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Retourenmanagement: Tipps zum Umgang mit dem Widerrufsrecht

Alle Jahre wieder steigt um Weihnachten die Retourenquote: Verbraucher und Händler müssen dabei auf Fristen achten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Um Weihnachten steigt wieder die Zahl der Retouren. Onlinehändler müssen aus wirtschaftlichen, aber auch rechtlichen Gründen ein professionelles Retourenmanagement bieten. Was es beim Widerrufsrecht zu beachten gibt, erklärt Martin Rätze, Rechtsexperte bei Trusted Shops.

Beim Widerruf ist keine Form vorgeschrieben. Der Verbraucher ist bei der Ausübung seines Widerrufsrechtes nicht an eine bestimmte Form gebunden. Er kann den Widerruf per Brief, E-Mail, Telefon oder Fax erklären. Wichtig ist nur: Aus der Erklärung des Verbrauchers muss eindeutig der Entschluss hervorgehen, dass er den Vertrag widerrufen möchte. "Ich möchte umtauschen“ wäre zum Beispiel keine eindeutige Erklärung. Eine Begründung für den Widerruf muss der Verbraucher nicht liefern.

Widerrufsfrist: 14 Tage ab Warenlieferung. Der Verbraucher hat für die Ausübung seines Widerrufsrechtes 14 Tage Zeit. Die Widerrufsfrist beginnt, sobald die Ware an den Verbraucher oder an einen von ihm benannten Dritten, der nicht der Beförderer der Waren ist, übergeben wurde. Für die Fristwahrung genügt die rechtszeitige Absendung des Widerrufs. Wichtig: Der Verbraucher kann die Ware bereits widerrufen, wenn diese noch nicht bei ihm eingetroffen ist.

Warenrücksendungen innerhalb von 14 Tagen. Mit Absenden des Widerrufs beginnt für den Verbraucher erneut eine Frist von 14 Tagen, innerhalb derer er die Ware an den Händler zurückschicken muss. Zur Fristwahrung genügt auch hier die ordnungsgemäße Absendung der Ware.

Retourenmanagement: 14-Tage-Frist für Verbraucher und Händler

Kaufpreiserstattung innerhalb von 14 Tagen. Mit Erhalt des Widerrufs (wichtig: nicht mit Erhalt der Ware) beginnt für den Online-Händler eine Frist von 14 Tagen, innerhalb derer er dem Kunden den Kaufpreis erstatten muss. Allerdings kann der Händler ein Zurückbehaltungsrecht ausüben. Er kann die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware oder einen Nachweis der ordnungsgemäßen Ablieferung durch den Verbraucher erhalten hat. In diesem Fall muss das Geld unverzüglich erstattet werden.

Hin- und Rücksendekosten. Im Widerrufsfall müssen dem Verbraucher die Lieferkosten erstattet werden – allerdings nur in der Höhe der günstigsten Standard-Versandart im Onlineshop. Hat der Verbraucher zum Beispiel eine teurere Expresssendung verlangt, müssen diese Kosten nicht erstattet werden.
Ob der Verbraucher die Rücksendekosten tragen muss, ist eine Frage des Einzelfalls. Hier kommt es auf die Regelungen an, die der Händler mit dem Verbraucher vereinbart hat. Der Verbraucher muss die Rücksendekosten nur tragen, wenn er über diesen Umstand informiert worden ist – zum Beispiel im Rahmen der Widerrufsbelehrung. Eine Besonderheit gilt hier bei Waren, die nicht normal mit der Post zurückgesandt werden können, zum Beispiel Speditionswaren. Bei diesen reicht nicht die Info, dass der Verbraucher die Kosten der Rücksendung zu tragen hat. Vielmehr sind diese Kosten der Höhe nach anzugeben, ebenfalls vor Abgabe der Bestellung.

Erstattung des Warenwertes. Letztlich ist dem Verbraucher bei Widerruf der Kaufpreis für das Produkt zu erstatten. Allerdings kann es sein, dass der Onlinehändler einen Anspruch auf Wertersatz hat. Dies ist der Fall, wenn die Ware einen Wertverlust erlitten hat und dieser Wertverlust auf einen Umgang mit der Ware zurückzuführen ist, der zur Prüfung der Eigenschaften, Beschaffenheit und Funktionsweise nicht notwendig war. Ob ein Wertersatzanspruch besteht, ist eine schwierige Frage des Einzelfalls. Vergleiche mit den Prüfungsmöglichkeiten in einem Ladengeschäft sind in der Regel nicht hilfreich, sondern eher irreführend.
Man sollte auch keine pauschalen Wertersatztabellen in den AGB verwenden, da diese unzulässige Schadenspauschalen darstellen würden. Neben dem Anspruch auf Wertersatz für den Wertverlust einer Ware hat der Unternehmer keine weiteren Aufwendungs- und Schadenersatzansprüche im Widerrufsfall.

Und auch beim E-Mail-Marketing lohnt es sich, schon an Weihnachten zu denken.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Recht, Mobile Commerce

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