09.03.2016 | Serie Kolumne Alles digital

5 Fettnäpfchen, die Sie auf Snapchat vermeiden sollten

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Content Marketing auf Snapchat: Coole Sache, wenn man es richtig macht, meint Mike Schnoor.
Bild: Mike Schnoor

Snapchat ist das neue heiße Ding in Social Media. Das Wachstum bei Nutzerzahlen ist enorm, und so langsam entdecken auch die Menschen über 25 Jahren den Dienst. Kein Wunder, dass Unternehmen und Marken sich mit Snapchat beschäftigen. Mike Schnoor erklärt, was Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie dort Erfolg haben wollen.

Snapchat ist in aller Munde. Die Nutzer halten ihr Gesicht bereitwillig in die Kameras und tauschen sich mit der Smartphone-App über kurze Videos und Bilder untereinander aus. Die Besonderheit von Snapchat liegt in der Vergänglichkeit des Inhalts, denn einzelne Snaps löschen sich auf dem Endgerät des Empfängers nach wenigen Sekunden selbst. Alternativ kann eine Snapchat Story erstellt werden, mit der alle Bilder und Videos chronologisch für die Nutzer gesammelt werden und erst nach 24 Stunden verfallen. Zwar dominieren mit einem Anteil von rund 50 Prozent die Nutzer unter 25 Jahren, perspektivisch betrachtet wächst Snapchat jedoch gerade seit kurzem bei den älteren Jahrgängen am stärksten. So kam das Unternehmen im letzten Jahr auf über rund 200 Millionen aktive Nutzer weltweit.

Content Marketing mit Snapchat

Doch nicht nur Schnappschüsse aus dem Leben finden sich bei Snapchat. Immer öfter entdecken Marken und Unternehmen diese eigenartige Form der digitalen Kommunikation für sich. Die Marketing- und Kommunikationsbranche erfreut sich sehr am neuen App-Umfeld, denn jetzt gilt es, die eigenen Claims abzustecken und Snapchat für die Content-Marketing-Strategie zu berücksichtigen. Worauf kommt es aber an, wenn Marken und Unternehmen einen Channel bei Snapchat betreiben – und was sollte dabei wirklich vermieden werden?

Die fünf No-Gos bei Snapchat

1. Laden Sie kein vorgefertigtes Bild- und Videomaterial hoch 

Marken sollten zwar inszeniert und geführt werden, aber bei Snapchat muss sich niemand dem Corporate Design beugen. Ein standardisiertes Intro und Outro ihrer täglichen Geschichte wird ihre Fans auf Dauer nerven, anstatt sie zu begeistern. Wer Snapchat nutzt, sollte die Aufnahmefunktion der App direkt verwenden. Die Verwendung von Drittanbieter-Apps zum Hochladen von Fotos und Filmen ist übrigens nicht gestattet und kann zur Schließung ihres Accounts führen. Bei den meisten Nutzern wird Snapchat gewiss nicht reagieren, jedoch steigt das Potenzial zur Abstrafung gerade bei der Nutzung durch Marken. Snapchat möchte nämlich lieber Geld damit verdienen, dass Inhalte als sogenannte "Discover"-Geschichten prominent in der App gegen eine entsprechend hohe Gebühr platziert werden.

2. Stellen Sie keine Aufnahmen im Querformat online 

Lange Zeit wurde darüber gelacht, dass Nutzer ihr Smartphone verkehrt halten. Das Resultat sah man bei Youtube, indem hochformatige Videos mit extrem großen, schwarzen Rändern zu sehen waren. Verstehen Sie dies als klaren Appell: Drehen Sie niemals bei Snapchat das Smartphone, sondern halten Sie es gerade in der Hand. Wenn Videos im Querformat bei Youtube im Kinomodus perfekt funktionieren, wird niemand bei Snapchat das Smartphone um 90 Grad drehen, um ihren Inhalt zu konsumieren. Vielleicht als kleiner Gag, aber nicht dauerhaft. Snapchat ist für Aufnahmen im Hochformat ausgerichtet.

3. Übertreiben Sie es nicht mit den internen Filtern und Effekten

Der Spaß mit den Filtern von Snapchat ist eigentlich für die Nutzer vorbehalten und der lustige Effekt besitzt die Halbwertzeit eines Clowns, der sich nach jeder Vorstellung abschminkt. Natürlich muss ihr Inhalt auf Snapchat nicht hochseriös sein, sondern darf gerne verspielt wirken, weil Unternehmen gerade hier aus ihrem kontrolliert hermetischen Habitus die Grenzen überschreiten dürfen. Überlagen Sie ihren Content nicht zu stark mit Filtern, sondern überzeugen Sie lieber durch gute Inhalte. Idealerweise verzichten Sie einfach auf lustige, grellbunte Gesichtsfilter.

4. Don`t ignore your followers

Wenn Sie sich an zahlreichen Snappern erfreuen, die fleißig ihre Inhalte konsumieren, sollten Sie sich bemühen, dass Sie Snapchat nicht als reines Push-Medium verstehen. Reagieren Sie unbedingt auf Anfragen oder direkte Nachrichten ihrer Follower. Folgen Sie einfach einmal zurück und schauen sich die Inhalte ihrer Follower an. Rechnen Sie anfangs mit geringem Aufwand, aber planen Sie langfristig mit einem Plus an direkter Kommunikation. Beachten Sie bei jeglichem Kundendialog auf Snapchat, dass es keine nachladbare History oder Exportfunktion der Nachrichten gibt. Wer den Kundendialog auf Snapchat führt, sollte zumindest textliche Anfragen parallel in einem eigenen System zwecks Nachweis dokumentieren.

5. Vermitteln Sie kein falsches Bild von Unternehmen und Marke 

Snapchat lebt von echten Inhalten, die bekanntlich nur bis zu 24 Stunden ihren Followern als zusammenhängende Geschichten verfügbar sind. Zeigen Sie mehr als in den aufgehübschten Corporate Channels bei Youtube. Holen Sie mehr Eigeninitiative raus als ein hochpoliertes Foto wie bei Instagram zu veröffentlichen. Entwickeln Sie originären Content, der spontan und authentisch wirkt, um jeden Tag auf ein Neues die Follower zu begeistern.

Snapchat macht emotionsgeladenes Marketing extrem einfach

Wenn Sie diese Anregungen beherzigen und kreative Inhalte entwickeln, können Sie mit ihrer Marke auf Snapchat punkten. Senden Sie bitte nicht nur Marketing- und PR-Botschaften über Snapchat raus, sondern überraschen Sie die Nutzer. Laden Sie zu Gesprächen mit den Experten ihres Unternehmens ein. Lassen Sie Mitarbeiter vor der Kamera zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen. Entwickeln Sie mit Regelmäßigkeit eigene Inhalte, auf die sich ihre Follower verlassen können. Ein CEO-Talk an jedem Mittwoch, die Jobvorstellung der offenen Vakanzen an jedem Monatsersten, Videos von ihrem Messebesuch, Eindrücke ihrer Veranstaltungen, Aufnahmen ihrer Produktionsanlagen oder binden Sie echte Influencer in ihre Snaps ein, die sich mit ihrer Marke auseinandersetzen.

Ausbruch aus dem Marketingkorsett

Brechen Sie einfach aus ihrem engen Marketingkorsett aus, bei dem in vielen Fällen nur der Abverkauf stigmatisiert ist, und seien Sie mit ihrer Marke neugierig auf Snapchat. Falsch machen können Marken natürlich einiges, aber falls dann doch etwas mal schiefgeht, ist es nach kurzer Zeit wieder vorbei. Als hätten Sie im Netz einen Schnappschuss von der Weihnachtsfeier hochgeladen und am nächsten Tag schnell wieder gelöscht ... Ja, Sie wissen schon, wie das geht. Die hochgradig emotionale Ansprache mit Fotos und Videos macht Snapchat bislang einzigartig. Wer im Marketing darauf setzt, sollte Snapchat als unbestellten Acker verstehen, bei dem das Potenzial direkt unter der Erde schlummert. Sie müssen es für ihr Unternehmen nur frei snappen.

Autor: 

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. In dieser Funktion sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb richtig positionieren. Seine Erfahrungen aus über 15 Jahren in der Digitalbranche teilt er regelmäßig in Gastbeiträgen für tonangebende Branchendienste und analysiert als Herausgeber von#DigiBuzz - Das Magazin für das Digital Business aktuelle Trends, neue Ideen und Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft. Folgen Sie @MikeSchnoor bei Twitter und lesen Sie sein Blog.


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Schlagworte zum Thema:  Social Media, Content Marketing, Digital, Digitale Wirtschaft, Digitalisierung

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