07.12.2016 | Wettbewerbsrecht

Abmahnungen: Onlinehändler fürchten um ihre Existenz

Abmahnungen: Viele Händler wehren sich mit Erfolg.
Bild: Corbis

Für rund die Hälfte der Onlinehändler bedeuten Abmahnungen eine Bedrohung ihrer Existenz. Das ist das Ergebnis einer Studie von Trusted Shops. Problem: Die Kosten pro Abmahnung sind in letzter Zeit wieder gestiegen.

Die Studie "Abmahnungen im Online-Handel“ wurde bereits zum fünften Mal durchgeführt und zeigt – neben den Konsequenzen – auch, was sich die Branche wünscht, um den zunehmenden Missbrauch wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen einzudämmen.

Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits 251 Verstöße abgemahnt. Wie sehr dies die Händler belastet, zeigen die Zahlen zu den Kosten pro Abmahnung, denn diese sind (nach einer zeitweiligen Abnahme) wieder gestiegen. 48 Prozent der Händler verzeichnen demnach Kosten in Höhe von mehr als 1.500 Euro pro Abmahnung (2015: 39 Prozent). Das Problem: Häufig bleibt es nicht bei einem einzigen Fall, sodass sich die Kosten summieren. Deshalb empfindet inzwischen jeder zweite Onlinehändler (49 Prozent) Abmahnungen als eine akute Existenzbedrohung für sein Unternehmen. Im vergangenen Jahr waren es mit 47 Prozent noch etwas weniger.

Gründe für Abmahnungen sind meist Missachtung von Markenrechten (17 Prozent), Fehler in Bezug auf das Widerrufsrecht (17 Prozent) und falsche beziehungsweise irreführende Preisangaben (14 Prozent).

Abmahnungen: Händler wehren sich mit Erfolg

Gut die Hälfte (52 Prozent) der Onlinehändler nutzt die Möglichkeit, sich vor Abmahnungen zu schützen. Dies kostet sie im Schnitt 1.056 Euro im Jahr. Eine Investition, die sich im Hinblick auf die drohenden Kosten für Abmahnungen lohne, sagt Dr. Carsten Föhlisch, Leiter der Rechtsabteilung von Trusted Shops.

Und auch wenn es zum Fall der Fälle kommt, kann es sich lohnen, dagegen vorzugehen. 71 Prozent der befragten Händler haben sich bereits gegen eine Abmahnung zur Wehr gesetzt, drei von vier mit Erfolg: Entweder hat der Gegner die Abmahnung komplett zurückgezogen (zwölf Prozent), das Vorgehen hat zu einer Kostenreduktion geführt (27 Prozent) oder der Gegner hat zumindest die Änderung der Unterlassungserklärung akzeptiert (37 Prozent).

Gefragt wurden die rund 990 Händler schließlich auch nach gewünschten Gegenmaßnahmen. 14 Prozent sprechen sich für limitierte Anwaltskosten aus, 13 Prozent wünschen sich einfachere Gesetze und ebenso viele fordern, dass Mitbewerber nicht mehr abmahnen dürfen, sondern nur noch staatliche Behörden oder zugelassene Verbände.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Wettbewerbsrecht, Mobile Commerce

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