26.04.2013 | Interview mit Thomas Schwenke

"Meist handelt es sich um verbotene Schleichwerbung"

"Leider enthalten diese Tweets so gut wie nie ausreichende Werbehinweise."
Bild: Thomas Schwenke

Neuerdings werden Tweets zu einem Zahlungsmittel. Welche Produkte oder Leistungen damit beglichen werden, wie es funktioniert und was der Gesetzgeber dazu sagt, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Thomas Schwenke.

acquisa: Worum geht es bei "Pay with a Tweet" genau?

Thomas Schwenke: "Pay with a Tweet" ist eine Art Tauschgeschäft. Um Zugang zu einer Leistung wie zum Beispiel einem E-Book oder einer Warenprobe zu erhalten, müssen Nutzer zuvor einen Tweet an ihre Follower versenden, in dem sie auf den Anbieter der Leistung hinweisen. Wer zum Beispiel ein kostenloses E-Book anbietet, kann so erreichen, dass mehr Interessenten von diesem Angebot erfahren. "Pay with a Tweet" kann ferner als Voraussetzung für Rabatte in Onlineshops oder als Content-Schranke für Onlinemagazine eingesetzt werden. Es gibt bereits mehrere Anbieter mit deren Hilfe man solche "Pay with a Tweet"-Modelle umsetzen kann.

acquisa: Handelt es sich dabei nicht um eine Art verbotene digitale Schleichwerbung?

Schwenke: Bei den meisten Fällen, die ich kenne, handelt es sich tatsächlich um verbotene Schleichwerbung. Schleichwerbung liegt vor, wenn eine Werbemaßnahme für einen "Durchschnittsverbraucher" nicht als solche erkennbar ist. Da die Tweets auf Veranlassung der Unternehmen versendet werden und meistens auch einen vorformulierten Tweettext enthalten, handelt es sich bei ihnen um kennzeichnungspflichtige Werbemaßnahmen. Leider enthalten diese Tweets so gut wie nie ausreichende Werbehinweise.

acquisa: Unter welchen Umständen ist "Pay with a Tweet" rechtlich Bedenkenlos?

Schwenke: "Pay with a Tweet" ist dann bedenkenlos, wenn die Tweets einen Werbehinweis enthalten. Dieser sollte zu Beginn des Tweets stehen und zum Beispiel "Werbung:" oder "Gesponsert:" lauten. So genannte Hashtags am Ende des Tweets wie "#werbung" oder "#paypertweet" halte ist für sehr risikoreich. Hier könnte ein Richter schnell sagen, dass Hashtags lediglich zur Verschlagwortung von Tweets, aber nicht als Werbehinweis taugen. Vorsicht ist auch geboten, wenn die Nutzer den Tweettext selbst formulieren dürfen. In diesem Fall, müssen sie darauf hingewiesen werden, dass der Tweet den Werbehinweis enthalten muss. Völlig bedenkenlos und ohne Hinweispflicht sind nur freiwillige Tweets, um welche Nutzer lediglich gebeten werden. Aber dann ist es auch kein Fall von "Pay with a Tweet" mehr.

Schlagworte zum Thema:  Social Media, Wettbewerbsrecht, Online-Marketing, Werbung

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