26.05.2014 | Top-Thema Interview mit Carsten Cramer vom BVB über Marketing im Sport

"Leute wie ich sind die Fensterputzer, die dafür sorgen, dass die Marke stärker strahlt"

Kapitel
"Die Qualität des Kontakts darf nicht zu kurz kommen."
Bild: Borussia Dortmund

Obwohl der BVB keine Marke wie jede andere ist, wird professionell Marketing für sie betrieben. Dabei spielen die digitalen Kanäle eine immer stärkere Rolle.

acquisa: Wenn man den Fernseher anschaltet und Schwarz-Gelb sieht, weiß man, dass es der BVB ist: Was gehört noch zur Marke BVB?

Cramer: Der Gegensatz in unseren Vereinsfarben symbolisiert die oben genannten Aspekte. Der BVB ist ein intensives Fußballerlebnis, das viele Menschen mitnimmt. Er steht für Authentizität, Intensität, Ambition und Bindungsfähigkeit. Wir haben extrem loyale Fans, das bringt auch die Südtribüne zum Ausdruck. Wir erreichen die Menschen der Region – und darüber hinaus – mit Herz, Schmerz, Bauch und ähnlichem. Das macht den BVB einzigartig.

acquisa: Warum hat sich der BVB für den Claim "Echte Liebe" entschieden?

Cramer: "Echte Liebe" ist kein Marketingclaim, sondern unser Versprechen an die Fans. Eigentlich gibt es das schon seit 1909, seit der Gründung des Vereins. Vor einigen Jahren haben wir dieses Markenversprechen dann richtig festgehalten. Leute wie ich sind die Fensterputzer, die dafür sorgen, dass die Marke stärker strahlt. Die die Stärken hervorheben und auch mit den Schwächen richtig umgehen. Mitverantwortlich für die momentane Situation ist dabei die schwierige wirtschaftliche Lage im Verein vor zehn Jahren. Man verliert nicht die Bodenhaftung, wenn man so nahe am Abgrund stand.

acquisa: Welche Marketingziele verfolgt der BVB?

Cramer: Wir möchten so viele Menschen wie möglich so individuell wie möglich an den BVB binden. Erster Schritt ist der Ausbau von Reichweite und Bekanntheit. Dann sollen die Leute zu Sympathisanten bzw. Fans werden, dann zu Verwendern der Marke. Dabei darf die Qualität des Kontakts nicht zu kurz kommen.

acquisa: Welche Marketingmaßnahmen neben der Pressearbeit sind für den BVB wichtig? Welche Rolle spielt Online für das Marketing des BVB?

Cramer: Die Pressearbeit ist in der Tat ein Weg. Wir müssen uns über die Relevanz der verschiedenen Multiplikatoren im Klaren sein, und uns dann professionell aufstellen und keine Angriffsflächen bieten. Ein souveräner Umgang mit den Medien ist sehr wichtig. Wir haben eine klare Strategie, wer sich mit welchen Botschaften an die Öffentlichkeit richtet. Es gibt da klare Zuständigkeiten. Wir kommunizieren aber auch über eigene Plattformen, dafür brauchen wir ein Bewusstsein. In der realen Welt sind die Möglichkeiten ja begrenzt, weil wir hier im Stadion fast eine geschlossene Gesellschaft sind. In der digitalen Welt können wir unsere Anhänger an jeder Stelle der Welt zu jeder Uhrzeit erreichen. Da werden wir uns auch noch weiterentwickeln.

Schlagworte zum Thema:  Marketing, Marke, Online-Marketing

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