| Urteil

Händler kann schlechte Bewertungen seines Kundenservices nicht unterbinden

Mit pauschal formulierten Meinungen müssen Händler unter Umständen leben.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Volke 2.0 hat auf ein aktuelles Urteil zu Händlerbewertungen auf Amazon hingewiesen. Daraus geht hervor, dass Kommentare wie "Miserabler Service von Firma X, Kundenfreundlich ist anders!" oder "Schlechter Service von Firma X" Meinungsäußerungen und damit erlaubt sind.

Die Äußerungen stellen nach Auffassung des Landgerichts Köln Meinungsäußerungen dar, da sie die subjektive Wertung der Beklagten bezüglich des Services des Klägers ausdrücken. Der Äußerung lasse sich entgegen der Auffassung des Klägers keine konkret-greifbare Tatsachenbehauptung entnehmen. Der Vorwurf sei vielmehr sehr pauschal formuliert. In welcher Art und Weise der Service miserabel oder schlecht war und aus welchem Grund die Beklagte zu der Auffassung gelangt, dass "kundenfreundlich anders ist" ergebe sich aus der Äußerung selbst nicht – und dies allein sei für die Entscheidung maßgebend. Auf die zwischen den Parteien streitige Frage, ob der Kläger für die Beklagte telefonisch erreichbar war, komme es nicht an.

Die Beklagte hatte den Kläger, der auf Amazon unter anderem Software vertreibt, nach zwei Käufen bewertet. Der Kläger war der Auffassung gewesen, dass es sich bei den angegriffenen Äußerungen um unwahre Tatsachenbehauptungen handele und hatte deshalb die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung gefordert. Die Kundin hatte die Bewertungen abgegeben, weil sie das Unternehmen trotz mehrmaliger Versuche zu üblichen Geschäftszeiten nicht telefonisch erreichen konnte. Der Verkäufer sah sich der Gefahr ausgesetzt, dass die Bewertungen den Eindruck vermittelten, dass die Beklagte mit dem Kläger gesprochen habe, dieser aber unfreundlich bzw. nicht bereit gewesen wäre, einen zuvorkommenden Service zu leisten.

Das Gericht bezog bei seiner Entscheidung ausdrücklich mit ein, dass Bewertungen bei Amazon einem großen Adressatenkreis zugänglich sind (Urteil vom 08.05.2013, Az. 28 O 452/12).

Das vollständige Urteil finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Kundenservice, Versandhandel

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