollen insbesondere älteren, behinderten und pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, selbstbestimmt in einer privaten Umgebung zu leben. Darüber hinaus könnten AAL-Systeme die Überwachung von Kranken und Demenzkranken in Einrichtungen erleichtern.

Dazu werden Konzepte, Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die Gegenstände, Räume und das soziale Umfeld der Nutzer miteinander vernetzen sollen. Eine zentale Rolle soll bei AAL natürlich die digitale Technik spielen. Sie soll vermindertes Leistungsvermögen zu kompensiern helfen und gleichzeitig durch neue Möglichkeiten das Leben der Anwender bereichern (zum Beispiel durch geistige Aktivierung mittels Serious Games).

Ambient Assisted Living beinhaltet viele Bereiche

Unter AAL fallen eine ganze Reihe von Aspekten, die bisher eher separat gedacht und betrachtet wurden: (Tele-)Medizin, Pflege, Haustechnik, Sicherheit, Kommunikation et cetera. So könnte AAL mittels Bodensensoren erkennen, ob eine Person gestürzt ist – in der Zielgruppe von sehr hoher Relevanz. Durch die Integration von Messsensorik in weitere Alltagsgegenstände könnte zudem die regelmäßige Erfassung von Vitalwerten (Puls, Blutsauerstoff und ähnliches) der Patienten quasi en passant erfolgen, ohne dass diese selbst aktiv tätig werden müssten. Abweichungen von den Nomalwerten der Person ­sollen so identifiziert und dadurch ein Beitrag zur Gesundheitsvorsorge von vor allem älteren Menschen geleistet werden. Wearables wie zum Beispiel Smartwatches sind als autarke Alternativen zu den bisher genutzten Hausnotrufsystemem denkbar, auch über den akuten Notfall hinaus. Ebenfalls ein Anwendungs­szenario aus dem medizinischen Bereich: Die Erinnerung an die pünktliche Einnahme von Medikamenten in der richtigen Menge.

Eher im Bereich der Haustechnik angesiedelt sind AAL-Funktionen wie eine automatische Herdabschaltung oder die Erfassung der Raumtemperatur, von Hitze oder Rauchentwicklung. Auch die Beleuchtung ließe sich steuern, zum Beispiel per App oder durch Anwesenheitssensoren. Häufig geht es hier also um Routinefunktionen, die leichter automatisiert werden können, weil sie mit den täglichen Gewohnheiten des Nutzers zusammenhängen.

Wesentliche Knackpunkte von Ambient Assisted Living könnten eine fehlende technische Infrastruktur sein oder das Fehlen von tragfähige Geschäftsmodellen für die Anbieter. Das Allerwesentlichste dürfte jedoch, wie bei allen technischen Eingriffen, die Akzeptanz der Nutzer sein. Die Technik muss so einfach wie irgend möglich zu handhaben sein, am besten sie arbeitet autark und unsichtbar. Gleichzeitig müssen ­Datenschutzbedenken und -regeln berücksichtigt werden. Und die Technik sollte natürlich nicht auf Kosten echter sozialer Kontakte gehen. Der Einsatz von Ambient Assistence Living-Technik ist prinzipiell auch in Kindergärten, Büros und anderen Institutionen denkbar.

Haufe Online Redaktion/Markus Singer

Big Data, Digitalisierung, Social Media, Internet der Dinge, Online-Marketing, Mobile Marketing

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