26.03.2015 | Serie The Future of Marketing

3D-Druck: Druck aus dem Drucker

Serienelemente
Die Firmen müssen auf die gedruckte Selbstermächtigung reagieren.
Bild: 3D Systems

Im Bereich der Produktpolitik wird der 3D-Druck in Zukunft einige Veränderungen mit sich bringen. Denn obwohl schon jahrelang über die Technik geredet wird, kommt erst jetzt richtig Schwung in die Sache. Auch große Firmen treiben das Thema.

Früher nannte man es Rapid Prototyping oder Personal Manufacturing, heute ist der Begriff 3D-Druck in aller Munde. Gemeint ist dasselbe: In einem Drucker werden dreidimen­sionale Teile in dünnen Schichten aus Kunststoff, keramischem Material oder Metall aufgebaut und ausgehärtet. Dabei tun sich zwischen dem Hausgebrauch und der industriellen Anwendung große Unterschiede auf.
Das eine ist immer noch eher etwas für Tüftler. Aber immerhin mittlerweile vergleichsweise billig. Es gibt bereits Geräte für 400 Euro. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis gut brauch- und bedienbare 3D-Drucker auch für einen größeren Markt zur Verfügung stehen. Man kennt das Phänomen aus der Vergangenheit von DVD-Playern, Digitalkameras – und auch Druckern. Allerdings schlagen die Rohstoffe derzeit noch ziemlich zu Buche und ein Ausdruck geht nicht gerade schnell. Auch von der Software hängt vieles ab. Immerhin hat Adobe in Photoshop bereits eine 3D-Druck-Funktion integriert. Mit solchen Geräten für den Hausgebrauch können zum Beispiel einfache Spielzeuge ausgedruckt werden.
Auch eine Perspektive in Copyshops oder im Handel ist denkbar. Staples zum Beispiel bietet 3D-Druckdienstleistungen in Stores in New York und Los Angeles an. Das Ganze läuft über eine Kooperation mit 3D Systems, einem der bekanntesten Anbieter neben Stratasys, Makerbot und Voxeljet. Das Angebot richtet sich in erster Linie an kleinere Unternehmen und Endkunden. So können Kunden zum Beispiel ihr Gesicht scannen lassen, um personalisierte Figuren zu ermöglichen. Auch individuelle Handyhüllen sollen ausgedruckt werden können. Je nach Größe werden die Gegenstände entweder gleich vor Ort gedruckt oder von 3D Systems hergestellt und verschickt. Auch Tesco denkt wohl bereits in diese Richtung.

Und dann ist da noch der B2B-Bereich. 3D-Drucker für die Anwendung dort kosten viel Geld. Und die Herausforderungen sind komplex, zum Beispiel die zu verarbeitenden Datenmengen. Damit soll es jedoch möglich sein, auch große funktionsfähige Teile auszudrucken. Oder gar ganze, wenn auch einfache Unterkünfte. Wie jüngst laut Presseberichten in China, wo die Gebäude in Armenvierteln oder als Notunterkünfte genutzt werden sollen. Davon abgesehen, geht es in der Industrie derzeit eher um eine Zeit- und Kostenersparnis bei der Erstellung von Prototypen.

Dell zum Beispiel zielt auf diesen Anwendungsbereich. Das Unternehmen vertreibt in den USA ein Makerbot-Gerät an kleine und mittlere Unternehmen. Auch HP will für diese Zielgruppe noch in diesem Jahr 3D-Drucker auf den Markt bringen.
Ob die Zukunft in der industriellen Produktion oder vielleicht doch im Endkundengeschäft (oder beidem) liegt, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Während die einen (wie zum Beispiel der Internet-Visionär Chris Anderson) ein neues industrielles Zeitalter dämmern sehen, schreiben die anderen schon wieder an Abgesängen auf einen Hype.

Ob es eine echte Konkurrenz für die Industrie wird, muss sich zeigen, aber reagieren müssen die Firmen auf diese Selbstermächtigung. Denn wenn bereits künstliche Schädeldecken, Herzpumpen oder Zahnersatz erfolgreich gedruckt wurden, sollten wir bezüglich der Perspektiven einfacherer Produkte keine Zweifel haben. Die werden kommen.

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Schlagworte zum Thema:  Marketing, Big Data, Online-Marketing, Digitalisierung, Social Media, Mobile Marketing

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