24.10.2012 | Ambush

Eintrittskarten dürfen auch ohne Zustimmung des Veranstalters verlost werden

Ambush Marketing rund um Sportereignisse beschäftigt immer wieder die Gerichte.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Es ist nicht unlauter, ohne Zustimmung des Veranstalters in einem Gewinnspiel Eintrittskarten für eine große Sportveranstaltung auszuloben. Dies hat das Landgericht Stuttgart entschieden. Geklagt hatte die UEFA aus Anlass der Europameisterschaft.

Die beklagte Firma, ein Technologieunternehmen, hatte für Fachhändler sieben Tickets für das Auftaktspiel Deutschland gegen Portugal ausgelobt, um die Umsätze mit Displays anzukurbeln. Die UEFA hielt dies für eine unlautere geschäftliche Handlung im Sinne von Ambush Marketing. Die Aktion ziele darauf ab, zumindest das Interesse des Verkehrs und den guten Ruf der Großveranstaltung für eigene geschäftliche Zwecke auszunutzen, sich durch die Werbung mit der Großveranstaltung zu assoziieren und das Image der Großveranstaltung auf sich zu übertragen - und dies ohne Zustimmung des Rechteinhabers und ohne Zahlung einer Vergütung, wie sie Sponsoren oder Lizenznehmer bezahlten. Solche Maßnahmen erweckten beim Durchschnittsverbraucher die Fehlvorstellung, das Unternehmen sei Vertragspartner der Europameisterschaft.

Das Gericht sah dies anders. Die Beklagte habe nicht über eine vorhandene Sponsorenstellung getäuscht. Es sei nicht der Eindruck eines Zusammenhangs mit Sponsoring bei den angesprochenen Verkehrskreisen erweckt worden. Zudem seien hier Fachhändler angesprochen, der normale Verbraucher habe kaum Zugang zu dem in Frage stehenden Medium bzw. nähme es nicht als an ihn gerichtet wahr. Wobei ein Fachhändler nach Ansicht der Gerichts letztlich nicht anders zu beurteilen ist als ein durchschnittlicher Fußballfan. Dieser stelle den Bezug nur her, wenn zum Beispiel ein offizielles Logo verwendet wird oder der Text ausdrückliche oder versteckte Hinweis darauf enthält, die veranstaltende Firma könnte Sponsor sein. Im vorliegenden Fall werde lediglich die Tatsache dargestellt, dass die einschlägigen Fachhändler Eintrittskarten für das besagte Spiel gewinnen können. Die Behauptung der Verfügungsklägerin, dem durchschnittlichen Verbraucher - nichts anderes gilt für den durchschnittlichen Bildschirmeinzelhändler - sei bewusst, dass nur Sponsoren solche Gewinnspiele veranstalten könnten, sei nicht nachvollziehbar. Das vollständige Urteil ist erhältlich unter www.justiz.baden-wuerttemberg.de.

Schlagworte zum Thema:  Wettbewerbsrecht, Marketing

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