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Tipps fürs rechtssichere Sharing

Teilen macht Social Media aus. Doch es gilt, das Urheberrecht zu wahren.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das Web lebt vom Teilen. Nur: Oft werden beim Teilen automatisch Vorschaubilder generiert. Und die unterliegen dem Urheberrecht. Der Berliner Anwalt Thomas Schwenke gibt Tipps für die Sharing-Praxis, mit denen man juristischen Ärger vermeiden kann.

Wer in einem Social Network Inhalte per Link teilt, der erstellt in der Regel automatisch ein Vorschaubild, schreibt Schwenke in seinem Blog I Law it. Facebook etc. ziehen aus der Linkquelle meist ein Foto und einen Teaser-Text. Gut für die Sharer, der mehr Aufmerksamkeit für seinen Post gewinnt. Gut auch für die User, die sehen können, was sich hinter dem Link versteckt.  Aber urheberrechtlich schwierig.

Ist jede Link-Vorschau eine Urheberrechtsverletzung?

Fast alle grafischen und fotografischen Abbildungen und fast alle Texte sind urheberrechtlich geschützt. Bei der Vorschau handele es sich um eine Kopie, so Schwenke (genauer: §16 UrhG, §19a UrhG). Und deshalb dürfe diese Kopie nur mit einer Einwilligung der Urheber erstellt werden. Dass Facebook die Vorschau automatisch erstellt, entlastet den Sharer nicht, denn Facebook sei hier nur ein Tool, das der Sharer nutze.

Der Empfehlungsbutton gleicht einer Einwilligung

Viele Unternehmen, viele Anbieter von Inhalten fordern unter einem Post mithilfe eines Sharing-Buttons wie „Gefällt mir“ oder „Teilen“ dazu auf, die Inhalte zu sharen. Damit, so Schwenke, erklären sie sich mit der Übernahme von Vorschaubild und Textauszug einverstanden.

Aber: Nur der Rechteinhaber kann die Einwilligung erteilen. Wer etwa einem Bekannten ein Foto für dessen Website überlässt, erlaubt damit nicht automatisch, dass das Foto an Dritte weitergegeben werden darf. Insbesondere Stock-Archive und Fotografen verbieten in ihren AGB/Lizenzbedingungen die Weitergabe. In solchen Fällen könnte man beim Teilen trotz einer Empfehlungsschaltfläche einen Urheberrechtsverstoß begehen.

Sharing is Caring

Das Teilen von Inhalten ist üblich geworden und kaum noch wegzudenken. Ähnlich wie Suchmaschinen, ist die persönliche Empfehlung ein wesentliches Mittel relevante Inhalte im Netz zu finden. Zwar ist, was legitim ist, also was wir für richtig halten, nicht automatisch legal. Aber die Motivation der Urheber, gegen solch „geringe und übliche“ Urheberrechtsverstöße vorzugehen, ist eine andere. Schwenke geht davon aus, dass ein kundiger Richter dies berücksichtigen würde. Als der BGH zu entscheiden hatte, ob Google im Rahmen der Bildersuche Vorschaubilder (Kopien) erstellen darf, sagte das Gericht:

Ein Berechtigter, der Texte oder Bilder im Internet ohne Einschränkungen frei zugänglich macht, muss mit den nach den Umständen üblichen Nutzungshandlungen rechnen.
(BGH Urteil vom 29.04.2010 (Az. I ZR 69/08), erklärt bei Telemedicus)

Man kann diese Entscheidung nicht direkt auf das Sharing übertragen, aber sie zeigt, dass die praktische Übung Richter beeinflussen kann. Ferner ist der Umfang der Rechtsverletzung durch ein Vorschaubild sehr gering, was sich auch in der Bemessung der Kosten bemerkbar machen dürfte.

Quellen im Ausland

Das hier besprochene Problem gilt auch in anderen Ländern. Das Recht folgt den gleichen Prinzipien und wird auch ein ähnliches Risiko beinhalten. Dennoch sagt Thomas Schwenke: „Das Risiko beim Teilen ausländischer Quellen [ist] fast gleich Null.“ Angesichts des geringen Umfangs des Verstoßes würden solche Fälle so gut wie nie über nationale Grenzen hinweg verfolgt.

Haftungsfragen

Bislang gilt generell: Mit der Übernahme fremder Inhalte übernimmt man auch die Haftung für diese Inhalte. Enthält z.B. der Textausschnitt eine Beleidigung oder unwahre Tatsache, haften Sie dafür. Man sollte also nur solchen Content teilen, bei dem man keinen Rechtsverstoß vermutet.

Keep on sharing

Thomas Schwenke kommt zu dem Ergebnis: Das Risiko potenzieller Urheberrechtsverstöße sollte in der Regel auf sich genommen werden. Vor allem, wenn das Teilen die Sichtbarkeit der eigenen Beiträge, etwa bei Google oder Facebook, erhöht.

Selbstverständlich bleibt ein Restrisiko. Aber dieses dürfte geringer als beim Autofahren sein. Webuser sollten laut Schwenke folgende Punkte beachten:

  • Inhalte von Seiten mit Empfehlungsbuttons teilen
  • Keine Fotos aus Datenbanken von Fotografen, Stock-Archiven, etc. teilen
  • Im Zweifel das Vorschaubild weg klicken (x)
  • Nur Inhalte übernehmen, die keine Haftungsgefahr bergen

Mehr zum Thema finden Sie im Blog von RA Thomas Schwenke.

Schlagworte zum Thema:  Urheberrecht, Social Media, Online-Marketing

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