"Wir benötigen die Bereitschaft aller Beteiligten – Banken, Händler und Dienstleister – zu einer gemeinsamen, offenen Lösung." Bild: Paymorrow

Mobile Payment steckt weiterhin in den Kinderschuhen. André Boeder, Geschäftsführer von Paymorrow, kommentiert, warum das so ist und was sich ändern muss.

Mobile Payment – das Thema ist eigentlich ein Scheinriese. Von weitem betrachtet eine große Sache.  Etwa strategisch, wie es die vielen Unternehmensberater machen und sich Jahr für Jahr mit internationalen Prognosen zu den Umsatzpotenzialen übertreffen. So auch das Informatikunternehmen GFT, das für 2019 ein mobiles Transaktionsvolumen von mehr als 1 Billionen US-Dollar für 2019 prognostiziert.

Wer sich dem Thema "Mobile Payment" jedoch real nähert und es hierzulande auf praktische Anwendung abklopft, für den schrumpft es schnell zusammen. Das hat mehrere Gründe.

Mobile Payment: Was den Durchbruch verhindert

Erstens: Das viel gelobte NFC (Near Field Communication) wird sich in jetziger Form als Standard nicht etablieren können. Es erweist sich angesichts der vielen unterschiedlichen Android-Geräte im Markt als nicht stabil genug – die Apple-Jünger werden zudem aktuell ganz ausgeschlossen. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass Apple sein eigenes System hier protegieren will. Kein Wunder also, dass Pilotprojekte wie NFC Berlin (zahl-einfach-mobil.de) in den Kinderschuhen stecken geblieben sind. Auch um eine entsprechende "Bargeldlos bezahlen"-Initiative von Aldi Nord ist es wieder ruhig geworden. Kurzum: NFC kommt nicht in die Gänge.

Zweitens: Apple – sonst weltweit nicht zimperlich im Durchsetzen eigener Standards – hat hierzulande mit den Banken ein echtes Problem. Zu viele, zu heterogen, zu kleinteilig. Die Verhandlungen ziehen sich, ein Ergebnis ist derzeit nicht absehbar. Der flächendeckende Rollout des Bezahlsystems Apple Pay damit weiterhin mehr als ungewiss.

Drittens: Ketten wie Rewe, Edeka oder Starbucks setzen auf einen Weg, Drittanbieter mittels Closed-Loop-Systemen zu umgehen: Ihre Apps besitzen ein direkt hinterlegtes Bezahlsystem und ermöglichen damit das kontaktlose Bezahlen nach einem einmaligen Registrierungsprozess. Der Nachteil: Es gibt keine einheitliche Lösung. So erfordert jede Insel-Lösung eine eigene App inklusive des gesonderten Registrierungsverfahrens. Verbraucherfreundlichkeit geht anders.

Um aus dem Scheinriesen "Mobile Payment" ein echtes Schwergewicht machen zu können, benötigen wir vor allem eines: Die Bereitschaft aller Beteiligten – Banken, Händler und Dienstleister – zu einer gemeinsamen, offenen Lösung. Dass dies möglich ist, zeigt ein Blick nach Dänemark: Bei unseren Nachbarn nutzt heute bereits jeder Dritte mobile Bezahlverfahren. Für die technische Umsetzung zeichnet die dänische Danske Bank verantwortlich – sie setzt für die Datenübermittlung auf Bluetooth statt auf NFC. Für Deutschlands Banken und Netzbetreiber heißt es jetzt also: Handys raus und losgelegt! Wir brauchen eine einheitliche, verlässliche und flächendeckende Lösung, um kontaktloses Bezahlen endlich voranzutreiben. Dänemark zeigt, dass es geht!

Schlagworte zum Thema:  Mobile Marketing, Payment, Handel

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