Grundpreisangaben sind bei bestimmten Produkten Pflicht. Ansonsten drohen Abmahnungen. Bild: Corbis

Geht es um Grundpreisangaben, denkt man an Lebensmittel. Allerdings gilt die Pflicht zur Angabe eines Grundpreises auch für viele andere Produkte. Welche dies sind und worauf Händler achten müssen, erklären die Experten von Trusted Shops.

Fehlt im Webshop die Grundpreisangabe oder wird sie nicht richtig angegeben, drohen teure Abmahnungen. Schließlich geht es darum, Verbrauchern die Vergleichbarkeit der Preise unabhängig von unterschiedlichen Verpackungsgrößen zu erleichtern. Der Grundpreis bezeichnet deshalb den anzugebenden Preis je Mengeneinheit und erfasst eine Vielzahl von Produkten über Lebensmittel hinaus. Die Angabe eines Grundpreises gilt auch für: Drogerieprodukte (wie Sonnencreme oder Zahnpasta), Bodenbeläge, Gartenbedarf (Sack Erde, Paket Dünger etc.), Bastelbedarf (Tube Kleber, Packung Knete), Nähbedarf (Borten, Stoffe) sowie Mechanikerbedarf (Motoröl).

Einige Produkte sind von der Pflichtangabe ausgenommen. Dies umfasst Waren mit weniger als 10 Gramm beziehungsweise Milliliter, bestimmte kosmetische Produkte wie Lippenstift oder Nagellack oder immer dann, wenn Grundpreis und Endpreis identisch sind.

Folgendes ist außerdem zu beachten:

Warensets: Eine Verpflichtung zur Angabe des Grundpreises entfällt bei Waren, die "verschiedenartige Erzeugnisse enthalten, die nicht miteinander vermischt oder vermengt sind". Hierunter kann zum Beispiel das Angebot von einer Flasche Wein zusammen mit entsprechenden Pralinen als Set fallen.
Allerdings ist anerkannt, dass die Verpflichtung zur Grundpreisangabe bestehen bleibt, wenn das im Weiteren angebotene Produkt eigentlich nur eine untergeordnete Beigabe ist. Laut BGH ist diese Ausnahme dann nicht erfüllt, wenn ein Erzeugnis im Vergleich zu den anderen in der Verpackung enthaltenen Erzeugnissen im Wert überwiegt, wie beispielsweise bei einem Paket Waschmittel mit einem Probetütchen Weichspüler. Darüber hinaus muss es sich um verschiedenartige Produkte handeln. Handelt es sich um sehr ähnliche Produkte, kann auch bei Warensets eine Grundpreispflicht bestehen. Nach der Rechtsprechung handelt es sich bei Kabelschläuchen mit unterschiedlicher Materialstärke und Durchmesser oder mehreren Farbtuben mit unterschiedlichen Farben nicht um verschiedenartige Produkte.

Die Wahl der richtigen Mengeneinheit: Grundpreise sind grundsätzlich mit einer Mengeneinheit von 1 Kilogramm, 1 Liter, 1 Kubikmeter, 1 Meter oder 1 Quadratmeter der Ware anzugeben. Allerdings darf bei Waren, deren Nenngewicht oder –Volumen 250 gr/ml üblicherweise nicht übersteigt, als Mengeneinheit ein Grundpreis von 100 gr/ml angegeben werden. Hiervon abweichend kann bei Haushaltswaschmitteln als Mengeneinheit auch eine übliche Anwendung verwendet werden. Dies gilt auch für Wasch- und Reinigungsmittel, sofern sie einzeln portioniert sind und die Zahl der Portionen zusätzlich zur Gesamtfüllmenge angegeben ist.

Grundpreisangaben müssen gut sichtbar sein

Platzierung des Hinweises: Der Grundpreis ist nach der Preisangabenverordnung (PAngV) in unmittelbarer Nähe des Gesamtpreises zu platzieren. Hierzu hat der BGH 2009 entschieden, dass dies voraussetzt, dass beide Preise auf einen Blick wahrgenommen werden können. Dies ist nicht gegeben, wenn der Grundpreis lediglich über einen Mouse-Over-Effekt wahrgenommen werden kann.
Allerdings stellt das Erfordernis der unmittelbaren Nähe eine über die zugrundeliegende EU-Richtlinie 98/6/EG hinausgehende Regelung dar. Diese Preisangaben-Richtlinie der EU bestimmt nämlich nur, dass der Verkaufspreis und der Preis je Maßeinheit unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar sein müssen. Seit Juni 2013 gelten die abschließenden Regeln der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken, strengere Regeln der einzelnen Mitgliedstaaten dürfen nicht mehr angewendet werden. Hieraus folgt nach Ansicht von Literatur und Rechtsprechung, dass auch eine unmittelbare Nähe des Grundpreises zum Gesamtpreis nicht mehr gefordert werden kann. Auch das LG Düsseldorf wertete ein Verstoß hiergegen als nicht geschäftlich unlauter. Höchstrichterliche Rechtsprechung gibt es bislang allerdings nicht. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte daher wie bisher die Grundpreise in unmittelbarer Nähe des Gesamtpreises angeben.

Grundpreis in der Werbung: Onlinehändler sollten darauf achten, dass Grundpreise nicht nur auf der Produktseite angegeben werden müssen, sondern immer dann, wenn der Anbieter von Waren gegenüber Letztverbrauchern unter der Angabe von Preisen wirbt. Dies gilt auch für Start- oder Übersichtsseiten eines Shops, auf denen Angebote unter Preisnennung präsentiert werden Auch der BGH entschied bereits, dass es nicht ausreicht, wenn der Verbraucher erst auf der Produktseite die Grundpreisangaben finden kann, sofern schon auf vorgeschalteten Seiten unter der Angabe von Preisen geworben wird.

Abschließender Tipp: Fehlende oder fehlerhafte Preisangaben können als Wettbewerbsverstoß abgemahnt werden. Hierbei handelt es sich mittlerweile um einen Abmahnklassiker. Jeder Onlinehändler, der grundpreispflichtige Waren verkauft, sollte daher überprüfen, ob die Grundpreise unter Nennung der korrekten Mengeneinheit überall dort wiedergegeben werden, wo unter der Angabe von Preisen geworben wird.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Wettbewerbsrecht, Recht

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