| Interview mit Achim London

"Immer mehr Ü-30ER"

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht systematisch weiterbilden, werden Probleme bekommen. Sagt Achim London.
Bild: DDA

Wer seinen Mitarbeitern die Weiterbildung selbst überlässt und das Marketing über drei Etagen verteilt, wird Nachwuchsprobleme bekommen, warnt Achim London, Geschäftsführer der DDA Deutsche Dialogmarketing Akademie in Haan.

acquisa: Macht sich der allerorten beschworene Mangel an Nachwuchskräften in den Marketingabteilungen deutscher Unternehmen tatsächlich bemerkbar?

Achim London: Ja, definitiv. Allerdings fast ausschließlich in den Bereichen Digital/Online-Marketing/Social Media. Doch das weitaus gravierendere Problem, vor allem bei größeren und etablierten Unternehmen, ist die Tatsache, dass die gestandenen Marketer alter Schule Gefahr laufen, den Anschluss ans Digitale zu verpassen. Das erklärt auch, warum in den Weiterbildungskursen immer mehr Ü-30er sitzen.

acquisa: Nutzen Unternehmen die externe Weiterbildung, um für potenzielle Bewerber attraktiv zu sein beziehungsweise um Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden?

London: Bekanntlich ist den Mitarbeitern die persönliche Entwicklung und die Karriere wichtiger als etwa Gehaltserhöhung oder Firmenwagen. Das haben viele Unternehmen, pars pro toto: Axel Springer Verlag, erkannt und renommierte Weiterbildungsangebote fest in der Personalentwicklung verankert. Wir haben immer mehr Teilnehmer in unseren Kursen, die die Weiterbildung aus eigener Tasche bezahlen, bei denen sich die Firma geweigert hat, die Kosten zu übernehmen. Diese Unternehmen dürfen sich nicht wundern, dass ihre Mitarbeiter sich am Markt umsehen, sobald sie das ersehnte Diplom in Händen halten. Nur die Firmen, die in ihre Mitarbeiter investieren, binden sie auch ans Unternehmen – und sie erzielen binnen kurzer Zeit einen ROI und verbesserte Marktpositionen.

acquisa: Was müssen Unternehmen heute denn bieten, um für potenzielle Marketingführungskräfte attraktiv zu sein?

London: Unternehmen, bei denen die Abteilungen Klassik, Dialog und Online immer noch auf drei verschiedenen Etagen sitzen, haben kaum noch eine Chance, junge, modern denkende Marketer zu gewinnen. Ebenso ist der Hype um die New Economy deutlich abgeflacht, weil es dort vielerorts noch keine gewachsenen Strukturen zu Karriereplanung und Personalentwicklung gibt. Modern operierende Unternehmen haben Stufenpläne entwickelt: Ausbildung des ganz jungen Branchennachwuchses, attraktive Angebote wie Duale Traineeships an Hochschulabsolventen, berufsbegleitende Studiengänge für den eigenen Marketing-Führungsnachwuchs und regelmäßige Inhouse-Schulungen, um die langjährig Beschäftigten immer auf Augenhöhe mit den rasanten Entwicklungen zu halten. Nur so gewinnt man die besten Nachwuchstalente, bindet die engagierten Jung-Marketer und motiviert die Stammbelegschaft.

Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Recruiting, Social Media, Online-Marketing

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