06.03.2013 | Amazon und der Shitstorm

Das geht gar nicht

Wer den Dialog im Social Web verweigert, der muss vom Platz.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

So erfolgreich kann ein Unternehmen gar nicht sein, dass ihm Kritik seiner Kunden egal sein kann. Das gilt auch für Amazon.

So schnell kann es gehen: Eben noch der Liebling der Käufermassen,ist Amazon wegen einer nicht einmal einstündigen Dokumentation in der ARD zum Paria geworden. Auf einmal kündigen Tausende auf Twitter und anderswo an, nie wieder bei dem Unternehmen zu bestellen, Kundenkonten werden öffentlich gekündigt. Kleinstverlage, die keiner kennt, schreiben offene Briefe, dass ihre Produkte nicht mehr von Amazon vertrieben werden sollen.

Und was macht Amazon? Nix. Auf der Fanpage des Versenders gehen minütlich kritische Kommentare ein, und Amazon postet »Liebe Fans, Ihr habt jede Menge Wünsche, aber kein Geld, sie Euch zu erfüllen? Dann habt Ihr jetzt die Chance, einen Gutschein über €10.000,00 oder einen von zehn Gutscheinen über €100,00 zu gewinnen«, mit Link zum Gewinnspiel. Und während sich die Fans und andere Besucher des Profils intensiv über die Vorwürfe unterhalten und sich gegenseitig zu immer neuen Anwürfen animieren, schweigt das Unternehmen.

Kein Social-Media-Manager, der in die Diskussion eingriffe, kein Beitrag, der Stellung nähme zu den Vorwürfen, dass ausländische Leiharbeiter quasi kaserniert und von Security-Leuten drangsaliert in Bad Hersfeld leben müssen.

Glaubt Amazon wirklich, all das einfach aussitzen zu können, obwohl selbst britische Zeitungen und die New York Times das Thema aufgreifen? Natürlich: Bis zur Ausstrahlung der Dokumentation dürften sich die meisten der Kritiker keine Gedanken gemacht haben über Arbeitsbedingungen in den Versandzentren von Amazon. Und die eine oder andere Kritik schießt über das Ziel hinaus. Aber so gar nicht reagieren: Das könnte schmerzhafte Folgen haben.

Social Web heißt Dialog. Hier wäre die Plattform, um über Arbeitsverhältnisse, Bezahlung und Pricing zu reden. Wenn es stimmt, was Amazon Medienvertretern erzählt, nämlich dass das Unternehmen auch ungelernten Kräften mehr zahlt als der DGB als Mindestlohn fordert, dann wäre das ja ein Argument, das Amazon für sich nutzen könnte. Nur reden müsste das Unternehmen endlich. Mitten im Sturm der Kritik aber weiter die geplanten Kampagnen abzufeiern, als wäre nichts geschehen: Das geht gar nicht. Und das muss ein Unternehmen, das unser Geld haben möchte, zu spüren bekommen.

Schlagworte zum Thema:  Kunde, Social Media

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