| Interview mit Philipp Westermeyer

"Abverkauf im Social Web ist nach wie vor schwierig"

"Heute zappt man nicht mehr durchs Fernsehen, sondern durch Youtube", sagt Philipp Westermeyer.
Bild: Hamburg Media School

Kanalattribution und Social Media sind die wichtigsten Fragen im Online-Marketing für dieses Jahr, meint Philipp Westermeyer, Mitorganisator der Konferenz Online Marketing Rockstars in Hamburg. Vor allem, weil das Thema Messbarkeit erst jetzt bei den Unternehmen voll ankommt.

acquisa: Herr Westermeyer, was sind die drei Top-Themen im Online-Marketing für das Jahr 2013?

Philipp Westermeyer: Das sind wohl Kanalattribution, Realtime Bidding und der Dauerbrenner Social Media, insbesondere Youtube.

acquisa: Was wird bei Kanalattribution denn diskutiert?

Westermeyer: Das ist natürlich kein Thema exklusiv für dieses Jahr, es beschäftigt Unternehmen ja schon länger. Nichtsdestoweniger ist es akut, denn viele Unternehmen realisieren erst jetzt richtig, dass das eine wichtige Frage ist. Sie wissen, dass vieles nicht sauber läuft, aber es ist nicht leicht, hier Budgets umzuschichten. Das sind ja zum Teil politische Fragen in den Firmen, wenn es auf einmal heißt: „Lassen wir das mit dem Keyword Advertising, setzen wir mehr auf Banner oder E-Mail-Marketing.“ Denn so ein Shift bedeutet ja auch, dass irgendjemand vielleicht zugeben muss, einen Fehler gemacht zu haben. Zudem kommt das Thema Messbarkeit von Marketingmaßnahmen erst jetzt richtig hoch.

acquisa: Wie sieht das denn aus mit der Messbarkeit? Wen betrifft das, welche Tools gibt es?

Westermeyer: Es gibt eine ganze Palette von Monitoring- und Messtools am Markt, aber im Grunde macht im Moment fast jeder noch seine eigenen Experimente und schaut, was geht und vor allem wie es geht. Das hängt auch mit der Größe des Shops zusammen. Wer unter zehn Millionen Euro online umsetzt, für den ist die intensive Analyse der Customer Journey wahrscheinlich nicht sinnvoll, da reichen in der Regel Instrumente zum Beispiel von Google.  Das ist ja eine Frage des Geldes, das man einsetzt. Ich denke aber, dass jedes Unternehmen mit einem Online-Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro in Richtung Customer Journey und Messen aktiv werden muss. Denn sonst bleibt zu viel Umsatz liegen.

acquisa: Zweites wichtiges Thema ist Social Media. Welche Rolle spielen Social Media für das Marketing? Und geht es Reputation und Service oder harte Themen wie Abverkauf?

Westermeyer: Abverkauf ist nach wie vor schwierig. Es gibt zwar einige erfolgreiche Beispiele wie Fab, die das Social Web zum Abverkauf oder für skalierbares Wachstum nutzen. Aber für den klassischen E-Commerce-Unternehmer ist etwa Facebook nicht das entscheidende Thema. Dennoch: Social Media sind endgültig im Mainstream angekommen, das haben Experten ja seit Jahren prophezeit.  Vielleicht wird Ende dieses Jahres Youtube wichtiger sein als heute – oder Twitter.

acquisa: Womit rechnen Sie, etwa bei Youtube?

Westermeyer: Nun, zum einen gibt es bei Youtube ständig neue, interessante Werbeformen mit einem durchdachten und einfachen Abrechnungssystem, das macht Video Ads sinnvoll. Zum anderen entdecken die 35- bis 49-Jährigen Youtube und andere Videoplattformen jetzt erst für sich. Sie holen nach, was bei Jüngeren schon gang und gäbe ist: Man zappt nicht mehr durchs Fernsehprogramm, sondern klickt sich abends auf der Couch von Link zu Link durch Online-Videos. Das hängt ganz stark mit der Marktdurchdringung der Tablets, vor allem des I-Pad, in dieser Nutzergruppe zusammen.  

acquisa: In wenigen Wochen starten die diesjährigen Online Marketing Rockstars in Hamburg. Worauf können die Besucher sich freuen?

Westermeyer: Wir bieten, glaube ich, eine gute Mischung. Zum einen Unternehmen wie Fab und Zalando, mit einem ganz klaren, transparenten Geschäftsmodell. Auf der anderen Seite haben wir junge Youtube-Heroes, die mit irgendeiner Idee auf Youtube erfolgreich sind und das jetzt monetarisieren und Venture Capital erhalten. Zum Beispiel einen 22-Jährigen, der auf Youtube Mode präsentiert hat. Der bekommt jetzt die neuen H&M-Kollektionen und kann sie im Web vorstellen, bevor sie in die Läden kommen. Weil er zehntausende von Abonnenten für seinen Channel hat. Spannende Geschichten sind das. Und dann bringen wir Leute nach Hamburg, die sehr interessante Sachen machen, die aber kaum jemand kennt. Ein Thema bei uns sind in diesem Jahr die Grauzonen des Online-Marketing: Wie werden Browser infiziert? Wie lassen sich Netzwerke ausspionieren? Dazu forscht ein Professor aus Bochum, der wird uns aufklären über diese kriminellen Machenschaften und zeigen, wie das Ganze vonstatten geht.  Außerdem wird es ein, zwei Überraschungen geben. Mehr wird nicht verraten.

Mehr zu den Online Marketing Rockstars finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Attribution, Social Media, Online-Marketing

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