13.05.2014 | Interview mit Sven Gábor Jánszky

"Mobile Payment wird sich durchsetzen"

"Viel wichtiger ist die Hoheit über die Daten der Kunden."
Bild: 2b Ahead Thinktank, Leipzig

Das mobile Bezahlen kommt. Da ist sich Trendforscher Sven Gábor Jánszky, Direktor des 2b Ahead Thinktanks, sicher. Und es bietet nicht nur den Kunden Vorteile, sondern auch den Herstellern und Händlern.

acquisa: Herr Jánszky, wird sich Mobile Payment tatsächlich durchsetzen?

Sven Gábor Jánszky: Mobile Payment ist ein fester Bestandteil in der Digitalisierung des Handels, es wird sich ohne jede Frage durchsetzen. Im großen Economy-Segment digitalisieren sich die Verkaufsprozesse zu 100 Prozent – von den Impulsgebern über die Suche und Auswahl mithilfe von virtuellen Assistenten bis hin zum Bezahlen und den digitalen After Sales Services. Mobile Payment ist ein kleiner, aber bedeutender Teil der digitalen Wertschöpfung. Es bietet einen Mehrwert für die Kunden und – sehr viel wichtiger – es bietet einen Mehrwert für Hersteller und Händler. Mobile Payment ist strategisch wichtig, denn wer es anbietet, weiß wo, wann und was die Kunden kaufen. Wer das weiß, hat die Macht. Die Gründe, die für Mobile Payment sprechen, haben gar nicht so stark mit dem Zahlungsprozess als solchem zu tun. Viel wichtiger ist die Hoheit über die Daten der Kunden. Wer weiß, wo ich wann was kaufe, kann mir verkaufen, was ich will.

acquisa: Meinen Sie, die Kunden werden das mitmachen – Stichwort Datenschutz?

Jánszky: Ja, natürlich. Erst wird es Diskussionen geben, dann werden die Kunden mitmachen, denn es ist nützlich für sie. Wenn der Kaufprozess von A bis Z digitalisiert ist, ist das eine wahnsinnige Erleichterung. Standardeinkaufsprozesse – wie etwa Lebensmittel oder Drogerieartikel – sind mit einem Klick bestellt und geliefert, wohin man möchte, ob ins Haus oder in den Kofferraum des Autos. Mobile Payment eignet sich nicht nur fürs Einkaufen, sondern erleichtert uns viele Kleinigkeiten im Alltag: Sie können den Kindern damit Taschengeld aufs Handy geben oder Parkgebühren bezahlen. Es bietet echten Nutzen.

acquisa: Welche Händler sollten unbedingt darüber nachdenken, ihren Kunden Mobile Payment anzubieten?

Jánszky: Na ja, das hängt davon ab, wann Mobile Payment kommt und wie schnell. Wenn der Tipping Point erreicht ist, sind zuerst diejenigen gefährdet, die kleinpreisige Dinge verkaufen und viele Konkurrenten haben, wie etwa der Lebensmittelhandel, Drogerien oder Kioske.

acquisa: Wann rechnen Sie mit dem Durchbruch des mobilen Bezahlens?

Jánszky: Ich kann Ihnen kein Datum sagen, weil das sehr davon abhängt, wann die großen Händler sich selbst so stark unter Druck fühlen, dass sie es einführen müssen. Oft setzen sich Innovationen nicht dann durch, wenn sie technologisch möglich sind oder wenn die ersten Kleinen aufspringen, sondern wenn die marktprägenden Unternehmen meinen, einsteigen zu müssen. Je stärker die unter Druck stehen seitens des E-Commerce, desto schneller kommen die digitalen Techniken in den stationären Handel.

Schlagworte zum Thema:  Mobile Marketing, Payment, Handel, MCommerce

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