09.05.2014 | Top-Thema Mindestlohn und Dialogmarketing: Was da noch kommt

Mindestlohn: Ende für Dumping-Anbieter?

Kapitel
Der Mindestlohn könnte manches Call-Center, das hart am Preis-Limit arbeitet, in Schwierigkeiten bringen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Jahrelang hat er am Horizont gedräut wie ein aufziehendes Gewitter – der gesetzliche Mindestlohn. Und nun ist er da, zumindest in Form eines Gesetzentwurfs. Aber die Abgeordneten werden nur noch kleine Korrekturen daran vornehmen, zu wichtig ist das Projekt zumal für die SPD, als dass eine Totalabkehr von den Plänen der Arbeitsministerin denkbar scheint.

Mindestlohn von 8, 50 Euro: Was hat das mit Dialogmarketing zu tun? Sehr viel, lautet die Antwort, denn einige Bereiche sind direkt betroffen. Zum Beispiel Call-Center-Dienstleister. "Für uns bedeutet das keine Veränderung, denn hier in München haben wir schon vor zehn Jahren keine Mitarbeiter zu diesem Gehalt mehr gefunden", sagt Thomas Zacharias, geschäftsführender Gesellschafter von Tricontes aus München. Aber für andere Unternehmen an anderen Standorten werde der Mindestlohn zum Teil gravierende Auswirkungen haben.

Schrumpfende Margen für Call-Center

Die Rechnung sei ganz einfach: Wer sich die Gewinn- und Verlustrechnung der großen Player anschaue – und die seien ja einsehbar, auch für Einkäufer – werde deutlich: Die Margen schwankten im Durchschnitt um die fünf Prozent. Die Personalkosten wiederum betrügen etwa 70 Prozent der Gesamtkosten. Wer also aktuell einen Stundenlohn von 7,20 Euro bezahle, "und hier geht es vor allem um den garantierten Stundenlohn, also auch die Leistung, die im Urlaub und im Krankheitsfall oder bei Minderleistung zu zahlen ist", so Zacharias, dann bedeute der geplante Mindestlohn eine Steigerung von fast zwölf Prozent. "Erhöht man also die allgemeinen Gehälter um zwölf Prozent, dann werden aus den oben genannten 70 Prozent Lohnquote an der Gesamtkosten 78,4 Prozent." Das ist eine Steigerung um 8,4 Prozentpunkte. "Bei einer angenommenen Marge - und die wird bei einigen Anbietern nicht erreicht - von fünf Prozent und einer Steigerung der Kosten um 8,4 Prozent, kommt folgerichtig ein Minus raus. So einfach ist die Rechnung", meint Zacharias.

Marktbereinigung

Mit anderen Worten: Für einige Anbieter im Markt könnte es schwer werden, der Wettbewerb wird härter. Und das sei auch gut so, sagt Roy Reinelt, Head of Marketing & Sales und Prokurist beim Anbieter Digital-Dialog. "Ich denke, es ist an der Zeit ist, dass all die, denen UWG-Novellen und die Einführung des Mindestlohns Probleme bereiten, ihr Geschäftsmodell auf Zukunftsfähigkeit zu prüfen sollten."

Simon Juraschek, ehemaliger Vorsitzender des Councils Telemedien beim Deutschen Dialogmarketing Verband befürchtet allerdings, dass die erste Reaktion vieler Dienstleister Arbeitsverdichtung sein wird, sprich weniger Agents für die gleiche Menge oder sogar mehr Arbeit. "Viele Anbieter kommen durch den Mindestlohn in eine schwierige Lage, sie müssen reagieren – und das wird sicher auch zulasten der Mitarbeiter gehen."

Walter Benedikt, geschäftsführender Gesellschafter beim Call-Center-Dienstleister 3C Dialog mit Sitz in Köln, sieht hier das Ende der Fahnenstange erreicht. "Es gibt keine andere Branche, die so durchdekliniert ist wie die Call-Center." Bei professionellem Management herrsche vollkommene Transparenz über Kosten und Leistungen. "Wir arbeiten heute schon am Limit. Eine weitere Belastung halte ich nicht für ratsam."

Kein Ende des Preiskampfs

Zumal der Preiskampf mit dem Mindestlohn nicht an sein Ende kommen wird. "Der Preiskampf der vergangenen Jahre entbehrte jeder Vernunft und wirtschaftlicher Betrachtung. Warum also sollte das jetzt mit dem Mindestlohn anders werden?", fragt Benedikt. Er könne sich durch neue Near- und Offshore-Angebote sogar weiter verschärfen. Erste Unternehmen werben schon explizit für ausländische Standorte, mit Verweis auf den Mindestlohn.

Schlagworte zum Thema:  Mindestlohn, Call-Center, Dialogmarketing

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